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DVD-Besprechung - Bad Boy Bubby

Story:
Bubby (Nicholas Hope) ist 35 Jahre alt und lebt seit seiner Geburt im Keller. Er kennt nur seine Mutter (Claire Benito), die sich um ihn kümmert und ihm erzählt, dass es draußen keine Luft gibt und man ersticken würde. Eines Tages klopft ein Pfarrer (Ralph Cotterill) an die Kellertür – er ist der Vater von Bubby, der bisher aber keine Ahnung von der Existenz seines Sohnes hatte. Kurz darauf macht sich Bubby zum ersten mal auf den Weg in die weite Welt.

Meinung zum Film:
„Bad Boy Bubby“ ist eine australische Produktion, die von Rolf de Heer („Alexandra's Project“) als Regisseur und Drehbuchautor in Personalunion verwirklicht wurde. Die Titelrolle dieses seltsamen Filmes übernahm der Engländer Nicholas Hope, der in größeren Produktionen lediglich kleinere Auftritte vorweisen kann („Anacondas“, „Scooby Doo“ und 5 Episoden in der TV-Science-Fiction-Serie „Farscape“). Eigentlich unverständlich, bekam er 1994 für seine Bubby-Rolle doch den Preis für den besten Darsteller vom „Australian Film Institute“. De Heer konnte für den gleichen Film den Preis für den besten Regisseur und das beste Drehbuch mit nach Hause nehmen und bekam bei anderen Festivals noch weitere Auszeichnungen.

Eines ist der Film auf keinen Fall: ein Zuckerschlecken. Die ersten 30 Minuten, die sich im Keller, also dem Lebensumfeld von Bubby abspielen, wollen erstmal überstanden werden. Wir lernen die Titelfigur als Zurückgebliebenen kennen, der keine eigene Sprache zu haben scheint, sondern an passenden und unpassenden Stellen nur das wiederholt, was er zuvor aufgeschnappt hat. Seine offensichtlich gestörte Mutter hat ihren Sohn konsequent von der Außenwelt abgeschottet und ihm Lügen über die „Welt da draußen“ erzählt. Wenn sie einkaufen geht, setzt sie sich vor Verlassen des Zimmers eine Gasmaske auf, um die Illusion ihrem Sohn gegenüber perfekt zu machen. Zu allem Überfluss kommt es auch noch regelmäßig zu Sex zwischen Mutter und Sohn. Als dann plötzlich Papa vor der Tür steht, der sich die letzten 35 Jahre nicht gemeldet hat, eskaliert die Situation schnell. Es kommt fast sofort zu Sex zwischen Vater und Mutter, den Bubby fassungslos beobachtet. Auch die Tatsache, dass der Vater offensichtlich ohne Gasmaske auskommt, verstört Bubby. Die Situation zwischen den Dreien explodiert in einer erschreckenden Sequenz, und im Ergebnis bietet sich für Bubby erstmals die Möglichkeit, die Außenwelt kennenzulernen. Nach dieser ersten halben Stunde, die vollkommen ohne Musik auskommt, dafür aber mit brummenden Geräuschen aus dem Hintergrund beim Zuschauer für Beklemmung sorgt, ändert sich die Stimmung des Filmes dann schlagartig.

Als Bubby den Keller verlässt, geht es plötzlich überwiegend heiter zu, und man hat das Gefühl, dass die Musiklosigkeit der ersten halben Stunde nachgeholt werden muss. Bubby kennt keine Musik und reagiert geradezu fasziniert auf eine Gruppe Heilsarmisten, die auf der Straße singen. Er schließt sich ihnen für eine Weile an, erlebt noch einige lustige Episoden auf der Straße und gerät dann in eine Rockgruppe, deren Sänger er wird und verliebt sich schlussendlich sogar noch. Nach 2 Stunden Laufzeit hat der Zuschauer dann eine Vielzahl von Gefühlen erlebt, und zwar das ganze Paket von Ekel bis Freude über Trauer und Entsetzen. Der Film lässt sich unmöglich in eine Schublade packen und ist definitiv nichts für Gelegenheitsgucker, die sich nur ein, zwei Stunden berieseln lassen wollen. „Bad Boy Bubby“ lässt den Zuschauer nachdenklich zurück und bleibt definitiv längere Zeit im Gedächtnis haften. Für Freunde des etwas anderen Films ist dieser Beitrag definitiv ein absoluter Geheimtipp!

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist sehr gut geworden und bietet keine Störungen durch Bildverschmutzungen oder ähnlichem. Schärfe und Kontrast sind ebenfalls gut gelungen. Der deutsche Ton liegt in Dolby Digital 2.0 vor. Vermutlich absichtlich wurde die Geräusch- und Soundkulisse lautstärkemäßig in einigen Szenen nach oben reguliert, so dass man bei Dialogszenen gelegentlich etwas nachregulieren muss.

Auf der Filmdisc gibt es als Special Feature einen Audiokommentar mit Regisseur Rolf de Heer und Hauptdarsteller Nicholas Hope. Relativ nutzlos ist eine separate Stereospur, die man sich auf Kopfhörer anhören soll, um somit den Film aus Bubbys Sicht sehen, bzw. hören zu können. Auf der separaten Bonusdisc gibt es dann Interviews jeweils mit de Heer und Nicholas Hope. Wer mag, kann sich dann noch ein „Question & Answer“ mit Hope ansehen. Zum Abschluss gibt es den Kurzfilm "Confessor Caressor" und den Filmanfang im ursprünglich vom Regisseur geplanten Bildformat.

Fazit:
„Bad Boy Bubby“ ist im wahrsten Sinne des Wortes ein nahezu unbeschreiblicher Film, der in keine Schublade passt, den Zuschauer in eine Achterbahnfahrt der Gefühle steckt und ihn nach dem Ende nachdenklich zurücklässt. Für „Mainstream-Gucker“ sicherlich keine leichte Kost; für Freunde des besondern Films ebenfalls nicht – aber eine dicke Empfehlung!

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
2,35:1
2,35:1
109:17 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Alternative Bildfassung vom Film-Anfang
  • Interview mit Regisseur Rolf de Heer
  • Interview mit Hauptdarsteller Nicholas Hope
  • Frage und Antwort mit Nicholas Hope
  • Kurzfilm "Confessor Caressor"
  • Audiokommentar von Regisseur Rolf de Heer und Hauptdarsteller Nicholas Hope
  • "Separate binaurale Tonspur für Kopfhörer - Hör's mit Bubbys Ohren!"
Bad Boy Bubby - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Bad Boy Bubby
Bad Boy Bubby

Bild unseres Mitarbeiters Andreas Schultz
Ein Wechselbad der Gefühle in einem seltsamen Film


Autor der Besprechung:
Andreas Schultz

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Australien, 1993
Regie:
Rolf de Heer
Drehbuch:
Rolf de Heer
Darsteller:
Nicholas Hope, Claire Benito, Ralph Cotterill, Carmel Johnson, Syd Brisbane

Label Deutschland :
Bildstoerung
Verkaufsstart Deutschland :
10.10.2008