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DVD-Besprechung - Die 3-Groschen-Oper
Story:
Macheath, genannt "Mackie Messer" (Rudolf Forster), ist der König der Londoner Unterwelt. Als solcher schreckt er auch nicht davor zurück, Polly (Carola Neher), die Tochter des Bettlerkönigs Peachum (Fritz Rasp), ohne dessen Einverständnis zu ehelichen. Peachum ist damit jedoch gar nicht einverstanden. Er droht dem Polizeichef von London, Tiger-Brown (Reinhold Schünzel), der selbst ein enger Freund von Mackie ist, mit seinen Bettlern den Krönungszug der Königin zu sabotieren, wenn Mackie nicht umgehend verhaftet wird. Die Jagd auf Mackie Messer hat begonnen.
Meinung zum Film:
Das musiklastige Theaterstück "Die Dreigroschenoper" des Autors Bertolt Brecht und des Komponisten Kurt Weill hatte am 31. August 1928 seine Weltpremiere in Berlin und entwickelte sich fortan in ganz Europa zu einem der größten Theatererfolge der 20er-Jahre. Die Inspiration für Brecht war dabei John Gays "The Beggar's Opera" aus dem Jahr 1728. Das zu dieser Zeit sehr erfolgreiche Gespann Nebenzahl/Pabst, bestehend aus dem Produzenten Seymour Nebenzahl und Regisseur Georg Wilhelm Pabst ("Der Schatz"), sicherte sich daraufhin die Filmrechte, musste Brecht aber ein Mitspracherecht einräumen. Zwischen Pabst und Brecht kam es jedoch schnell zu einem Zerwürfnis und Brecht lieferte das fertige Filmskript niemals ab. Es folgte ein Rechtsstreit, den Brecht verlor. Aus Angst vor einer Revision und dem damit zwangsläufig verbundenen Scheitern der Produktion wurde Brecht jedoch für sein Ausscheiden finanziell entschädigt. Der Film wurde 1933 schließlich von den Nazis verboten.
"Die 3-Groschen-Oper" ist eine provokante Gesellschaftssatire, die vor allem aufgrund der weltberühmten Moritat von Mackie Messer ("Und der Haifisch, der hat Zähne...") einen hohen Wiedererkennungswert besitzen dürfte. In einem fiktiven, viktorianischen London geraten der Gangster Mackie Messer und der Bettlerkönig Peachum aneinander. Das gefährdet die bis dahin aufgrund persönlicher Beziehungen zum Polizeichef existierende Unantastbarkeit des Mackie Messer. Gegenüber dem Theaterstück gab es einige inhaltliche Veränderungen und Verschärfungen, die jedoch tatsächlich auf Brecht selbst zurückgingen, der sich zwischenzeitlich politisch weiterentwickelt hatte. Neu sind beispielsweise die Einführungsszenen, die schildern, wie Mackie und Polly sich kennenlernen sowie gegen Ende der Zusammenstoß des Bettlerzugs mit der Krönungsprozession sowie die Gründung einer Bank durch Mackies Gangsterbande als funktional subtilerer Methode der Ausbeutung.
Die Stoßrichtung der bewußt überspitzten Satire ist die Demaskierung des bürgerlichen Raubrittertums die mit dem Motto "Erst kommt das Fressen, dann die Moral" treffend auf den Punkt gebracht wird. Allerdings ist Kritik an Pabsts Verfilmung insofern berechtigt, dass die Figur des Mackie Messer im Film erschreckend viel (positives) Identifikationspotential für das Publikum bietet. Rudolf Forster ("Yorck") als Mackie Messer wirkt durch sein stets akkurates Auftreten und sein einnehmendes Wesen, trotz der eher düsteren Kulissen und gelegentlich rüden Ansprachen, eher wie eine Lichtgestalt oder ein Sympathieträger. Seine Verfehlungen wie Mord oder Vergewaltigung werden, außer in der erwähnten Moritat, bestenfalls in Nebensätzen thematisiert. Gerade mit der gelungenen Überführung der Ausbeutungsmethodik aus den unterweltlichen Aktivitäten in die Gründung einer gutbürgerlichen Bank ("Wer will schon eine Bank berauben, wo er doch als Bank andere berauben kann!"), ist der Film aber auch heutzutage wieder aktueller denn je und birgt insgesamt immer noch reichhaltiges, gesellschaftskritisches Potential.
Digitale Aufarbeitung:
"Die 3-Groschen-Oper" wurde aufwendig restauriert und erstrahlt dadurch nach mehr als 70 Jahren in ganz neuem Glanz. Der Film weist überhaupt keine Verschmutzungen oder Beschädigungen mehr auf und überzeugt mit guter Schärfe sowie ausgewogenem Kontrast. Der Bildstand ist insgesamt sehr ruhig, die leichte Körnung fällt nicht sonderlich ins Gewicht, lediglich mit leichten Helligkeitsschwankungen muß man leben. Insgesamt ist die Bildqualität für einen Film dieses Alters aber schlichtweg hervorragend. Die restaurierte Tonspur rauscht nur noch leicht, bietet insgesamt eine gute Verständlichkeit und bringt auch die berühmte Musik von Kurt Weill angemessen zur Geltung.
Als Beilage gibt es ein sehr informatives 36-seitiges Booklet, das u.a. eine Chronik der Verfilmung und zeitgenössische Texte zum Film beinhaltet. Zusätzlich zum Film enthält die DVD auch noch einen deutschen Audiokommentar des Berliner Film- und Theaterkritikers Wolfgang Gersch und des Hamburger Filmhistorikers Hans-Michael Bock. Der hintergründige und sehr interessante Kommentar behandelt vor allem die Unterschiede zwischen Theater- und Filmversion, den Rechtsstreit, der die Verfilmung begleitete sowie die zeit- und kulturpolitischen Hintergründe des Films. Auf der ersten DVD befindet sich auch das Feature "Filmheld Mackie Messer. Michael Pabst über G.W. Pabsts 3-Groschen-Oper" (29:25) des Filmkritikers Robert Fischer aus dem Jahr 2008. Darin äußert sich Michael Pabst, der Sohn von G.W. Pabst, vor allem ausführlich zu Aspekten wie der Entstehung des Films, der gescheiterten Zusammenarbeit mit Brecht und dem nachfolgenden Rechtsstreit, der Atmosphäre bei den Dreharbeiten sowie hinsichtlich der Abweichungen gegenüber der Vorlage. Ebenfalls auf der ersten DVD findet sich die mit Anmerkungen in Textform versehene und musikalisch untermalte Bildergalerie "Casparius knipst...Eine kommentierte Auswahl von Hans-Michael Bock" (36:10). Der Fotograf Hans G. Casparius schoss während der Dreharbeiten mehr als 1000 Fotos und diese Auswahl seiner Bilder erlaubt einen Blick hinter die Kulissen der Produktion. Auf der zweiten DVD befindet sich ein kurzes Interview mit Fritz Rasp, "Fritz Rasp erzählt - Januar 1972" (17:45), in dem sich der Darsteller zu seiner Arbeit für Film und Theater äußert und dabei einen Einblick in die damaligen Arbeitsbedingungen gewährt. Ebenfalls auf der zweiten DVD befindet sich die französischsprachige Fassung der 3-Groschen Oper, "L' Opéra de quat'sous" (102:18), die nicht restauriert wurde und feste englische Untertitel aufweist. Die Unterschiede dieser völlig anders besetzten, parallel gedrehten Exportversion gegenüber der deutschen Fassung werden zudem in dem Feature "3-Groschen-Oper mehrsprachig" (18:24), des kanadischen Filmhistorikers Charles O'Brien, detailliert aufgeschlüsselt. Hier ist sowohl der englische Originalkommentar als auch eine eingedeutschte Fassung auswählbar.
Fazit:
"Die 3-Groschen-Oper" weist gegenüber dem ursprünglichen Theaterstück einige Veränderungen auf, die den satirischen Charakter des Films aber durchaus sinnvoll ergänzen und auf Brecht selbst rückführbar sind. Allerdings hat der Film gegenüber der Vorlage schon deutlich an Zynismus und Düsterkeit eingebüßt und die Figur des Mackie Messer erfährt eine wesentlich positivere Darstellung. Handwerklich ist der Film aber über jeden Zweifel erhaben, wobei die exzellente Kameraarbeit von Fritz Arno Wagner noch gesondert hervorgehoben werden sollte. "Die 3-Groschen-Oper" wurde in Bild und Ton aufwendig restauriert und das Ergebnis ist sehr vorbildlich ausgefallen. Angesichts dieser Qualität fällt es schwer zu glauben, dass der Film tatsächlich schon beinahe 80 Jahre alt ist. Genauso opulent und auch qualitativ voll überzeugend präsentiert sich auch das über zwei DVDs verteilte Bonusmaterial.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,33:1
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110:25 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 1.0 |
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Untertitel:
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Englisch |
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Bonusmaterial:
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- 36-seitiges Booklet
- Französische Fassung "L' Opéra de quat'sous" (102:18)
- "Filmheld Mackie Messer - Michael Pabst über G.W.Pabsts 3-Groschen-Oper"
- "Casparius knipst...Eine kommentierte Auswahl von Hans-Michael Bock
- "Fritz Rasp erzählt - Januar 1972"
- "3-Groschen-Oper mehrsprachig"
- Audiokommentar von Wolfgang Gersch und Hans-Michael Bock
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Die 3-Groschen-Oper
Die 3-Groschen-Oper
Erst kommt das Fressen, dann die Moral - Dieser restaurierte Klassiker ist aber auch moralisch als Pflichtkauf zu verantworten!
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 1931 Regie: Georg Wilhelm Pabst Drehbuch: Béla Balázs, Léo Lania, Ladislaus Vajda, John Gay (basierend auf einem Theaterstück von Bertolt Brecht) Darsteller: Rudolf Forster, Carola Neher, Reinhold Schünzel, Fritz Rasp, Valeska Gert, Lotte Lenya
Label :
absolut MEDIEN
Verkaufsstart : 17.10.2008
Vertrieb :
Kein Verleih bekannt
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