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DVD-Besprechung - The Libertine - Sex, Drugs & Rococo
Story:
Wir schreiben das Jahr 1660. Mit der Rückkehr Charles II (John Malkovich) auf den englischen Thron blühen Theater, bildende Künste, Wissenschaft und Sexualität auf. 13 Jahre später, inmitten von politischen und wirtschaftlichen Problemen, bittet Charles II seinen Freund John Wilmot (Johnny Depp), auch bekannt als Earl of Rochester, aus dem Exil nach London zurückzukehren. John ist ein moralisch verkommener Säufer und ein zynischer Poet, mit einer Vorliebe für Exzesse und erotische Phantasien. Er soll dem König ein Stück zu Ehren des französischen Botschafters schreiben. Während der Vorbereitungen lernt John die aufstrebende Schauspielerin Elizabeth Barry (Samantha Morton) kennen und verfällt ihr leidenschaftlich.
Meinung zum Film:
"The Libertine" startet mit einem klassichen Monolog und enthüllt dadurch ziemlich schnell, dass der Film auf einem Theaterstück basiert: "Erlauben Sie mir gleich zu Beginn ein offenes Wort: Ich weiß, Sie werden mich hassen!" Doch wer ist es, der sich hier so sicher ist, dass niemand ihm positiv gesinnt sein wird? Johnny Depp mit einer zotteligen Perrücke? Nun ja, einerseits schon, aber vielmehr hat der Zuschauer hier John Wilmot, den zweiten Earl of Rochester, vor sich. Dieser Poet, Schriftsteller und Freidenker lebte von 1647 bis 1680 und starb letztlich an den Folgen von Syphillis, diversen Geschlechtskrankheiten und Alkoholmissbrauch. "The Libertine" beleuchtet die letzten Jahre des verruchten Earls, mit dem es nicht bergauf und bergab ging, sondern nur bergab und noch weiter bergab.
Nachdem König Karl II. (John Malkovich) seinen alten Freund Wilmot wegen dessen Eskapaden zeitweilig aus London verbannt hatte, holt er ihn nun in die britische Hauptstadt zurück, um ihn ein Theaterstück schreiben zu lassen. Mit diesem soll der französische Botschafter gütig gestimmt werden, um die angespannten Beziehungen zwischen England und Frankreich zu entlasten. Bei den Vorbereitungen zu seinem neuen Werk entdeckt der Earl die erfolglose Schauspielerin Elizabeth Barry (Samantha Morton), die er unter seine Fittiche nimmt und zur beliebtesten Darstellerin Londons ausbilden will. Die beiden fangen - obwohl Wilmot mit Elizabeth Malet (Rosamund Pike) verheiratet ist, seiner Frau, die er aber ignoriert - eine Liebschaft an. Dumm nur, dass die junge Schauspielerin von ihrem Gönner nichts mehr wissen will, nachdem sie erst mal der hellste Stern auf der Londoner Bühne geworden ist. Auch sonst steht es für den Earl nicht zum Besten ... das Theaterstück für den König artet natürlich wieder in eine spottende Satire aus, die den Herrscher durch den Kakao zieht. Dies hat eine neuerliche Verbannung zur Folge und dem Earl machen immer mehr die Auswirkungen der Syphillis zu schaffen, die nach und nach sogar sein Gesicht zerstören. Doch selbst eine fehlende Nase kann ihn nicht daran hindern, dem König noch ein letztes Mal zu Hilfe zu eilen ...
"The Libertine" basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von Stephen Jeffreys, der auch das Drehbuch für die Verfilmung schrieb. Ursprünglich 1994 am Royal Court in London aufgeführt, kam "The Libertine" schon bald ins Steppenwolf Theatre nach Chicago, wo John Malkovich die Rolle des Earl of Rochester übernahm. Hier ist Malkovich, der auch einer der Produzenten des Films war, nun im Gegenpart zu sehen, als König Karl / Charles II. Er liefert eine überzeugende Darstellung ab, ohne sich dabei in den Vordergrund zu spielen. Auch Samantha Morton und Rosamung Pike wissen nicht nur optisch zu gefallen. Doch am bemerkenswertesten ist natürlich wieder mal die Leistung von Johnny Depp, der sich - wie könnte es auch anders sein - in der Rolle des schrägen Exzentrikers pudelwohl fühlt. Man merkt dem gesamten Cast deutlich die Spielfreude an. Das Problem des Films sind daher nicht die Darsteller, auch die opulente Ausstattung kann nicht beklagt werden. Doch merkt man "The Libertine" einfach zu sehr seine Theaterherkunft an. Was auf der Bühne funktioniert, weiß im Kino nur teilweise zu überzeugen. Zu voraussagbar ist das klassische Theaterschema und dass nach dem Klimax - der sich in Form des katastrophalen Schmäh-Bühnenstücks des Earl zeigt - nur noch der stetige Fall kommt und nichts mehr wirklich passiert, bleibt wenig überraschend. Der Film ist auf jeden Fall sehenswert - schon allein wegen der großartigen Darsteller -, doch Autor Jeffreys hätte deutlich mehr aus dem Streifen herausholen können, wenn er es gewagt hätte, sein Theaterstück fürs Kino nicht nur leicht anzupassen, sondern neu zu erfinden.
Digitale Aufarbeitung:
VCL hat "The Libertine" auf der deutschen DVD leider nicht im Originalformat 2,35:1 veröffentlicht, sondern verwendet einen anamorphen Transfer im Format 1,85:1 - und ärgerlicherweise handelt es sich dabei noch nicht mal um eine geöffnete Fassung. Vielmehr wurde das Bild beschnitten, sodass links und rechts eine deutliche Menge an Bildinformationen verloren geht, wie ein Vergleich mit der amerikanischen DVD zeigt. Ansonsten gestaltet sich die Beurteilung der Bildqualität ziemlich schwierig, da mit sehr vielen extremen Stilmitteln gearbeitet wurde, um dem Film einen möglichst kalten, kranken Look zu verpassen. Das Bild ist durchwegs in schmutzigen Erdtönen gehalten und schimmert mal mehr braun, mal mehr gelb oder grün. Deutlich zu sehen ist auch die starke Filmkörnung, die aber beim laufenden Bild die meiste Zeit über nicht allzu stark auffällt. Positiv hervorheben muss man, dass das Bild trotz seiner Stilmittel verhältnismäßig klar und auch scharf wirkt. Der Ton liegt auf Deutsch und Englisch in Dolby Digital 5.1 vor. Beide Spuren bieten gute Dialogverständlichkeit, aber genrebedingt kein Klangfeuerwerk.
Als Bonusmaterial gibt es den Trailer zum Film, einen Audiokommentar des Regisseurs sowie ein rund 37-minütiges Making Of, das auf die Entstehung des Films, das Theaterstück und den echten Earl of Rochester eingeht.
Fazit:
"The Libertine" gefällt durch durchwegs überzeugende Darsteller, leidet aber darunter, dass man der Inszenierung zu sehr ihre Theater-Herkunft anmerkt. Autor Stephen Jeffreys hätte gut daran getan, die Story an das Medium anzupassen und nicht einfach nur sein Bühnenstück vor die Kamera zu bringen. Das Bonusmaterial der deutschen DVD von VCL ist interessant und die Technik prinzipiell in Ordnung. Allerdings ist sehr ärgerlich, dass der Film nicht im Originalformat 2,35:1 vorliegt, sondern an den Seiten beschnitten wurde, um ihn auf 1,85:1 zu bringen.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,85:1
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109:35 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Englisch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch, Englisch |
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Bonusmaterial:
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- Trailer
- Audiokommentar des Regisseurs
- Making Of
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The Libertine
The Libertine
Tolle Darsteller, aber nur bedingt überzeugendes Drehbuch
Autor der Besprechung:
Jano Rohleder
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Großbritannien, 2004 Regie: Laurence Dunmore Drehbuch: Stephen Jeffreys Darsteller: Johnny Depp, John Malkovich, Rosamund Pike, Samantha Morton
Label :
VCL
Verkaufsstart : 07.11.2008
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