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DVD-Besprechung - Eden Log

Story:
Tolbiac (Clovis Cornillac) erwacht ohne Gedächtnis, halbnackt und voller Schlamm in einem düsteren, feuchten Stollen. Fortan ist er bemüht den Ausgang zu finden und trifft auf seinem Weg zu den höheren Ebenen u.a. auf furchteinflößende Mutationen. Immer wieder findet er Speicherkarten mit bruchstückhaften Informationen, die ihn der Lösung des Rätsels aber nur sehr langsam näherbringen.

Meinung zum Film:
Für Franck Vestiel, der auch maßgeblich am Drehbuch beteiligt war, stellte "Eden Log" sein Regiedebüt dar. Er war aber zuvor bereits als Regieassistent bei Filmen wie "Blueberry und der Fluch der Dämonen" oder "Them" involviert. Co-Autor Pierre Bordage war ein Jahr später an Marc Caros Science-Fiction-Film "Dante 01" beteiligt. Der Hauptdarsteller Clovis Cornillac ("Scorpion - Der Kämpfer") gehört in Frankreich zur ersten Schauspielerriege und war zuletzt in "Asterix bei den Olympischen Spielen" in der Figur des titelgebenden Comichelden zu sehen. "Eden Log" wurde aufgrund des niedrigen Budgets in lediglich 25 Tagen abgedreht und zwar größtenteils in einem Steinbruch. Der Film feierte seine Deutschlandpremiere im Rahmen des Fantasy Filmfest 2008.

"Eden Log" beginnt eigentlich als eine recht vielversprechende Mischung aus Science-Fiction und Thriller. Der Held wird ohne jegliche Vorkenntnisse in eine ihm fremde, lebensfeindliche Umwelt versetzt und befindet sich somit auf einer Stufe mit dem Zuschauer. Diese Konstellation birgt einiges an Potential, da der Zuschauer diese Welt parallel mit dem Helden durch dessen Augen erkundet. Die Optik wirkt zunächst sehr ansprechend und lässt das geringe Budget erstmal nicht erahnen, ermüdet aber auf Dauer durch zu wenig Abwechslung. Das Stollensystem in das es Tolbiac, dessen Namen man übrigens erst kurz vor Schluss erfährt und der bis dahin namenlos bleibt, verschlagen hat, zeichnet sich vor allem durch spärliche Beleuchtung und große Feuchtigkeit aus. Der Film erweckt in seiner Düsternis beinahe den Eindruck eines Schwarz-Weiß-Films und bietet ansonsten vor allem kühle, dezente Farbtöne. Innerhalb der Stollen dominieren zudem passenderweise metallische Strukturen. Leider verläuft sich nicht nur der Held zusehends in den Tunneln, auch storytechnisch bekommt der Zuschauer immer nur sehr sparsame Informationsbröckchen, z.B. in Form von Speicherkarten, hingeworfen. Angesichts der Auflösung der mysteriösen Geschehnisse gegen Ende, die sich allerdings auch schon lange vorher abzeichnet, ist das allerdings wenig verwunderlich, da die gesamte Hintergrundgeschichte wohl auf einen Bierdeckel passen würde und auch nicht mehr großartig unterfüttert wird.

Der Held selbst präsentiert sich im gesamten Film als großer Schweiger und längere Dialoge sind die absolute Ausnahme. Die große Erwartungshaltung, die der Film zu Beginn aufbaut, kann er niemals wirklich erfüllen und gerade das Ende ist wirklich erschreckend einfallslos und bedeutungsschwanger gehalten. Die aufdringliche Ökobotschaft darf hier ebenfalls nicht fehlen. Der einzige Clou gegen Ende ist eigentlich die Offenlegung der Identität Tolbiacs. Leider zündet aber auch dieses Storyelement überhaupt nicht, da sich Tolbiac selbst während des gesamten Films darüber überhaupt keine Gedanken gemacht hat. Vielmehr dominierten die Motive Flucht und Überleben seine Gefühlswelt. Der Film besitzt optisch einen gewissen künstlerischen Anspruch, gestaltet sich aber auf Dauer zu eintönig. Allein Symbolik und Mysterien können den Kampf gegen die immer stärker aufkommende Langeweile beim Zuschauer dann letztendlich auch nicht gewinnen.

Digitale Aufarbeitung:
Die Schärfe der DVD bewegt sich auf einem guten Niveau. Genau dort pendeln sich auch die Kontrastwerte ein, die bei diesem durchgehend düsteren Film eine große Rolle spielen. Die Farbgebung ist bewusst zurückgenommen und wirkt sehr kühl. Der Film wird von einem deutlichen, aber nicht sonderlich störenden Bildrauschen begleitet. Die Dialoge sind bei allen Tonspuren gut verständlich, wenn auch nicht sonderlich zahlreich. Die nicht immer eindeutig zu identifizierenden Umgebungsgeräusche in den Stollen sind räumlich ansprechend verteilt und generieren so eine unheimliche Atmosphäre.

Die Extras sind auf zwei DVDs verteilt. Auf der ersten DVD befindet sich neben dem deutschen und französischen Trailer auch noch der Audiokommentar von Regisseur Franck Vestiel mit optionalen deutschen Untertiteln. Dieser ist von durchschnittlicher Qualität, da er zwar einige Hintergrundinformationen bietet, inhaltlich aber nicht wirklich in die Tiefe geht, während manche Filmsequenzen in handwerklicher Hinsicht sogar schon zu detailliert abgehandelt werden. Auf der zweiten DVD findet sich zunächst ein Interview mit Franck Vestiel und dem Produzenten Cédric Jimenez (45:09). Leider beherrscht Vestiel meisterhaft die Kunst mit vielen Worten fast gar keine Inhalte zu transportieren und schweift zudem häufig ab. Jimenez liefert hingegen reichhaltige und interessante Hintergrundinformationen, beispielsweise zur Entstehung des Films oder zu den Drehbedingungen. Das Interview mit den Darstellern und erneut dem Produzenten (23:54) liefert vor allem detaillierte Informationen zu den schwierigen Verhältnissen bei den Dreharbeiten. Das interessante Making Of (46:10) bietet optisch sehr umfassende Einblicke in die Dreharbeiten und erschließt, über die deutschen Untertitel, inhaltlich auch die Erläuterungen am Set, das Einstudieren von Szenen oder Diskussionen der Verantwortlichen zum weiteren Vorgehen. Eine Erzählerin vermittelt außerdem weitere Hintergründe zum Film. Auch die Herstellung der Mutanten-Masken wird ausführlich gezeigt. Abschließend befinden sich auf der zweiten DVD noch elf Teaser aus aller Welt (12:00) in der jeweiligen Landessprache.

Fazit:
"Eden Log" positioniert sich in einer lange Reihe französischer Filme, die zunächst eine erfrischende, phantasievolle Optik offerieren, letztendlich aber an ihrem papierdünnen Drehbuch und einem überzogenen, selbst auferlegten künstlerischen Anspruch, aufgrund dessen andere wichtige filmische Elemente vernachlässigt wurden, gescheitert sind. Die Identifikation mit dem namen- und identitätslosen Helden, der sich auch schauspielerisch kaum präsentieren darf, fällt schwer, die Handlung bietet extrem viel Leerlauf sowie eine wenig überzeugende Hintergrundgeschichte, nebst kitschig-naiver Auflösung, und irgendwann beginnt auch die Optik nur noch eintönig-leblos zu wirken. Technisch ist die DVD absolut gelungen und bietet zudem reichhaltiges Bonusmaterial.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,85:1
1,85:1
97:26 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
DTS 5.1
DTS 5.1
Französisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Deutscher Trailer
  • Französischer Trailer
  • Audiokommentar von Regisseur Franck Vestiel
  • Interviews mit Regisseur Franck Vestiel und Produzent Cédric Jimenez
  • Interviews mit den Darstellern und Produzent Cédric Jimenez
  • Making Of
  • Teaser
Eden Log - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Eden Log
Eden Log

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Die nächste dicke französische Science-Fiction-Bauchlandung nach "Dante 01"!


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Frankreich, 2007
Regie:
Franck Vestiel
Drehbuch:
Pierre Bordage, Franck Vestiel
Darsteller:
Clovis Cornillac, Vimala Pons, Zohar Wexler, Sifan Shao, Arben Bajraktaraj, Abdelkader Dahou

Label Deutschland :
Sunfilm Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
14.11.2008