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DVD-Besprechung - Blutrache - Dead Man's Shoes

Story:
Sonny (Fary Stretch) ist der Möchtegernchef einer Clique von kleinen Dealern. Er glaubt, dass sein kleines Reich die Mitte des Universums ist, nur eines voller Langeweile. Kein Wunder, dass diese Gruppe von Losern gern auch den eigenen Stoff verköstigt und dabei nur Unfug herumkommt. So nehmen sie den geistig rückständigen Anthony (Toby Kebbel) sehr derbe in die Mangel und bemerken fast gar nicht, wie sie den jungen Mann brechen. Anthonys Bruder Richard (Paddy Considine) ist außer sich und nimmt die Dinge nun in die Hand, was für die Dealer nichts Gutes bedeutet.

Meinung zum Film:
Der Thriller „Blutrache“ aus dem Jahr 2004 stammt von Regisseur Shane Meadows, dessen „This Is England“ erst kürzlich auf dem deutschen Markt erschienen ist. Wer nun glaubt, dass „Blutrache“ im Erfolgsfahrwasser auf den Markt kommt, hat Recht. Er muss dann aber auch zugeben, dass Blutrache ein harter Thriller ist, der so kompromisslos inszeniert wurde, wie sein Hauptdarsteller handelt. Auslöser der Ereignisse sind ein paar gelangweilte Kleindealer, die glauben sie wären der Nabel der Welt und die coolsten Typen unter der Sonne. Sie versuchen dem Alltag tapfer entgegen zu treten und nutzen die kleinste Gelegenheit, um sich zu zerstreuen. Dass diese Typen dann auch nicht davor zurückschrecken, den etwas retardierten Anthony zu quälen verwundert dann auch nicht weiter.

Das Pech dieser Vorstadtganoven liegt dann aber zum einen darin begründet, dass Anthony nach dem Vorfall noch verstörter ist als sonst und zum anderen, dass er einen großen Bruder hat. Die beiden haben seit jeher ein inniges Verhältnis und Richard sieht sich als Aufpasser für seinen kleinen Bruder. Richard ist derart wütend, dass er beschließt, sich für Anthony zu rächen. Für den kompletten Film spricht seine einfache Bildsprache und die eigentlich simple Handlung. Alles ist erschreckend nachvollziehbar und der Zuschauer kann sich gut in alle handelnden Personen hineinversetzen. Nichts wirkt zu konstruiert oder gar aufgesetzt, ja selbst die Darstellung des Drogenrausches sieht absolut realistisch aus. Allein die Situation, in der sich Richard einem zugedröhnten Dealer mit Gasmaske zeigt und dieser ihn als Elefantenmenschen erkennt, ist nur ein Beispiel für die verschobene Wahrnehmung. Es ist kein lauter, krachender Film, sondern fast schon eine Art Dokumentation einer eskalierenden Situation.

Die Sets sind nahezu perfekt ausgesucht worden und zeigen ein ödes, englisches Kaff, in dem man nicht einmal tot über dem Zaun hängen möchte. Regisseur Shane Meadows entführt sein Publikum nicht in eine fabelhafte Wunderwelt, sondern in die Abgründe menschlichen Denkens und Handelns. Natürlich ist Richards Reaktion auf die miesen Dealer extrem, aber in der Wirklichkeit reagiert man tatsächlich emotionaler, wenn es um die eigenen Leute geht. Dann reduziert sich die Vernunft und das rationelle Denken und eine eher unsteuerbare Wut kann an diese Stelle treten. Genau dies passiert in „Blutrache“ und alles läuft, aus persönlichen Gründen, vollkommen aus dem Ruder. Die Schauspieler agieren durch die Bank gut und jeder wirkt authentisch.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild wirkt sehr lebensecht, fast wie in einer Dokumentation. Es unterstreicht den kompletten realistischen Ansatz der Handlung. Die Farben sind natürlich und ausgewogen, der Kontrast hätte eine Spur besser sein können. Der Ton bietet vor allem von den vorderen Boxen einen guten Klang, die hinteren werden merklich weniger bedient.

Als Extras gibt es drei geschnittene Szenen, zwei erweiterte Filmsequenzen, sowie ein alternatives Ende. Letztlich muss jeder Zuschauer für sich entscheiden, ob diese Varianten eher in den Hauptfilm gehören, oder die Entscheidung der Regie, diese in das Bonusmaterial zu verbannen, richtig war. Weiterhin gibt es den Originaltrailer, sowie einen Audiokommentar von Shane Meadows.

Fazit:
„Blutrache“ ist ein harter, ehrlicher Rachefilm, der nicht glorifiziert, nichts beschönigt, sondern schlicht menschlich ist. Er lässt erkennen, wie weit ein Mensch gehen kann, trotz einer anderen Überzeugung. Es ist kein effekthaschender Film, vielmehr bringt er, vor allem zum Ende, den Zuschauer zum Nachdenken. Die technische Umsetzung ist in Ordnung.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 18
1,85:1
1,85:1
86:38 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar von Regisseur Shane Meadows
  • Deleted Scenes
  • Erweiterte Szenen
  • Alternatives Ende
  • Originaltrailer
Blutrache - Dead Man's Shoes - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Blutrache
Dead Man’s Shoes

Bild unseres Mitarbeiters Jörg Hesse
Positive Überraschung aus England


Autor der Besprechung:
Jörg Hesse

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Großbritannien, 2004
Regie:
Shane Meadows
Drehbuch:
Paddy Considine, Shane Meadows
Darsteller:
Paddy Considine, Gary Stretch, Toby Kebbell, Jo Hartley, Stuart Wolfenden

Label Deutschland :
Ascot Elite
Verkaufsstart Deutschland :
23.10.2008