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DVD-Besprechung - Marquis
Story:
Der Marquis de Sade wird in der Bastille gefangen gehalten, weil er ein christliches Symbol schändlich entweiht hat. Weitere wichtige Gefangene innerhalb dieser Mauern sind Justine, die einen Bastard des Königs in sich trägt, der Revolutionär Lupino und der korrupte Geistliche Horace Pigonou. Während der Marquis im Kerker weiter seine anstößigen Werke verfasst, plant der Gouverneur der Bastille, dem als Wüstling bekannten Häftling, Justine auszuliefern, um die wahre Herkunft ihres Kindes zu verschleiern. Diese Maßnahme soll das Ansehen des Königs vor weiterem Schaden bewahren. Lupino plant indessen seine Flucht, bei der ihm der Marquis zur Hand gehen soll. Ausgerechnet der Gefängnisgeistliche Dom Pompero stößt in der Zwischenzeit auf die anrüchigen Werke des Marquis und beschließt, sie ohne Zustimmung des Autors zum eigenen finanziellen Vorteil zu veröffentlichen.
Meinung zum Film:
Der französische Karikaturist und Schriftsteller Roland Topor ("Der Phantastische Planet") war nicht nur am Drehbuch von "Marquis" maßgeblich beteiligt, sondern entwarf auch die im Film zentralen Tierfiguren. Seine Arbeiten umfassen so unterschiedliche Werke wie die literarische Vorlage zu Polanskis "Der Mieter", die Parodie "Die Memoiren eines alten Arschlochs" oder die maßgebliche Beteiligung an dem Animationsklassiker "Der Phantastische Planet" von René Laloux. Der Film basiert lose auf der Biographie des realen Marquis de Sade, der in seinen Schriften Philosophie und Pornographie miteinander verband, zeitlebens als Skandalautor galt und auch zahlreiche Sexualdelikte beging. Von seinem Namen leitet sich auch der Begriff "Sadismus" ab. Weiterhin enthält der Film auch zahlreiche Textpassagen aus seinem literarischen Vermächtnis. Der Film wird in Deutschland von dem noch jungen, aber sehr speziellen Label Bildstörung ("Bad Boy Bubby") erstmals auf DVD veröffentlicht.
"Marquis" setzt auf reale Schauspieler, die jedoch mit Hilfe von sehr aufwendigen Masken und künstlichen Körperteilen in groteske Tierwesen verwandelt werden. Herausgekommen ist dabei eine phantasievolle, gesellschaftskritische, frivol-satirische Tierfabel im Dunstkreis von Philosophie, Lust und der sich anbahnenden Französischen Revolution. Der Marquis, der das Gesicht eines Hundes besitzt, teilt sich die Hauptrolle mit seinem Phallus namens Colin, auf dessen Eichel sich sein Gesicht befindet. Beide haben ein ganz besonderes Verhältnis und führen regelmäßig hintergründige philosophische Diskussionen. Auch wenn der Film nie ordinär wird, besitzt der Humor des Films schon eine ganz spezielle Note, die wohl ohne den Einsatz deutlich zu erkennender künstlicher Körperteile niemals durch die Zensur gekommen wäre.
So ist der Wärter des Marquis, Ambert, beispielsweise eine homosexuelle Ratte, die es gerne vom Marquis besorgt bekäme. Um Lupinos Fluchtplan zu decken, ist der Marquis gezwungen, Ambert sexuell entgegenzukommen, kann sich jedoch mit Colin nicht auf ein anales Abenteuer verständigen. So greift er als phantasievoller Literat zu einem mit Mayonnaise veredelten Hummer und schon flutscht die Sache wie geschmiert. Besonders Klerus und Adel werden als wenig sympathieerweckende Gesellschaft von Perversen dargestellt. Der Gouverneur der Bastille, ein eitler Gockel, bezieht sein Vergnügen aus S/M-Spielen, der Gefängnisgeistliche, ein arglistiges Kamel, treibt es mit Prostituierten und lässt sich dabei noch von den Schriften des Marquis "inspirieren". Pigonou hingegen gab sich zeitlebens der Völlerei hin und wird dementsprechend als fettes Schwein dargestellt.
Digitale Aufarbeitung:
"Marquis" liegt anamorph codiert im Originalformat 1,66:1 vor und wurde offensichtlich digital remastered, denn der rund 20 Jahre alte Film macht technisch einen sehr guten Eindruck. Die Schärfe befindet sich stets auf einem guten Level, der Kontrast ist trotz schwieriger Lichtverhältnisse bei den Dreharbeiten immer gut ausbalanciert und auch die Farbgebung macht einen angenehm kräftigen Eindruck. Ein Bildrauschen ist nur minimal vorhanden und auch Verschmutzungen sind eher selten zu finden. Beide Tonspuren überzeugen mit guter Verständlichkeit und klingen sehr natürlich. Auch die Abmischung der Dialoge im Hinblick auf die Musik und die Effekte ist ohne Fehl und Tadel.
Dieser Veröffentlichung liegt ein Booklet bei, das aber bei der Besprechung nicht vorlag. Auf der ersten DVD befindet sich lediglich der deutsche Trailer. Der Rest des Bonusmaterials ist auf der zweiten DVD abgelegt. Das ist zunächst ein Behind-the-Scenes-Feature im Multi-Angle-Format. Dieses läuft parallel zum eigentlichen Film, der in einem kleineren Fenster mit eingeblendet wird. Ein Wechsel vom Bonusmaterial zum Film, und dann wieder zurück, ist jederzeit möglich. Es handelt sich hierbei um Hi8-Aufnahmen von Proben, Szenenvorbereitungen, den Dreharbeiten sowie Skizzen des Storyboards, die dem zeitlichen Ablauf des Films entsprechend zugeordnet wurden. Dieses Material ist allerdings nicht für alle Szenen verfügbar und ist außerdem völlig unkommentiert. Das Making Of (31:44) wirft einen Blick auf "Die Gesichter hinter den Masken" und enthält viele Szenen vom Dreh sowie dem Anlegen der Masken und Kostüme, bzw. der Verwandlung der Darsteller in die Tierfiguren. Leider gibt es auch hier lediglich sporadische Äußerungen vom Set, die deutsch untertitelt werden, aber keine weitergehenden Erläuterungen. Das Feature "Die Masken" (14:07) beschäftigt sich nochmal genauer mit der Herstellung und Verfeinerung der Masken. Es bietet auch einige Einblicke in die technische Machart der Masken, die zu größeren Teilen auch aus Mikroelektronik zur Steuerung bestehen. Darin enthalten sind auch Interviews mit dem Maskenbildner und einigen Darstellern, die u.a. über Probleme beim Tragen der Masken, wie Orientierungsschwierigkeiten durch die Einschränkung der Hör- und Sehfähigkeit, berichten, die den Film zu schauspielerischer Schwerstarbeit werden ließen. Weiterhin befinden sich auf der zweiten DVD noch zwei nicht verwendete Szenen (2:58), bei denen es sich allerdings um rekonstruierte Rohszenen im Frühstadium handelt, und ein Storyboard (1:44), das Original-Entwürfe von Roland Topor für die Animationsszenen des Films enthält.
Fazit:
"Marquis" ist eine überspitzte Puppensatire mit einem sehr speziellen Humor und einer phantasievoll-surrealen Optik, die trotz regelmäßiger Perversitäten, die jedoch in augenzwinkernder Darstellung präsentiert werden, nie ins Obszöne abgleitet und durchaus philosophische Gedanken zum Wettstreit des Intellekts und der Begierde beinhaltet. Ohne Zweifel handelt es sich hier um eine ziemlich einzigartige Arthouse-Groteske mit viel schwarz gefärbtem Humor, jenseits gängiger Sexualmoral, die sowohl inhaltlich als auch optisch punkten kann. Insgesamt handelt es sich hier, gerade für einen Nischentitel, um eine sehr liebevoll aufgemachte und technisch hochwertige Veröffentlichung mit reichhaltigem Bonusmaterial.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,66:1
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79:22 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 | Französisch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Deutscher Trailer
- Paralleles Behind the Scenes
- Making Of
- "Die Masken"
- Nicht verwendete Szenen
- Storyboard
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Marquis de Sade
Marquis
Satirische Tierfabel um den Marquis de Sade mit viel schwarzem Humor in frivol-künstlerischer Darstellung
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Belgien / Frankreich, 1989 Regie: Henri Xhonneux Drehbuch: Roland Topor, Henri Xhonneux (lose basierend auf Motiven von Marquis de Sade) Darsteller: Philippe Bizot, Bien de Moor, Gabrielle van Damme, Olivier Dechaveau, Bernard Cognaux, Pierre Decuypere
Label :
Bildstoerung
Verkaufsstart : 02.10.2008
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