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DVD-Besprechung - Mr. Miller ist kein Killer

Story:
Mr. Miller (Peter Sellers) ist langjähriger, leitender Angestellter der traditionsreichen Textilfirma Macpherson. Nach dem Tod des Firmengründers übernimmt sein Sohn Robert (Robert Morley) die Geschäfte. Dieser bringt jedoch aus den USA die fortschrittliche amerikanische Geschäftsfrau Angela Barrows (Constance Cummings) mit nach Schottland. Sie will jetzt mit seiner Zustimmung den gesamten Betrieb umkrempeln. Für Mr. Miller beginnt ein furchtbarer Albtraum, denn er lehnt sowohl moderne Geschäftspraktiken als auch Frauen in Führungspositionen strikt ab. Dies ist der Auftakt für den "Kampf der Geschlechter".

Meinung zum Film:
"Mr. Miller ist kein Killer" basiert auf der Kurzgeschichte "The Catbird Seat" des amerikanischen Schriftstellers James Thurber. Das Drehbuch zum Film schrieb Monja Danischewsky ("Topkapi"), während die Regie der Engländer Charles Crichton übernahm, der fast 30 Jahre später mit "Ein Fisch namens Wanda" eine absolute Vorzeigekomödie mit Ex-Monty Python John Cleese ("Fawlty Towers") in der Hauptrolle ablieferte. Als dieser britische Film im Jahr 1959 entstand, war Hauptdarsteller Peter Sellers ("Die Maus die brüllte") in Hollywood noch ein völlig unbeschriebenes Blatt. Ihm zur Seite stellte man den Briten Robert Morley ("Der Wachsblumenstrauss"), der in seinen Rollen häufig als Exzentriker oder britischer Snob mit einem guten Schuss Selbstironie glänzen konnte. Die weibliche Hauptrolle übernahm Constance Cummings ("Der Kinonarr"), die ihre größten Zeiten im Hollywood der 30er-Jahre erlebte. Donald Pleasence, der mit seiner Verkörperung des Psychiaters von Michael Myers, Dr. Sam Loomis, in "Halloween - Die Nacht des Grauens" zur Kultfigur des Horrorgenres wurde, hat hier zwei Kurzauftritte zu Beginn, weicht aber dann freiwillig der Karrierefrau Angela Barrows.

Eigentlich handelt es sich bei "Battle of the Sexes", so der Originaltitel, um Etikettenschwindel. Im Mittelpunkt steht keineswegs der Kampf der Geschlechter, hier vertreten durch Mr. Miller und Mrs. Barrows. Vielmehr prallen hier die Ideen von wirtschaftlichem Fortschritt und traditioneller, vorindustrieller Arbeitsweisen aufeinander. Zwar äußert sich Mr. Miller zu Beginn negativ über Frauen in Führungspositionen, die Ideen, die von Mr. Miller abgelehnt und bekämpft werden, gründen jedoch weder auf der Geschlechterrolle von Mrs. Barrows, noch auf ihrer Persönlichkeit selbst. Mr. Miller wird als komischer, schottischer Kauz dargestellt, der alte Traditionen verkörpert und sich ungern in seine Führungsgeschäfte hineinreden läßt. Peter Sellers wurde für diese Rolle vom Maskenbildner dermaßen ausstaffiert, dass er mindestens 25 Jahre älter wirkt, als er zu diesem Zeitpunkt tatsächlich gewesen ist. Dieser friedfertige, hochanständige eher gemächlich und passiv wirkende Mensch durchläuft innerhalb des ihm durch Mrs. Barrows aufoktroyierten Existenzkampfes, in dem plötzlich alle verdienten Mitarbeiter zur Disposition stehen, eine extreme charakterliche Wandlung. Mr. Millers Kampfgeist ist geweckt und der Zweck heiligt die Mittel, weshalb die Tugend außen vor bleiben muß.

Zunächt beginnt Mr. Miller alle neumodischen Gerätschaften wie die Sprechanlage oder die Rechenmaschine zu sabotieren und schließlich gipfelt seine Existenzangst sogar darin Mrs. Barrows zu ermorden. Diese finale Konfrontation in ihrer Wohnung und deren spätere Aufarbeitung sind dann wohl auch als das komödiantische Highlight des Films zu benennen. Mr. Miller mangelt es nämlich bei seinen verschiedenen Attacken sowohl am Mumm als auch am notwendigen Glück. Im Zuge dieser Fehlschläge entwickelt er jedoch eine ganz neue Strategie und beschließt ihre Zurechnungsfähigkeit in Frage zu stellen. Dafür muss Mr. Miller jedoch seinen gesamten Charakter völlig umkrempeln und wird zum saufenden, rauchenden Weiberhelden, deren Attacken sich Mrs. Barrows erwehren muß. In diesen Szenen ergibt sich dann für Peter Sellers auch einmal die Gelegenheit, sein komödiantisches Talent ansatzweise zu entfalten, während der Film ansonsten trotz seiner geringen Spielzeit nur belanglos und uninspiriert vor sich hinplätschert.

Digitale Aufarbeitung:
Die Bildschärfe der DVD bewegt sich eher in durchschnittlichen Gefilden und auch ein leichtes Rauschen ist vorhanden. Der vorliegende Schwarzweißfilm weist einige Verschmutzungen und Bildfehler auf. Hellere Flächen wie Gesichter überstrahlen stark, während dunklere Bereiche hingegen Details verschlucken. Die deutsche Tonspur klingt ein wenig verzerrt, ist aber insgesamt gut verständlich. Die englische Tonspur ist deutlich lauter abgemischt und leidet unter einem stärkeren Rauschen, bietet aber ansonsten ebenfalls gute Verständlichkeit. Beide Tonspuren klingen allerdings ein wenig blechern.

Auf der DVD befinden sich lediglich die deutsche Titelsequenz (1:13), der deutsche Trailer, eine Bildergalerie und die Bio- und Filmographie von Peter Sellers als Lauftext.

Fazit:
"Mr. Miller ist kein Killer" ist ein Frühwerk von Peter Sellers und leidet trotz seiner durchaus komödiantisch talentierten Hauptdarsteller unter einem einfallslosen und ereignisarmen Drehbuch. Wirklich amüsante Szenen sucht man eigentlich im gesamten Film vergeblich und auch Peter Sellers wird nur selten einigermaßen gefordert. Constance Cummings leidet hingegen unter ihrer schwachen Figurenzeichnung und erhält somit keine Gelgenheit sich als ernsthaftes Gegengewicht für Mr. Miller zu etablieren. Technisch ist die DVD dieses fast 50 Jahre alten Films durchaus zufriedenstellend ausgefallen, das Bonusmaterial entspricht in seiner Schlichtheit aber leider der Veröffentlichung von "Gentlemen Killers".

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,66:1
1,66:1
80:38 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Deutsche Titelsequenz
  • Bio- und Filmographie von Peter Sellers
  • Deutscher Trailer
  • Bildergalerie
Mr. Miller ist kein Killer - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Mr. Miller ist kein Killer
The Battle of the Sexes

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Ereignisloses und humorarmes Frühwerk von Peter Sellers


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Großbritannien, 1959
Regie:
Charles Crichton
Drehbuch:
Monja Danischewsky (basierend auf einer Kurzgeschichte von James Thurber)
Darsteller:
Peter Sellers, Robert Morley, Constance Cummings, Jameson Clark, Ernest Thesiger, Donald Pleasance

Label Deutschland :
e-m-s
Verkaufsstart Deutschland :
18.09.2008