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DVD-Besprechung - Driftwood

Story:
David Forrester (Ricky Ullman) wird von seinen Eltern in die Besserungsanstalt "Driftwood" eingewiesen. Sie wollen verhindern, dass David, der auf sie einen psychisch instabilen Eindruck macht, ein ähnliches Schicksal erleidet wie sein älteter Bruder, der an einer Überdosis starb. "Captain" Doug Kennedy (Diamond Dallas Page), ein Ex-Marine, hat jedoch ganz andere Pläne mit den Insassen. Als David außerdem von dem Geist eines toten Jungen heimgesucht wird, der hier offensichtlich einen grausamen Tod starb, liegt es an David die Wahrheit über "Driftwood" und den "Captain" ans Licht zu bringen.

Meinung zum Film:
Für "Driftwood" kooperierten die neu gegründete Filmsparte von Dark Horse Entertainment, Dark Horse Indie, deren Comicsparte durch Reihen wie "Sin City", "Hellboy" oder "Alien vs. Predator" bekannt wurde und die auch alle verfilmt wurden, mit dem unabhängigen, amerikanischen Produzenten Image Entertainment. Das bekannteste Produkt aus dieser Zusammenarbeit ist bisher die Horrorkomödie "My Name is Bruce", bei der sich Bruce Campbell ("Bubba Ho-Tep") als Regisseur auch noch als Hauptdarsteller mit viel Ironie selbst in Szene setzen durfte. Bei "Driftwood" führte mit Tim Sullivan ("2001 Maniacs") ebenfalls ein Spezi aus dem Horrorgenre Regie. Aufgrund seines derb-humorigen Erstlings wurde diesem neuen Werk eine erhöhte Erwartungshaltung zuteil. Das bekannteste Gesicht im Film ist der Ex-WCW- und WWE-Superstar Diamond Dallas Page ("The Devil's Rejects"), der bereits einige Male in diesem Genrefilmen aktiv war. Ansonsten finden sich in "Driftwood" vor allem Jungdarsteller mit Fernsehhintergrund, denen bis heute der große Durchbruch auf der Kinoleinwandwand versagt blieb.

"Driftwood" vermischt erfolglos mehrere Genres miteinander, die einfach nicht zueinander passen, und denen der Film auch jeweils für sich gesehen nicht gerecht wird. Da wäre zunächst der Rahmen des Gefängnisfilms, in einer Art Besserungsanstalt für Jugendliche, deren Darstellung jedoch im Vergleich zu realen Boot-Camps in den USA immer noch vergleichsweise harmlos wirkt. Aber dieser Teil scheitert nicht nur an der halbherzigen Darstellung der Tagesabläufe, sondern auch an den klischeehaften Stereotypen innerhalb der Knastmauern. Zum anderen handelt es sich auch um ein Coming-of-Age-Drama, in dem sich die Hauptfigur David erst durch die Härten seines neuen Lebens zu einer echten Persönlichkeit wird. Auch wenn das Ergebnis hier völlig anders erreicht wird als vorgesehen, ist es eigentlich genau das, was von diesem vermeintlichen Erziehungslager, das durchgehend negativ dargestellt wird, angestrebt wird. Dieser Sachverhalt ist eher kontraproduktiv.

Die dritte und letzte Komponente des Films bedient sich aus dem Horrorgenre und erweckt einen dahingemordeten ehemaligen Insassen des Lagers wieder zum Leben, der nicht eher ruhen kann, bis seine Peiniger ihrer gerechten Strafe zugeführt werden. Während der Knast- und Jugenddramateil vor Oberflächlichkeit strotzen, mangelt es diesem Teil an elementarsten Ingredenzien wie Spannung oder vernünftigen Effekten. Spannung rufen die Geistererscheinungen grundsätzlich nie hervor. Der Geist selbst besitzt zwar ein weggeschossenes Gesicht, das wirkt aber aufgrund des misslungenen Make-Ups auch eher unfreiwillig komisch. Und alle die erwarten, dass sich Tim Sullivan effekttechnisch an "2001 Maniacs" annähert, werden eine herbe Enttäuschung erleben. Die Altersfreigabe ab 16 Jahren kommt nicht von ungefähr und es gibt lediglich zwei Stellen, wo überhaupt mal Blut zu sehen ist, das zudem ineffektiv und völlig unrealistisch eingesetzt wird.

Digitale Aufarbeitung:
Die DVD bietet gute Schärfewerte, einen ausgeglichenen Kontrast, kräftige Farben und das Bildrauschen ist nur minimal ausgefallen. Beide Tonspuren sind gut verständlich und auch wenn es nur wenig Action gibt, werden Geräusche im Hintergrund durch ihren räumlichen Charakter aufgewertet.

Der Bonusbereich des Films ist ziemlich umfangreich ausgefallen. Auf der DVD befinden sich der deutsche Trailer, eine Fotogalerie, Bloopers (2:01), ein paar Deleted/Extended Scenes (7:09), das Feature "Casting" (14:33), bei dem alle angenommenen Darsteller beim Vorsprechen gezeigt werden, ein alternatives Ende (2:54), das viel zu kurze Feature "Doing Time on the Set" (4:28) mit ein paar Äußerungen der Verantwortlichen und abschließend das Feature "Inside the Walls of Driftwood" (28:53), das eine Art Making Of darstellt. Hier gibt es längere Kommentare aller wichtigen Mitwirkenden, einige Szenen vom Dreh, Details zu den wenigen Spezialeffekten und Hintergründe zu den teils etwas seltsamen Drehbedingungen (Stichwort Maden). Weiterhin befinden sich auf der DVD auch noch gleich zwei Audiokommentare, die aber im Gegensatz zu den anderen Extras leider nicht deutsch untertitelt sind. Der erste Audiokommentar mit Regisseur Tim Sullivan und dem Produzenten Chris Kobin bietet vor allem viele Hintergrundinfos zum Film, z.B. über die Produktionsbedingungen, die Entstehungsgeschichte oder die Darsteller/Charaktere. Den zweiten Audiokommentar bestreitet wiederum Tim Sullivan an der Seite eines gutgelaunten und redseligen Diamond Dallas Page. Hier werden vor allem Anekdoten vom Dreh geboten und es wird näher auf die Facetten von Pages Rolle eingegangen, außerdem gibt es auch noch (offene) Schleichwerbung für seine Workouts.

Fazit:
"Driftwood" ist eine misslungene Mischung aus Jugendknastdrama und Geisterfilm, der mit keinem der beiden Elemente irgendwelche Akzente setzen kann. Der Film ist sehr eindimensional ausgefallen und bietet zudem weder Spannung noch vernünftige Effekte. Die Darstellerleistungen gehen in Ordnung, das geringe Budget ist dem Film aber trotz stimmiger Location anzusehen. Die DVD selbst ist technisch gelungen und bietet weiterhin reichhaltiges und auch auch durchaus informatives Bonusmaterial.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,85:1
1,85:1
86:07 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Deutscher Trailer
  • Fotogalerie
  • Bloopers
  • Deleted / Extended Scenes
  • Casting
  • Alternatives Ende
  • "Doing Time on the Set"
  • "Inside the Walls of Driftwood"
  • Audiokommentar mit Regisseur Tim Sullivan und Produzent Chris Kobin
  • Audiokommentar mit Regisseur Tim Sullivan und Darsteller Diamond Dallas Page
Driftwood - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Driftwood
Driftwood

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Diese von einem Geist bevölkerte Besserungsanstalt sollte man besser meiden!


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2006
Regie:
Tim Sullivan
Drehbuch:
Chris Kobin, Tim Sullivan
Darsteller:
Ricky Ullman, Diamond Dallas Page, Talan Torriero, David Eigenberg, Baelyn Neff, Jeremy Lelliott

Label Deutschland :
Sunfilm Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
24.10.2008