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DVD-Besprechung - Lolita und der Amerikaner

Story:
Scott (Charles Bronson) verliebt sich in die 16-jährige Twinky (Susan George). Für sie ist es die erste große Liebe. Aber da Scott wesentlich älter ist, will ihre Familie gerichtlich gegen ihn vorgehen. Scott ist betroffen, seine Arbeit als Schriftsteller leidet darunter. Da überredet ihn Twinky dazu, sie in Schottland zu heiraten. Um dem Ärger mit der Familie zu entgehen, nimmt Scott seine Twinky mit nach New York.

Meinung zum Film:
Sybil Londonderry (Susan George) ist eine quirlige 16-Jährige, die von allen "Twinky" genannt wird. Frech und freimütig, trägt sie in die Schule gerne mal einen Minirock und liest liebend gern Erotikromane - vor allem die des mehr als doppelt so alten Schriftstellers Scott Wardman (Charles Bronson), mit dem sie eine Beziehung führt. Eines Tages kommen Twinkys Eltern beim Lesen des Tagebuchs ihrer Tochter der geheimen Affäre auf die Spur. Daraufhin gibt es einen großen Krach, der Twinky allerdings wenig beeindruckt. Vielmehr denkt sie sich "Jetzt erst recht!" und schlägt Scott kurzerhand vor, sie in Schottland zu heiraten. Gesagt, getan, und kurze Zeit später ziehen die beiden nach New York. Im dortigen Leben wird der Altersunterschied des Paars allerdings immer stärker deutlich. Denn während Scott versucht, sich auf seine Arbeit zu konzentrieren, richtet Twinky allerlei Chaos an. Sie organisiert eine Studentendemo, sorgt dafür, dass ihr Mann zwischenzeitig ins Gefängnis wandert und mietet ein Apartment, um dort eine wilde Party zu feiern. Für Twinky und Scott mag es die große Liebe sein, doch kann diese auch trotz des großen Altersunterschieds bestand haben?

In gewisser Weise lassen sich bei der Geschichte natürlich Parallelen zu Stanley Kubricks (bzw. Vladimir Nabokovs) "Lolita" erkennen. Wegen dieses potenziellen Kaufanreizes hat man dem Film auf DVD wohl auch den Titel "Lolita und der Amerikaner" gegeben, obwohl er bisher als "Der Amerikaner" oder "Twinky und der Amerikaner" bekannt war. Davon sollte man sich allerdings nicht täuschen lassen, denn "Twinky" zeigt sich bei Weitem nicht als kontroverser Streifen im "Lolita"-Stil. Mit 16 ist das Mädchen schon außerhalb des wirklich kritischen Altersbereichs (was sich Twinky sogar am Telefon selbst vom Anwalt der Familie bestätigen lässt) und über Sex wird zwar geredet, doch gibt es nie etwas Entsprechendes zu sehen. Vielmehr ist "Twinky" eine romantische Komödie mit deutlichem Schwerpunkt auf dem Unterhaltungsfaktor. Das Thema wird mit so viel Witz und harmloser Leichtigkeit angegangen, dass daran nicht mal erzkonservative Zuschauer wirklich Anstoß nehmen könnten - selbst vor knapp 40 Jahren, bei Veröffentlichung des Films, war das nicht der Fall.

Regisseur Richard Donner ("Superman") hat hier einen Streifen gedreht, der zwar mittlerweile insgesamt etwas altbacken wirkt, doch gerade dadurch einen besonderen Charme erhält. Zudem konnte er auf zwei hervorragende Hauptdarsteller zurückgreifen. Man würde es vielleicht nicht auf Anhieb erwarten, aber Charles Bronson überzeugt völlig in seiner Rolle, die doch so weit abseits seines typischen Revolverhelden-Schemas liegt. Sowohl die Freuden als auch die Probleme, die es mit sich bringt, eine deutlich jüngere Freundin zu haben, schafft Bronson glaubhaft darzustellen. Susan George gefällt als quirlige Schülerin, die immer - gerade wie es ihr passt und zum Vorteil gereicht - zwischen Teen-Girl und erwachsener Frau hin und her springt. Nicht vergessen darf man außerdem Orson Bean, der Scotts Agenten Hal spielt. Bean, der Fernsehzuschauern vor allem durch die Verköperung von Kramladen-Besitzer Loren in "Dr. Quinn" bekannt sein dürfte, sorgt zusammen mit Bronson für einige sehr unterhaltsame Szenen mit fast schon Woody-Allen-haften Zügen.

Digitale Aufarbeitung:
"Lolita und der Amerikaner" stellt aus technischer Sicht leider eine der schlechtesten DVDs der letzten Zeit dar. Der Transfer zeigt sich als bunter Flickenteppich aus Vollbild und geletterboxtem Originalformat (1,66:1). Dropouts und Verschmutzungen sind an der Tagesordnung, das Bild ist unscharf, die Farben matschig und blass - bei überstrahlendem Kontrast. Das Hintergrundrauschen und die Kompressionsprobleme werden da schon fast zur Nebensache. Beim Ton sieht es ebenfalls nicht besser aus. Dieser liegt auf Deutsch und Englisch in sehr dumpfen, rauschigen Monospuren vor. Die Stimmen wirken unnatürlich und die Dialoge sind teilweise nicht wirklich gut verständlich.

Neben dem Trailer zum Film bietet die DVD als Bonusmaterial ein 15-minütiges Interview mit Susan George. Dieses stammt bereits aus dem Jahr 1975 und kann daher nicht mit einem aktuellen, rückblickenden Interview gleichgesetzt werden - zumal es mit "Lolita und der Amerikaner" rein gar nichts zu tun hat und der Moderator fast nur total peinliche Fragen stellt.

Fazit:
"Lolita und der Amerikaner" alias "Der Amerikaner" ist eine romantische Komödie von Richard Donner, die mit tollen Darstellern besetzt ist und durch ihre Leichtigkeit sowie ihren heutzutage etwas altbackenen Charme gefällt. Vom für die DVD hinzugefügten "Lolita" im Titel sollte man sich nicht täuschen lassen, der Film bleibt über seine gesamte Laufzeit hinweg völlig harmlos und unkontrovers - wird dadurch aber umso unterhaltsamer. Leider zeigt die DVD den Streifen in schlechtester Qualität und kann weder in Hinblick auf das Bild noch auf den Ton überzeugen. Schade! 

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,33:1
1,33:1
94:13 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Englisch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • Trailer
  • Interview mit Susan George
Lolita und der Amerikaner - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Der Amerikaner
Twinky

Bild unseres Mitarbeiters Jano Rohleder
Unterhaltsame Romantik-Komödie, aber sehr schlechte DVD


Autor der Besprechung:
Jano Rohleder

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Italien / Großbritannien, 1969
Regie:
Richard Donner
Drehbuch:
Norman Thaddeus Vane
Darsteller:
Charles Bronson, Susan George, Orson Bean, Honor Blackman, Michael Craig

Label Deutschland :
Movie Power
Verkaufsstart Deutschland :
16.10.2008