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DVD-Besprechung - Der Typ

Story:
"Der Typ", das ist Fabo, alias Fabian (Stipe Erceg), auf einem Selbstzerstörungstrip durch das Nachtleben von Frankfurt. Auf seiner Odyssee im Vollrausch begegnet er skurillen Charakteren und gerät in ungewöhnliche Situationen, schließlich begegnet er jedoch der Krankenschwester Svenja (Bernadette Heerwagen), die seine Sympathie erweckt, und hält auf dem Weg in den Abgrund eine Zeit lang inne.

Meinung zum Film:
Bei der "Der Typ" handelt es sich um die Diplomarbeit des Regisseurs Patrick Tauss ("Kahlschlag") und des Kameramanns Lars Liebold ("Kammerflimmern") an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg aus dem Jahr 2003. Patrick Tauss griff die Figur des "Fabo" 2006 in gleicher Besetzung für seinen Fernsehfilm "Kahlschlag" wieder auf. Der vorliegende Film ist nach seiner Ansicht ein möglicher Epilog zu "Kahlschlag". Als filmisches Vorbild nennt er vor allem Mike Leighs "Naked" aus dem Jahr 1993. "Der Typ" wurde 2003 mit dem "First Steps Award" und wurde 2004 bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin, in der Kategorie "Perspektive Deutsches Kino" lobend erwähnt.

"Der Typ" ist ein nächtlicher Streifzug, der den Schwerpunkt auf den titelgebenden Antihelden legt, der sich auf einem unaufhaltsamen Selbstzerstörungstrip befindet. Der Film orientiert sich insgesamt näher am Kurzfilm, da er auf eine eher episodische Struktur setzt und sowohl auf eine wirkliche Story als auch auf großartige Hintergründe der Titelfigur verzichtet. Die Werbung für den Film ist allerdings irreführend, da "Fabo" ausschließlich sich selbst zerstört und keineswegs ein Krawallmacher ist. Vielmehr taugt er sehr wohl zum Sympathieträger für das Publikum und erweckt nicht nur sprachlich den Eindruck eines an der harten Realität seines Daseins zerbrochenen Poeten. Die schauspielerische Leistung von Stipe Erceg ("Die Fetten Jahre sind vorbei") ist sehr überzeugend und auch sämtliche Nebendarsteller wirken in ihren Rollen sehr authentisch.

Fabo trifft bei seiner Odyssee auf den Transvestiten "Horst" der ihn gerne adoptieren würde, wird von einem Krankenwagen überfahren oder wird auch schonmal von einem schießwütigen, durchgeknallten Rentner gejagt. Die Geschehnisse werden, trotz des eher ernsten Untertons des Films, stets auch mit einem Augenzwinkern erzählt. Die Ereignisse werden allerdings nie so überzogen dargestellt, dass sie unrealistisch wirken. "Der Typ" trägt offensichtlich an einer schweren Bürde, die er nicht bewältigen kann, und sucht deshalb das Vergessen. Durch seine Methoden stürzt er sich aber nur immer weiter in den Abgrund.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild der DVD ist frei von Beschädigungen und Verschmutzungen, weist jedoch ein stärkeres Rauschen auf. Die Farbgebung wirkt natürlich allerdings auch etwas zurückgenommen. Die Schärfe ist gut und der Kontrast bewegt sich ebenfalls auf einem zufriedenstellenden Niveau. Die deutsche Tonspur bietet insgesamt, bis auf ein paar etwas undeutlichere Szenen, eine gute Verständlichkeit.

Auf der DVD befindet sich ein Audiokommentar mit dem Regisseur Patrick Tauss, dem Kameramann Lars Liebold und dem Hauptdarsteller Stipe Erceg. Leider enttäuscht dieser aber sowohl inhaltlich als auch technisch. Zum einen wirken ständigen Nebengeräusche, wie z.B. Stühlerücken oder Zigaretten herauskramen störend. Außerdem gibt es teilweise sehr lange Sprechpausen, was bei einem Film von knapp unter 50 Minuten, der von drei Sprechern kommentiert wird, eigentlich nicht passieren sollte. Aber auch inhaltlich wird nur wenig geboten. Der Audiokommentar entstand offensichtlich mit großem Abstand zur Produktion des Films und die Protagonisten wirken eher unvorbereitet. Das äußert sich u.a. darin, dass teilweise über bestimmte Details nur gemutmaßt wird und die meisten Äußerungen sehr oberflächlich ausfallen. Details zur Intention oder Entstehungsgeschichte des Films gibt es überhaupt nicht. Das Making Of "Horst" (1:47) ist lediglich eine Abfolge von Standbildern, die darstellt wie sich der Schauspieler Wolfgang Packhäuser mit Hilfe der Maske schrittweise in den Transvestiten "Horst" verwandelt. Das letzte Extra ist ein ausführliches Interview (49:21), bei dem erneut die drei Mitwirkenden aus dem Audiokommentar Rede und Antwort stehen. Hier werden deutlich mehr Informationen vermittelt als im schwachen Audiokommentar. Das sind u.a. Hintergründe über den Charakter und die Besetzung der Hauptfigur "Fabo", über die Entstehung der Geschichte, oder über Stipe Ercegs Methoden der Darstellung. Allerdings täuscht die Länge dieses Interviews darüber hinweg, dass die Äußerungen der Verantwortlichen zwar sehr persönlich herüberkommen aber teilweise ein wenig fahrig wirken oder zu weit abschweifen. Eine Zuspitzung auf zentrale Punkte durch einen aktiveren externen Moderator hätte die Wertigkeit deutlich erhöht und wohl auch die Laufzeit deutlich reduziert, ohne dass wichtige Informationen verloren gegangen wären. So wirkt z.B. Stipe Ercegs Exkursion bezüglich seines Verhältnisses zum Alkohol reichlich ausgewalzt und überflüssig.

Fazit:
"Der Typ" ist ein episodisch angelegter Selbstzerstörungstrip mit einem sehr überzeugenden Hauptdarsteller, dessen Figur auf skurille Charaktere trifft und in ungewöhnliche Situationen gerät. Der Film weist aber keine wirkliche Storyline auf, wirkt experimentell, was sich auch in einigen Szenen äußert, die einfach nicht funktionieren, und besitzt nur eine geringe Laufzeit. Auch wenn die technische Umsetzung der DVD in Anbetracht der preiswerten Herstellung des Films sehr gelungen ist und "Der Typ" für einen Diplomfilm sicherlich mehr als beachtlich ist, erscheint die isolierte Veröffentlichung zum Vollpreis doch sehr gewagt, da auch das Bonusmaterial nicht vollständig überzeugen kann.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,85:1
1,85:1
49:24 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch, Englisch
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar mit Regisseur Patrick Tauss, Kameramann Lars Liebold und Hauptdarsteller Stipe Erceg
  • Making of "Horst"
  • Interview mit Patrick Tauss, Lars Liebold und Stipe Erceg
Der Typ - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Der Typ
Der Typ

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Ein experimenteller (Kurz-)Film mit interessanten Ansätzen, der aber am normalen Zuschauer vorbeigehen dürfte


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2003
Regie:
Patrick Tauss
Drehbuch:
Alexander Steimle
Darsteller:
Stipe Erceg, Karen Böhne, Bernadette Heerwagen, Wolfgang Packhäuser, Wolfgang Ziemssen, Tim Seyfi

Label Deutschland :
Epix
Verkaufsstart Deutschland :
09.10.2008