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DVD-Besprechung - Bestie Mensch

Story:
Jacques Lantier (Jean Gabin) ist Lokführer und wird eines Tages indirekt Zeuge eines Mordes in einem Zugabteil. Dieser wurde von dem Bahnhofsvorsteher Roubaud (Fernand Ledoux) und seiner Frau Séverine (Simone Simon) begangen. Aufgrund seiner Zuneigung zu Séverine deckt er die beiden aber trotz eindeutiger Indizien. Schließlich beginnt Jaques mit Séverine eine leidenschaftliche Affäre, die Roubaud als Preis für seine Schuld dulden muss. Sie fürchtet jedoch, dass Roubaud sie als Mitwisserin beseitigen will. Deshalb überredet sie Jacques dazu, Roubaud zu töten. Das soll ihnen beiden eine unbeschwerte, gemeinsame Zukunft ermöglichen.

Meinung zum Film:
"Bestie Mensch" basiert auf den beiden sozialkritischen Romanen "Der Totschläger" aus dem Jahr 1877 und "Das Tier im Menschen" aus dem Jahr 1890. Beide stammen aus der Feder des französischen Schriftstellers Émile Zola. Dieser war ein Verfechter des Naturalismus und sah den Werdegang des Menschen aufgrund seiner ererbten und sozialen Herkunft als vorherbestimmt an. Die Regie bei diesem Film übernahm der französische Meisterregisseur Jean Renoir ("Das Testament des Dr. Cordelier"), der durch Klassiker wie das umstrittene Kriegsdrama "Die Große Illusion" aus dem Jahr 1937 oder die gesellschaftskritische Komödie "Die Spielregel" aus dem Jahr 1939 bekannt wurde. Die Hauptrolle übernahm Jean Gabin ("Die Katze"), der zu dieser Zeit bereits ein Star war und später erneut mit Jean Renoir zusammen arbeitete. "Bestie Mensch" erscheint im Rahmen der "Arthaus Collection" zum ersten Mal in Deutschland auf DVD.

"Die Bestie Mensch" führt drei tragische Figuren zusammen, die nicht die uneingeschränkten Herren ihrer eigenen Sinne sind. Lantier entstammt einer langen Reihe von Alkoholikern und leidet, obwohl er selbst keinen Alkohol trinkt, unter Depressionen und Anfällen, in deren Verlauf er sich wie ein wildes Tier gebärdet. Séverine hingegen ist durch die Misshandlungen ihres Patenonkels Grandmorin (Jacques Berlioz) geprägt. Ihr Mann Roubaud, der aus diesem Grund später Grandmorin ermordet, wodurch Lantier erst ungewollt zum Mitwisser wird, ist hingegen ein Opfer seiner krankhaften Eifersucht, die in Wutanfällen gipfelt. Im Hinblick auf Séverine ist diese aber auch nicht ganz unbegründet. Aus dieser Konstellation von Personen heraus und vor dem Hintergrund des Mordes entspannt sich nun eine Romanze zwischen Lantier und Séverine, die nicht gerade unter guten Vorzeichen steht. Zentral für den Film ist das tragische Scheitern dieser amourösen Verbindung unter der besonderen Betonung der Unkontrollierbarkeit des menschlichen Handelns.

Renoir und seinem Kameramann Curt Courant gelangen mit diesen Film einige sehr eindrucksvolle Sequenzen. So beginnt der Film eher ungewöhnlich mit einer Zugfahrt, bei der die Kamera an der Seite der Lokomotive befestigt ist. Diese Einleitung schildert furios den Arbeitsalltag Lantiers. Auch die Verlorenheit Lantiers in der Unpersönlichkeit seiner dienstlichen Unterkunft wird kameratechnisch sehr eindringlich vermittelt. Die Figur des Lantier ist in ihrer Tragik schwerlich zu übertreffen. Erst verliebt er sich in Séverine und um diese Beziehung zu sichern, manipuliert sie ihn zu töten. Doch Lantier ist kein schlechter Mensch und ist dazu nicht in der Lage. Ausgerechnet ein weiterer schwerer Anfall zwingt ihn aber schließlich doch zu töten, während sein freier Wille ausgeschaltet ist. Nachdem er wieder klar im Kopf ist, realisiert er aber erst, was er da angerichtet hat. Dadurch hat er nicht nur ein anderes Leben, sondern auch sein eigenes Leben zerstört. Mit dieser schweren Schuld, die auf ihm lastet, kann er fortan nicht mehr leben. Während alle Darsteller zu überzeugen wissen, ist die deprimierende Vorstellung von Jean Gabin besonders mitreißend und wirkt krankhaft-authentisch.

Digitale Aufarbeitung:
Für einen rund siebzig Jahre alten Film bietet die DVD eine sehr überzeugende Bildqualität. Sowohl im Hinblick auf die Bildschärfe als auch auf den Kontrast wird ein qualitativ gutes Niveau erreicht. Mit vereinzelten Bildfehlern sowie seltenen Verschmutzungen muss man aber ebenso leben wie mit einem leichten Rauschen und gelegentlichen Jump Cuts. Ein paar Szenen sind außerdem von verminderter Bildqualität und wirken, als wären sie aus einer qualitativ schlechteren Quelle eingefügt worden. Die deutsche Tonspur bietet qualitativ ebenfalls keinen Grund zur Klage. Es handelt sich hier offensichtlich um die schwächere ZDF-Synchronisation neueren Datums. Auf eine Verwendung der kürzlich wiederentdeckten, originalen Kinosynchronisation von 1947 wurde leider aus nicht nachvollziehbaren Gründen verzichtet. Die französische Tonspur klingt altersbedingt nicht mehr ganz so frisch und ein wenig verzerrt. Außerdem weist sie auch ein deutlich wahrnehmbares Hintergrundrauschen auf.

Die Kaufversion wird auch ein Booklet beinhalten, das aber bei der Besprechung nicht vorlag. Weitere Extras gibt es nicht.

Fazit:
"Bestie Mensch" ist ein Drama über das Scheitern einer tragischen Liebesbeziehung und eine durch Erbe sowie Sozialisation der Hauptcharaktere vorherbestimmte Fahrt ins Verderben. Der mitreißende Film verfügt über eine dichte, unheilschwangere Atmosphäre, glaubwürdige Charaktere, die von sehr überzeugenden Darstellern verkörpert werden und eine eindrucksvolle Kameraarbeit. Technisch ist die DVD trotz des Fehlens der alten Kinosynchronisation gelungen, auf dem Datenträger befinden sich aber leider keinerlei Extras.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 06
1,33:1
1,33:1
96:15 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Französisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Booklet
Bestie Mensch - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Bestie Mensch
La Bête humaine

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Die Tragödie dreier verlorener Seelen, deren Schicksal unausweichlich und vorherbestimmt in den Abgrund führt


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Frankreich, 1938
Regie:
Jean Renoir
Drehbuch:
Jean Renoir, Denise Leblond (basierend auf einem Roman von Émile Zola)
Darsteller:
Jean Gabin, Simone Simon, Fernand Ledoux, Blanchette Brunoy, Jean Renoir, Gérard Landry

Label Deutschland :
Arthaus
Verkaufsstart Deutschland :
17.10.2008