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DVD-Besprechung - No Country for Old Men
Story:
Bei der Jagd entdeckt Llewelyn Moss (Josh Brolin) durch Zufall eine Handvoll Leichen nebst einer großen Menge Rauschgift und 2 Millionen Dollar, die er gleich an sich nimmt. Schon kurze Zeit später macht sich der psychopathische Killer Anton Chigurh (Javier Bardem) auf die Jagd nach Moss, da er das Geld gerne für sich haben möchte. Als der lokale Sheriff Ed Tom Bell (Tommy Lee Jones) auf die Leichen aufmerksam wird, nimmt er geruhsam die Ermittlungen in dem Fall auf und wird dabei auch auf Moss aufmerksam, der zwischenzeitlich auf der Flucht vor Chigurh ist.
Meinung zum Film:
„No Country for Old Men“ gehörte zu den großen Gewinnern bei der Oscar-Verleihung in 2008. Mit den wichtigen Oscars für den besten Film, die beste Regie, die beste Nebenrolle und das beste Drehbuch nach einer Vorlage, bei weiteren 4 Nominierungen, sorgte die Produktion der Coen-Brüder („The Big Lebowski“) für Aufsehen. Dabei ist der Film alles andere als typisch für Hollywood. In gewohnt zynischer und kompromissloser Manier erzählen die Coens die Geschichte von 3 Männern, von denen Zwei die Rolle von Jäger und Gejagten inne haben, während der Dritte sich gar nicht so recht an dem Spiel beteiligen möchte und viel lieber seiner lebensphilosophischen Ader freien Lauf lässt und diese durch Lebensweisheiten ergänzt. Das von den beiden Regisseuren verfasste Drehbuch basiert dabei auf der gleichnamigen Romanvorlage von Cormac McCarthy („All die schönen Pferde“) und ist ein Blick auf das Aufeinandertreffen dreier männlicher Charaktere, die unterschiedlicher kaum sein könnte.
Einer dieser Männer ist Llewelyn Moss, gespielt von Josh Brolin („American Gangster“). Llewelyn ist Vietnam-Veteran und lebt nur noch in den Tag. Als er die 2 Millionen Dollar findet ist das für ihn der große Jackpot und obwohl ihm klar ist, dass bei der Menge Rauschgift und den Leichen am Tatort ernstzunehmende Verfolger hinter ihm her sein werden, nimmt er das Geld dennoch an sich. Womit er nicht gerechnet hat ist mit dem psychopathischen Chigurh, gespielt von Javier Bardem („Das Meer in mir“). Mit ihm hat er einen skrupellosen, eiskalten Killer auf seiner Fährte, der sich zusätzlich auch noch mit den Ganoven anlegt, für die er ursprünglich das Geld besorgen sollte. Die Lieblingswaffe des Psychopathen ist eine Luftdruckflasche, mittels der er Türschlösser knackt und Menschen durchlöchert, ohne dabei auch nur eine Mine zu verziehen. Im Verlauf des Films gibt es allerdings immer wieder einen Wechsel darin, wer nun Jäger und wer Gejagter ist. Beide Männer sind auf ihre Weise entschlossene Kämpfer, Chigurh aus kühler Überlegtheit und einem perversen inneren Antrieb, Moss aus seinem reinen Überlebenstrieb heraus. Sheriff Bell, gespielt von Tommy Lee Jones („Im Tal von Elah“), der eigentlich für Recht und Ordnung sorgen sollte, macht es sich zwischenzeitlich in seinem Nest bequem. Er besucht zwar die Tatorte, philosophiert dabei aber mehr über Gott, die Welt und das Älter werden, als dass er ernsthafte Untersuchungen anstellen würde.
Die ersten 2/3 des Films werden in erster Linie von dem Duell zwischen Chigurh und Moss um das Geld dominiert. Mit der für die Coens gewohnten Härte wird hier ein spannender, kompromissloser Zweikampf gezeigt, in dem die Vorteile hin und her wiegen. Zwischenzeitlich kommt zudem mit Carson Wells (Woody Harrelson / „Natural Born Killers“) noch ein Kopfgeldjäger ins Spiel, der für weitere Spannung sorgt. Dieser Teil des Films ist erstklassig inszeniert und zeigt trotz seiner Härte immer wieder Tiefgang. Der Plot scheint immer mehr auf eine erstklassiges Finale zuzusteuern, bevor die Coens im letzten Drittel bei Tempo 300 mittels Bremsrakete jegliches Tempo, jedwede Action und die komplette Härte heraus nehmen. Das letzte Drittel besteht von einem Moment auf den nächsten fast nur nur noch aus Dialogen des philosophierenden Sheriff Bell. Das Schicksal von Moss wird angedeutet, ohne dass man etwas davon sehen würde. Chigurhs Zukunft wird etwas weiter ausgeführt, aber ebenfalls mehr nebenläufig, gemessen am bisherigen Verlauf. Anstelle des eigentlich erhofften, actionreichen Finales gibt es 2 Philosophiestunden mit Ed Tom Bell. Das Ende, das sicherlich die Hoffnungslosigkeit der Gewalt und den Sieg der Feder über das Schwert darstellen soll, birgt großes Frustpotential für den Betrachter. Es wird nicht wenige geben, die nach dem Film denken, von den Coens an der Nase herumgeführt und um einen Showdown betrogen worden zu sein. Knapp 1,5 Stunden wird dem Zuschauer ein Action-Thriller-Filetstück der obersten Güte vor die Nase gehalten, zum Essen gibt es dann aber nur einen langatmig anmutenden Teller mit welkem Rohkostgemüse zum Verzehr. Wieso es für so etwas einen Oscar gibt, muss man nicht verstehen, denn es sollte der Gesamteindruck gewertet werden und der stimmt hier leider überhaupt nicht. Den Till-Eulenspiegel-Preis hat sich das Werk aber auf jeden Fall verdient.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild macht einen guten Eindruck. Lediglich bei der Tiefenschärfe kommt stellenweise das Gefühl auf, dass hier mehr drin gewesen wäre und bei Szenen mit grellem Licht neigt es zudem ein wenig zu überstrahlen. Der deutsche Ton in Dolby Digital 5.1 ist durchweg gut verständlich und wenn es die Szenen ermöglichen, werden die Effektlautsprecher auch sehr effektiv genutzt.
Bei den Extras wird beim Making Of sehr schnell klar, dass selbst die Darsteller nicht einmal genau einordnen können, in welcher Art von Film sie mitgespielt haben. Die Coens versuchen anschließend ihre Sichtweise für die Story näher zu bringen, allerdings schaffen sie dies genauso wenig, wie es der Film selbst schafft. Doch immerhin bietet das knapp 25-minütige Feature einige Eindrücke vom Dreh und die Motivationen bei der Umsetzung. Im nächsten Beitrag erzählen einzelne Künstler wie ihre Eindrücke von der Arbeit mit den Coen-Brüder waren. Abschließend gibt es noch knapp 7 Minuten vertiefte Philosophien von Sheriff Bell und Erklärungsversuche über sein Verhalten im Film.
Fazit:
„No Country for Old Men“ ist in den ersten 2/3 ein fesselnder Action-Thriller, der sehr gut zu Unterhalten versteht. Im letzten Drittel wird dann eine ganz andere Geschichte erzählt, die nur noch auf die Kraft des Wortes setzt und das bis dahin Gezeigte zur Nebensache verkommen lässt. Ein ganz merkwürdiger Film, aber das ist sicherlich nicht das erste Mal, dass dies über ein Werk der Coen-Brüder geschrieben wird.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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2,35:1
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117:12 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Englisch Dolby Digital 5.1 | Türkisch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch, Englisch, Türkisch |
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Bonusmaterial:
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- Das Making Of von "No Country for Old Men"
- Die Arbeit mit den Coens
- Tagebuch eines Sheriffs
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No Country for Old Men
No Country for Old Men
Zu 1/3 kein Film für Action-Thriller-Fans, zu 2/3 eher keines für Freunde des Arthaus
Autor der Besprechung:
Michael Tomiak
Filmdaten:
Regie: Ethan Coen, Joel Coen Drehbuch: Ethan Coen, Joel Coen Darsteller: Josh Brolin, Javier Bardem, Tommy Lee Jones, Woody Harrelson, Kelly Macdonald, Garret Dillahunt, Tess Harper, Barry Corbin, Stephen Root
Label :
Paramount Home Entertainment
Verkaufsstart : 06.10.2008
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