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DVD-Besprechung - Der Glöckner von Notre Dame

Story:
Der Zigeunerin Esmeralda (Maureen O'Hara) gelingt es illegal nach Paris einzureisen. Der Erzdekan der Kathedrale von Notre Dame, Claude Frollo (Walter Hampden), gewährt ihr dort Kirchenasyl. Als sie jedoch von dessen Bruder Jean Frollo (Cedric Hardwicke), dem höchsten Richter, zu Quasimodo (Charles Laughton), dem verkrüppelten Glöckner von Notre Dame, geführt wird, ergreift sie bei dessen Anblick die Flucht. Als Quasimodo in Jeans Auftrag Esmeralda verfolgt, wird er gefangen und öffentlich gefoltert, worauf Esmeralda ihm aus Mitleid Wassr reicht. Fortan ist Quasimodo ihr verfallen und rettet sie schließlich vor dem Schafott, als sie zu Unrecht des Mordes bezichtigt wird.

Meinung zum Film:
"Der Glöckner von Notre Dame" ist ein berühmter, historischer Roman des französischen Schriftstellers Victor Hugo aus dem Jahr 1831. Es handelt sich dabei um eine Variation des "Die Schöne und das Biest"-Themas, die wohl zu den meist adaptierten Stoffen des Kinos gezählt werden kann. Die erste Verfilmung entstand bereits zur Stummfilmzeit im Jahr 1923. Sehr bekannt ist auch die Verfilmung aus dem Jahr 1956 von Jean Delannoy ("Ein Herr ohne Kleingeld") mit Anthony Quinn ("Im Land der langen Schatten") in der Rolle des Quasimodo und Gina Lollobrigida ("Wenn das Blut kocht") in der Rolle der Esmeralda. Als die beste und stimmigste Adaption gilt jedoch die vorliegende Fassung aus dem Jahr 1939 unter der Regie von William Dieterle ("Der Teufel und Daniel Webster"). Die Figur des Quasimodo wird hier von Charles Laughton ("Spiel mit dem Tode") verkörpert, der jedoch unter seiner Maske kaum noch zu erkennen ist. Die Rolle der bezaubernden Esmeralda übernahm hingegen die atypisch besetzte, irischstämmige Maureen O'Hara ("Das Wunder von Manhattan"), als deren Markenzeichen ja vor allem ihr feuerrotes Haar galt. Weitere wichtige Darsteller sind Cedric Hardwicke ("Verdacht"), Thomas Mitchell ("Vom Winde verweht") und Edmond O'Brien ("1984").

"Der Glöckner von Notre Dame" ist ein Drama über Liebe, Leidenschaft, Aberglauben und Verblendung. Nach dem Ende des 100-jährigen Krieges herrscht im Frankreich des 15. Jahrhunderts mit Ludwig XI.(Harry Davenport) ein aufgeklärter und fortschrittlicher König. Der Klerus pflegt hingegen weiter den Aberglauben und das Volk ist von Vorurteilen, z.B. gegen Zigeuner, geprägt. Esmeraldas eigentlicher Antrieb nach Paris zu reisen ist eine Audienz beim König, um für die Rechte ihres diskriminierten Volk vorsprechen zu können. Sie selbst muss jedoch zunächst das Kirchenasyl in Anspruch nehmen, das ihr der Erzdekan der Kathedrale von Notre Dame, Claude Frollo (Walter Hampden), gewährt. Als sie jedoch dort auch dessen Bruder Jean Frollo (Cedric Hardwicke), dem höchsten Richter, begegnet, raubt sie diesem tiefreligiösen Mann alle Sinne. Der ihr hoffnungslos verfallene Jean führt sie zu Quasimodo, dem verkrüppelten Glöckner von Notre Dame. Bei seinem Anblick ergreift sie jedoch die Flucht. Quasimodo, der sie auf Jeans Befehl verfolgt, wird dann allerdings vom Hauptmann der Wache, Phoebus, in den sich wiederum Esmeralda verliebt, aufgegriffen und hart bestraft. Esmeralda hat jedoch Mitleid mit dem armen Quasimodo, dem Findelkind Jeans, und gibt ihm Wasser. Fortan ist Quasimodo bereit sein Leben für Esmeralda zu geben und kann das gegenüber der durch eine Intrige von Jean in Todesgefahr geratene Angebeteten auch prompt beweisen.

Die Geschichte ist noch deutlich komplexer als hier vermittelt werden kann und beinhaltet Elemente nicht nur einer, sondern gleich mehrerer tragischer Liebesgeschichten. Denn Esmeralda, die hier eine Mischung aus Sinnlichkeit und Unschuld verkörpert, verdreht nicht nur zahlreiche Köpfe, sondern verliebt sich auch ausgerechnet in den einzigen Mann, der diese Liebe nicht ehrlich erwidern kann. Weiterhin beinhaltet der Film Kritik an der Macht des Klerus, die vom Aberglauben der einfachen Menschen zehrt, Kritik am ausbeuterischen Adel und stellt auch einen Appell an die Menschlichkeit dar. Die Maske des Quasimodo ist herausragend und grotesk, aber in einer Weise, die in Kombination mit seinem gutherzigen Wesen eben keinesfalls abstoßend wirkt. Gegenüber der literarischen Vorlage erlaubt sich der Film allerdings einige Freiheiten. Beispielsweise wurden die Namen der beiden Brüder vertauscht und der fanatische Claude war im Roman der Kirchenmann, was den Konflikt bezüglich seiner Liebe zu Esmeralda noch verschärfte. Auch das Ende wurde im Film deutlich entschärft, denn der Roman endete sowohl für Esmeralda als auch für Quasimodo äußerst tragisch und tödlich.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild der DVD weist diverse, regelmäßige Verschmutzungen und auch kleinere Bildfehler auf. Zudem ist der Bildstand etwas unruhig. Die Schärfe geht für einen fast 70 Jahre alten Film durchaus in Ordnung, was vom Kontrast leider nicht behauptet werden kann. So neigen helle Flächen teilweise zu extremen Überstrahlungen. Das mag bei Nahaufnahmen von Gesichtern teils noch als Stilmittel gedacht gewesen sein, der Himmel beispielsweise ist aber stets ein einziges blendendes Gleißen. In einer anderen Szene wirkt ein Mensch im Badezuber, als hätte sein Körper keinerlei Konturen und er strahlt wie ein Engel. Beide Tonspuren klingen erfreulich klar und sind trotz eines leichten Rauschens zu jeder Zeit gut verständlich.

Die Kaufversion wird auch ein Booklet beinhalten, das aber bei der Besprechung nicht vorlag.

Fazit:
"Der Glöckner von Notre Dame" zeichnet sich, trotz einiger literarischer Freiheiten durch einen authentisch wirkenden, zeitgenössischen Charakter, die prachtvolle Ausstattung, die geniale Maske und Gestalt Quasimodos, durchgehend überzeugende Darstellerleistungen und viele emotionale Momente aus. Hin und wieder wirkt der Film aber aufgrund der Vielzahl von wichtigen Figuren und der sich teils überschlagenden Ereignisse, nebst vieler gesellschaftskritischer Elemente, für seine Spielzeit ein wenig überladen. Hinzu kommt, dass der Film bei aller Tragik doch deutlich versöhnlicher daherkommt als die Romanvorlage und wichtige Elemente des Romans etwas vernachlässigt wurden.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,33:1
1,33:1
110:37 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Booklet
Der Glöckner von Notre Dame - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Der Glöckner von Notre Dame
The Hunchback of Notre Dame

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Die vielleicht beste Verfilmung der Romanvorlage von Victor Hugo


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1939
Regie:
William Dieterle
Drehbuch:
Sonya Levien, Bruno Frank (basierend auf einem Roman von Victor Hugo)
Darsteller:
Charles Laughton, Cedric Hardwicke, Thomas Mitchell, Maureen O'Hara, Edmond O'Brien, Alan Marshal, Harry Davenport

Label Deutschland :
Arthaus
Verkaufsstart Deutschland :
17.10.2008