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DVD-Besprechung - Tage des Ruhms - Special Edition
Story:
Nach der Niederlage der französischen Truppen im Jahr 1940 und der Besetzung des "Mutterlandes" Frankreich beginnt General Charles de Gaulle im Jahr 1943 die groß angelegte Aufstellung einer neuen freifranzösischen Armee mit schwerpunktmäßigen Mobilisierungen in den afrikanischen und nordafrikanischen Kolonialgebieten Frankreichs. Letztendlich stellen die Kolonialgebiete mit rund 233000 Mann den Großteil dieser Streitkräfte und sind stets in vorderster Front zu finden. Erst aufgrund ihrer militärischen Erfolge und ihres Engagements sichert sich Frankreich wieder militärische und politische Mitspracherechte. Somit konnte Frankreich letztendlich nicht nur befreit werden, sondern sicherte sich auch eine gewichtige Rolle bei der Gestaltung der Nachkriegsordnung. Der Film begleitet diesen französischen Feldzug aus der Sicht der 2. Kompanie des 7. Algerischen Infanterieregiments.
Meinung zum Film:
Mit der Realisierung von "Tage des Ruhms" hat es sich Regisseur Rachid Bouchareb ("Himmel ohne Sonne") auf die Fahnen geschrieben, ein beinahe vergessenes Kapitel des 2. Weltkriegs in die kollektive französische Erinnerung zurückzurufen und gleichzeitig für die Rechte dieser Veteranen aus den Kolonien zu kämpfen. Denn neben der Aussparung ihrer Leistungen in den französischen Geschichtsbüchern wurden auch ihre Veteranenrenten, nach der Entlassung der Kolonien in die Unabhängigkeit, per Gesetz auf einem heute lächerlich niedrig anmutenden Stand eingefroren. Der Film entwickelte sich in Frankreich zu einem großen Publikumserfolg. Er wurde außerdem in Cannes 2006 für die Goldene Palme nominiert und ein Jahr später ging er in das Rennen um den Auslands-Oscar. Aber nicht nur das, er trieb auch Staatspräsident Jacques Chirac zur Tat, der die finanzielle Gleichstellung mit den regulären französischen Veteranen endlich auf den Weg brachte.
"Tage des Ruhms" ist zunächst einmal ein eher ungewöhnlicher Kriegsfilm. Er transportiert keine Antikriegsbotschaft und bietet nur sehr wenige Schlachtszenen, die auch noch vollständig ohne explizite Gewaltdarstellungen auskommen. Vielmehr konzentriert das Geschehen auf das Innere einer kleinen Einheit, die fast vollständig aus Nordafrikanern besteht. Thematisiert wird einerseits deren Aufopferungsbereitschaft für ein Land, das viele von ihnen vorher noch nie betreten haben, andererseits im Kontrast dazu, der Kampf gegen den "Inneren Feind", der ihrem großen Opfer nicht die angemessene Würdigung erweist. Der Großteil der Männer besteht aus Muslimen, die untereinander auch noch größtenteils arabisch sprechen und aus einem völlig anderen Kulturkreis stammen. Ihnen stößt von den eigenen Kameraden Rassismus entgegen und sie werden von ihren Vorgesetzten benachteiligt. Es gibt weniger hochwertige Essensrationen, Heimaturlaub wird verweigert, ihre Post wird unterschlagen und bei Beförderungen werden sie ebenfalls fast immer übergangen.
Der Film beschreibt nun das Innenleben dieser Einheit und ihrer einzelnen Mitglieder, ihre Lebensseinstellung, ihre Freundschaft untereinander, aber auch ihre Hoffnungen. So plant einer der Soldaten sich später in Frankreich niederzulassen, während ein anderer gerne unbedingt zum Offizier aufsteigen möchte. Aber im Verlauf des Feldzugs steigern sich auch Frustration, Angst und Erschöpfung und es kommt auch innerhalb der Gruppe zu Konflikten, als Einzelne kampfesmüde werden und angesichts der Behandlung, die sie erfahren, ihren Einsatz in Frage stellen. Vom Kampfgeschehen selbst sieht der Zuschauer allerdings nur sehr wenig. Es gibt einige Impressionen vom ersten Einsatz, der Erstürmung eines Berges, wenige Bilder von einem Zwischenfall in den Vogesen und letztendlich dann die einzige längere Gefechtsdarstellung, ein etwa 10-minütiges Gefecht um ein Dorf im Elsass gegen Ende des Films mit nur wenigen Beteiligten, aber handwerklich dafür sehr überzeugend umgesetzt.
Digitale Aufarbeitung:
Die DVD überzeugt stets mit guter Schärfe und einem ausgewogenen Kontrast, wirkliche Schwächen sind nicht feststellbar. Die beiden Tonspuren sind ebenfalls qualitativ hochwertig ausgefallen und liefern nicht nur durchgehend eine gute Verständlichkeit, sondern bieten auch, trotz der eher spärlichen Anzahl von Kampfszenen, immer wieder die Einbeziehung von Hintergrundgeräuschen.
Die Special Edition wird in einer Tin-Box ausgeliefert. Eine Aussage zu deren Qualität ist jedoch nicht möglich, da sie zur Besprechung nicht vorlag. Das Bonusmaterial befindet sich komplett auf der zweiten DVD. Den Anfang macht das Making Of (24:29). Es enthält einige Kommentare des Regisseurs, des Produzenten und der Hauptdarsteller, weiterhin Bilder von den Dreharbeiten und einige Hintergrundinfos, besonders über die wichtigsten Charaktere des Films. Noch deutlich umfangreicher ist die Dokumentation "Jamel, Rachid, Roschdy, Samy...Die Enkel der "Tirailleur"" (63:28) aus dem Jahr 2006. Neben Bildern von der Premiere des Films beschäftigt sie sich vor allem mit mehreren Veteranen, deren Biographien und Erlebnisse wichtige Vorlagen für den Film darstellten. Weiterhin beinhaltet die sehr interessante Dokumentation historische Filmaufnahmen, Besuche der damaligen französischen Kampfschauplätze und erschreckende Hintergrundinformationen zur heutigen Lebenslage der Veteranen. Das sehr ausführliche und fundierte Interview mit dem Militärhistoriker Dr. Martin Rink (48:55) über die Rolle der für Frankreich kämpfenden nordafrikanischen Soldaten vom Beginn der Mobilisierung 1943 bis zum Ende ihres Feldzuges ist ein weiteres Highlight im Bonusbereich. Dr. Martin Rink trägt sein umfangreiches Hintergrundwissen stets detailliert, absolut flüssig und unterhaltsam vor, dabei werden aber auch stets Bezüge zu eingeschnittenen Filmszenen hergestellt, um die Zusammenhänge zu verdeutlichen. Zum Schluss äußert er sich auch noch zum Wert des Films und den politischen Entwicklungen, die der Film mit sich brachte. Den Abschluss der Extras bildet der deutsche Trailer.
Fazit:
"Tage des Ruhms" thematisiert den in Vergessenheit geratenen großen Anteil (nord)afrikanischer Kämpfer an der Befreiung Frankreichs im 2.WK und kommt dabei mit wenigen Kampfszenen aus. Die sehr überzeugenden Darsteller verkörpern glaubwürdige, gut ausgearbeitete Charaktere, die nicht nur unter den Härten des Krieges, sondern auch unter ständigen Diskriminierungen in den eigenen Reihen zu kämpfen haben. Kritikpunkte sind lediglich die Ausblendung der Lebensumstände der Nordafrikaner in ihrer Heimat und damit einhergehend deren nicht immer ganz nachvollziehbare Motivation, sich für das "Mutterland" zu opfern. Den Namen "Special Edition" hat sich diese Veröffentlichung aufgrund des sehr umfangreichen und hintergründigen Bonusmaterials redlich verdient.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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2,35:1
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118:38 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Französisch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Making Of
- Dokumentation "Jourel, Rachid, Raschdy, Samy...Die Enkel der Tirailleur"
- Interview mit dem Militärhistoriker Dr. Martin Rink
- Deutscher Trailer
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Tage des Ruhms - Die vergessenen Helden des Zweiten Weltkrieges
Indigènes
Nach "Intimate Enemies" bereits der zweite hochwertige Kriegsfilm aus französischer Produktion in diesem Jahr
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Algerien / Belgien / Frankreich / Marokko, 2006 Regie: Rachid Bouchareb Drehbuch: Rachid Bouchareb, Olivier Lorelle Darsteller: Jamel Debbouze, Samy Naceri, Roschdy Zem, Sami Bouajila, Bernard Blancan, Mathieu Simone
Label :
Ascot Elite
Verkaufsstart : 23.10.2008
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