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DVD-Besprechung - Minbo - Die Kunst der Erpressung

Story:
Im Grand Hotel "Europa" in Tokio hat sich die Yakuza breit gemacht. Diese Tatsache schreckt ausgerechnet die hochrangigen Gäste aus dem Ausland ab, die als wichtigste Zielgruppe gelten. Währenddessen haben vor allem die Hotelangestellten unter den Gangstern zu leiden, die ihnen mit einer Mischung aus großmäuliger Einschüchterung und geschickt eingefädelten Fallen das Leben zur Hölle machen. Der Leiter der Finanzabteilung Herr Suzuki (Yasuo Daichi) und der Page Wakasugi (Takehiro Murata) werden damit beauftragt, das Yakuza-Problem aus der Welt zu schaffen, sie scheitern dabei aber grandios. Deshalb wird die Rechtsanwältin Mahiru Inoue (Nobuko Miyamoto), die auf Probleme mit den Yakuza spezialisiert ist, als externe Expertin hinzugezogen.

Meinung zum Film:
Der Regisseur von "Minbo - die Kunst der Erpressung", Jûzô Itami, wurde vor allem durch seinen Nudelsuppenkultfilm "Tampopo" bekannt, bei dem es sich um eine kulinarische Liebeserklärung an die japanische Küche handelt. Dieser Film ist bereits im Juli 2008 als DVD bei Savoy/Sunfilm erschienen. In "Minbo" zeichnet Itami ein wenig schmeichelhaftes Bild der japanischen Mafia, der Yakuza, die sich selbst viel lieber als moderne Samurai sehen. Für Itami blieb diese als "Verunglimpfung" empfundene Darstellung nicht ohne Folgen. Im Entstehungsjahr des Films wurde er von einer Gruppe Yakuza attackiert und durch Messerwunden schwer verletzt. Auch bezüglich seines mysteriösen Selbstmords, einem Sprung aus dem 8. Stock am 20. Dezember 1997, existieren Theorien, die diesen mit der Yakuza in Verbindung bringen. "Minbo" wurde bei den Japanese Academy Awards 1993 in sieben Kategorien nominiert, u.a. Bester Film und Beste Regie, und gewann die Auszeichnungen für den besten Schnitt sowie den besten Ton. Itamis langjährige Ehefrau Nobuko Miyamoto ("Tanz am Abgrund") übernahm wie so oft in seinen Filmen die Hauptrolle. Der Film liegt in dieser Fassung in Deutschland erstmals ungekürzt vor. Bisher fehlende Szenen wurden im O-Ton belassen und verfügen über deutsche Untertitel.

Bei "Minbo" handelt es sich um eine Satire, die sich dem ernsten Thema der Erpressung durch die Yakuza mit komödiantischen Hilfsmitteln nähert. Gerade gegen Ende muss der Film aber auch immer stärker als Aufruf zum Widerstand gegen die Yakuza verstanden werden und weist in der Folgenabschätzung auch durchaus tragische Züge auf. Der Film beschreibt in der ersten halben Stunde recht ausufernd die Eskapaden der Yakzua-Mitglieder, die hier vor allem als großmäulige Proleten dargestellt werden. Nach etwa 35 Minuten tritt die Rechtsanwältin auf den Plan und beginnt mit einer Art "Charaktercoaching" für die Angestellten. Zunächst verweist sie ein paar Yakuzas in ihre Schranken und zerstört damit deren Allmachtsanspruch. Hinterher beginnt sie die Einstellung und das Verhalten ihrer Schutzbefohlenen zu trainieren. Besonders wichtig ist es demzufolge selbst beherrscht und ruhig zu bleiben, während die Yakuzas durch das eigene Verhalten zur Androhung oder Anwendung von Gewalt gezwungen werden sollen. Normalerweise lohnt nach ihrem Kalkül eine kleine Erpressung keine langwierige Gefängnisstrafe. Sollte die Situation aber wider Erwarten doch eskalieren, so ergibt sich daraus die Möglichkeit die Polizei einzuschalten.

Nachdem die Rechtsanwältin auf den Plan tritt, werden auch die Erpressungsmethoden der Yakuza immer raffinierter und diabolischer. So wird z.B. der Hotelgeschäftsführer in eine Bar gelockt, mit einer Droge willenlos gemacht und dann mit einer nackten Minderjährigen fotografiert. Jedes Nachgeben gegenüber den Forderungen der Yakuza setzt dabei erst eine weitere Ausbaustufe ihrer Erpressung in Gang und verschärft die Hoffnungslosigkeit der Situation für ihre Opfer. Der Film lebt vor allem von der sehr starken Hauptdarstellerin, die sich mit den Yakuza ein gnadenloses Psychoduell bis aufs Messer liefert. Deren überzeichnete Darstellung und ihre stets extrem ausfallenden Überreaktionen liefern in Verbindung mit den ausgeklügelten Erpressungstechniken bereits einen Großteil des humoristischen Potentials. Leider geht der Film aber nicht wirklich darüber hinaus. Im Grunde setzen die Yakuza nur einen Plan nach dem anderen in Gang, während die Rechtsanwältin entsprechende Gegenmaßnahmen startet. Dieses einseitige Konzept zeigt zunehmende Ermüdungserscheinungen und es mangelt an entscheidenden Höhepunkten. Auf Slapstick oder gewitzte Wortspielereien wird leider auch komplett verzichtet. Der Film lebt somit vor allem von den schrillen Charakteren, der Page ist z.B. ein verhinderter Sumoringer, und der aberwitzigen Grundkonstellation aus der heraus ein Nobelhotel als Selbstbedienungsladen für die Yakuza herhalten muss.

Digitale Aufarbeitung:
Der Film liegt auf dieser DVD in guter Schärfe und mit ausgewogenem Kontrast vor. Das leichte Bildrauschen erweist sich als nicht sonderlich störend. Die Farben sind aber etwas blass und wenig ausdrucksstark ausgefallen. Beide Tonspuren bieten eine gute Verständlichkeit, die japanische Tonspur ist aber etwas leiser abgemischt.

Die DVD-Hülle befindet sich in einem ansprechend gestalteten Schuber. Neben der ungekürzten Langfassung befindet sich auf der DVD auch noch die kürzere Exportfassung (105:52) von "Minbo". Weiterhin besteht der Bonusbereich noch aus dem Originaltrailer sowie drei Originalteasern zum Film.

Fazit:
"Minbo" wird trotz seiner langen Laufzeit nie wirklich langweilig, besitzt aber leider auch wenig echte Höhepunkte. Abgesehen von der viel versprechenden Ausgangssituation und der comichaften Figurenzeichnung wird einfach zuwenig humoristisches Potential abgerufen. Auf Dauer ermüdet der daraus resultierende Witz zusehends und der erhobene Zeigefinger wirkt bei der Wandlung zur phasenweisen Tragödie auch etwas störend. Technisch kann die DVD trotz der eher mageren Extras überzeugen und präsentiert den Film auch erstmals in ungeschnittener Form.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,78:1
1,78:1
118:03 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Japanisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch, Englisch
Bonusmaterial:
  • Alternative Filmfassung
  • Originaltrailer
  • Originalteaser
Minbo - Die Kunst der Erpressung - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Die Kunst der Erpressung
Minbo no onna

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Der Kampf gegen die erpresserische Yakuza in das Gewand der Satire gekleidet


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Japan, 1992
Regie:
Jûzô Itami
Drehbuch:
Jûzô Itami
Darsteller:
Nobuko Miyamoto, Yasuo Daichi, Kôichi Ueda, Shirô Itô, Hosei Komatsu, Noboru Mitani

Label Deutschland :
Savoy Film
Verkaufsstart Deutschland :
26.09.2008