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The DescendantsLucky TroubleDas Todesspiel

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DVD-Besprechung - Gertrud

Story:
Gertrud Kanning (Nina Pens Rode) ist mit dem Rechtsanwalt Gustav (Bendt Rothe) verheiratet, liebt jedoch den Komponisten Erland Jansson (Baard Owe). Als Gustav zum Minister ernannt werden soll, teilt Gertrud ihm mit, dass sie ihn verlassen will. Während ihre neue Liebe sie allerdings schon kurz danach wieder auf Distanz hält, macht ihr ehemaliger Geliebter, der berühmte Dichter Gabriel Lidman (Ebbe Rode), ihr erneut den Hof. Gertrud verschließt ihr Herz jedoch in tiefer Trauer und will fortan ihr Dasein alleine fristen, da ihren Wunsch nach absoluter Liebe offenbar kein Mann erfüllen kann.

Meinung zum Film:
Der Däne Carl Theodor Dreyer ("Tag des Zorns") begründete seinen Ruf als bedeutender Regisseur bereits in der Stummfilmzeit mit dem in Frankreich gedrehten Inquisitionsdrama "Die Passion der Jungfrau von Orléans". Der erste Tonfilm Dreyers, "Vampyr - Der Traum des Allan Grey", aus dem Jahr 1932 gilt zudem heute als Klassiker des Horrorfilms. Das vorliegende Drama "Gertrud" aus dem Jahr 1964 war Dreyers letzter Film vor seinem Tod im Jahr 1968 und erscheint in Deutschland erstmals auf DVD. Für den April 2009 plant Kinowelt die Veröffentlichung der kürzlich verschobenen "Carl Theodor Dreyer Collection". Darin werden seine Werke "Du sollst deine Frau ehren" (1925), "Tag der Rache" (1943), "Das Wort" (1955) und eben auch "Gertrud" enthalten sein. "Gertrud" basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück des schwedischen Schriftstellers Hjalmar Söderberg aus dem Jahr 1906. Das Stück ist von persönlichen Erfahrungen geprägt und verursachte bei seiner Uraufführung einen Skandal.Nach heutigen Maßstäben ist die Freigabe des Films ab 16 Jahren allerdings nicht mehr nachvollziehbar.

Das Drama "Gertrud" spielt im großbürgerlichen Milieu zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Diese zeitliche Verortung schlägt sich allerdings eher in Details wie Wohnungsinterieurs oder der aufgetragenen Mode nieder. Geschichtliche Hintergründe spielen ebensowenig eine Rolle wie die vorherrschenden gesellschaftlichen Konventionen. So scheinen denn auch die Moralvorstellungen der Hauptfigur Gertrud und deren Unabhängigkeit ihrer Zeit um einige Jahrzehnte voraus zu sein, was vielleicht auch den Skandal begründete. "Gertrud" wirkt eigentlich nicht wie ein adaptiertes Theaterstück, das sich die Mittel des Films zu Nutze macht. Vielmehr wirkt die Ausgestaltung eher noch minimalistischer als bei den meisten Theaterstücken. Das Drama setzt nur auf sehr wenige Spielorte mit noch spärlicheren Außenszenen. Die größtenteils häuslichen Szenerien sind in ihrer Spärlichkeit beabsichtigt um den Blick auf das Zentrum des Films, die Hauptfiguren, nicht zu trüben. Diese interagieren vor allem durch Dialoge miteinander, die auf das Wesentlichste beschränkt werden und sich zudem über einen langsamen Sprachstil definieren.

Filmisch gibt es nur wenige lange Einstellungen, jedoch einige längere Kamerafahrten, die den Film weiter unnötig in die Länge ziehen. Das Spiel der Schauspieler ist zurückgenommen, aber nicht nur das, es wirkt geradezu hölzern und künstlich. Mimik und Gestik wirken eher unterkühlt und minimalistisch. Obwohl Gertrud die absolute Liebe sucht und tiefe Emotionen zentral für den Film sind, wirkt der Unterton des Films eher unterkühlt-depressiv. Das äußert sich auch darin, dass neunzig Prozent aller Dialoge ohne Augenkontakt der Figuren stattfinden. Das sparsame Spiel der Darsteller, die spartanische Ausstattung der Kulissen sowie Dialoge die vor bedeutungsschwangeren Worthülsen wie "Ich bin ein Mund, der einen Mund sucht" strotzen, verleihen dem Film einen extrem künstlich anmutenden, lebensfernen Charakter. Erschwerend tritt auch noch das Fehlen einer echten Identifikationsfigur hinzu. Gertrud spielt eine für diese Zeit ungeheuer autonome weibliche Person, die, obwohl sie verheiratet ist, sich ihre Liebhaber selber aussucht. Als ihre neue Liebe jedoch die Forderung absoluter Hingabe nicht erwidert und sie sogar eher als Abenteuer sieht, zerbricht etwas in Gertrud. Sie gebärdet sie sich gegenüber ihrem unglücklichen Ehemann und ihrem ehemaligen Liebhaber, der sie vergöttert, fortan selbst wie eine kalte Rachegöttin, weist sie schroff ab und wählt für sich selbst den Pfad in die Isolation. Ihren Lebensweg rechtfertigt sie selbstgerecht anhand melodramatischer Äußerungen vom Schlage eines "Lieben ist Leiden", die beim Betrachter den Wunsch nach einem greifbaren Phrasenschwein aufkommen lassen. Leider erweist sich auch die übertriebene Länge dieses träge verlaufenden Dramas als ein Martyrium für den unbedarften Zuschauer.


Digitale Aufarbeitung:
Die DVD dieses 45 Jahre alten Films weist keine Bildfehler oder Verschmutzungen auf, dafür aber ein ziemlich heftiges Bildrauschen. Ansonsten verfügt der Film aber über eine gute Schärfe und einen ausgewogenen Kontrast. Der Film wurde nie deutsch synchronisiert und liegt auch auf dieser DVD nur in dänischer Sprache mit zuschaltbaren deutschen Untertiteln vor. Die technische Qualität der Tonspur geht in Ordnung. Es werden auch lediglich Dialoge und eine dezente musikalische Untermalung geboten.

Die Kaufversion wird auch ein Booklet beinhalten, das aber bei der Besprechung nicht vorlag. Außerdem befindet sich auf der DVD noch das informative Feature "Carl Theodor Dreyer und Gertrud" (28:50) von Christiane Habich und Reinhard Wulf, das im Jahr 1994 im Auftrag des WDR entstand. Inhaltliche Schwerpunkte sind die Konzeption und der Stil des Films, Hintergründe zu den Dreharbeiten, die zeitgenössische Rezeption des Films, außerdem Äußerungen der Darsteller und des Kameramanns zu Dreyers Arbeitsweise als Regisser sowie zu seiner Persönlichkeit.

Fazit:
"Gertrud" ist ein Drama, das aufgrund der langatmigen Inszenierung, der höhepunktarmen Handlung, den gekünstelt agierenden Charakteren, der übertrieben pathetischen Darstellung und einer vor Plattitüden strotzenden Lyrik nur schwerlich Freunde finden dürfte. Zudem wirken alle innerhalb des Films bemühten Emotionen entweder krankhaft übersteigert oder eisig-unterkühlt, was die Distanz zum Zuschauer noch weiter vergrößert. Technisch kann die deutsche DVD überzeugen, auf eine deutsche Synchronisation muß aber verzichtet werden.


Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,66:1
1,66:1
112:47 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Dänisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Booklet
  • "Carl Theodor Dreyer und Gertrud"
Gertrud - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Gertrud
Gertrud

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Dieses Drama über die absolute Liebe ist auf emotionaler Ebene so herzerwärmend wie ein Gefrierschrank in der Antarktis


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Dänemark, 1964
Regie:
Carl Theodor Dreyer
Drehbuch:
Carl Theodor Dreyer (basierend auf einem Theaterstück von Hjalmar Söderberg)
Darsteller:
Nina Pens Rode, Bendt Rothe, Ebbe Rode, Baard Owe, Axel Strøbye, Anna Malberg

Label Deutschland :
Arthaus
Verkaufsstart Deutschland :
17.10.2008