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DVD-Besprechung - Chocolate - Süß und tödlich

Story:
Sin (Amara Siripong) ist die Geliebte und Geldeintreiberin des Gangsterbosses No.8 (Pongpat Wachirabunjong). Als es zu Auseinandersetzungen mit einfallenden Yakuza kommt, verliebt sich Sin ausgerechnet in deren Anführer Masashi (Hiroshi Abe). Masashi muß nach Japan zurückkehren und Sin zieht sich aus dem Geschäft zurück. Aus ihrer Verbindung geht jedoch die autistische Zen (Yanin "JeeJa" Vismitananda) hervor. Als Sin an Krebs erkrankt, fehlt ihr das Geld für eine Behandlung. Zens einziger Freund, Moom (Taphon Phopwandee), will dieses Geld von Zens Schuldnern eintreiben. Dummerweise handelt es sich bei denen aber um fiese Gangster. Zen hat sich jedoch mittlerweile zu einem Kampfsportass entwickelt und besitzt somit schlagkräftige Argumente.

Meinung zum Film:
"Chocolate" stammt aus der Feder des thailändischen Regisseurs Prachya Pinkaew, der mit "Ong Bak" und "Revenge of the Warrior - Tom Yum Goong" Tony Jaa seinerzeit ganz groß herausbrachte und, was die Kämpfe betraf, im Genre neue Maßstäbe setzte. An Bord ist natürlich auch hier wieder Action-Choreograph Panna Rittikrai ("Mercury Man"). Dieses Mal fiel die Entscheidung jedoch zu Gunsten einer weiblichen Heldin, die von der nur 1,57m großen, 24-jährigen Newcomerin Yanin "JeeJa" Vismitananda verkörpert wird. Sie wurde beim Casting zu "Born to Fight" entdeckt und investierte, laut den Verantwortlichen, insgesamt vier Jahre in die Vorbereitung des Films und die Entwicklung ihrer Kampfkünste.

Im Gegensatz zu den bisherigen Vorzeigewerken mit Tony Jaa sollte in "Chocolate" diesmal deutlich mehr Wert auf eine ansprechende Story gelegt werden. Zudem sollte die weibliche Heldin ein deutlicheres Profil erhalten, was allerdings auch größere schauspielerische Fähigkeiten erforderte. Das Ergebnis dürfte dem normalen Kampfsportfreund in den ersten 30 Minuten nur bedingt schmecken, denn soviel Zeit vergeht bis zur ersten Kampfeinlage. Denn zu Beginn schlägt der Film eher die emotionale Schiene an, was sich auch musikalisch niederschlägt. Ein Schicksalsschlag jagt hier den nächsten, zunächst die unglückliche Liebesbeziehung von Sin und Masashi, dann die Schwierigkeiten mit der Erziehung des autistischen Kindes, die aber mit viel Liebe erfolgreich bestritten wird, und schließlich auch noch die schwere Krebserkrankung von Sin, für deren Behandlung sie nicht einmal das notwendige Kleingeld besitzt. Die Tatsache, dass die Heldin autistisch ist, schlägt sich zunächst vor allem darin nieder, dass sie unglaubliche Reflexe und verschärfte Sinneswahrnehmungen besitzt. In Kombination mit ihrer Fähigkeit Bewegungen und Kampfstile nur durch Zuschauen blitzschnell erlernen zu können, entwickelt sie sich zu einer unglaublichen Kämpferin.

Einerseits kommt "Chocolate" storytechnisch nicht so platt daher wie seine Vorgänger und auch "JeeJa" hat größeres schauspielerisches Talent als Tony Jaa, andererseits verläuft die erste halbe Stunde mit einem etwas konfus wirkenden Einstieg doch ein wenig zäh und actionarm. Denn trotz der größeren Emotionalität bietet die Story des Films immer noch so manches Logikloch und auch die autistische Komponente der Heldin erscheint doch eher als Mittel zum Zweck. Aber der Zweck heiligt ja bekanntlich die Mittel und so häufen sich im weiteren Verlauf des Films die kämpferischen Auseinandersetzungen und gipfeln in einem wirklich herausragenden und ellenlangen Showdown. Die Kämpfe sind, wie nicht anders zu erwarten, hervorragend choreographiert, bieten sehr viel Akrobatik, eine Prise Humor und beziehen vor allem das Inventar und die Umgebung sehr stark mit ein. Allerdings sind gerade die ersten Kämpfe vom Tempo her noch nicht das Höchste der Gefühle und Zen ist vor allem damit beschäftigt massenweise Fallobst abzufrühstücken. Erst im Showdown steigt die Qualität ihrer Gegner und die Auseinandersetzungen werden, z.B. durch den Einsatz von Waffen oder den Kampf auf verschiedenen Ebenen, deutlich spektakulärer, zudem auch merklich blutiger. Aber auch wenn der Film keine Nonstop-Action bietet, so hat er doch eine sympathische, ungewöhnliche Heldin, die im Showdown richtig loslegen darf. Hier werden dann teilweise unglaubliche Stunts geboten. Highlights sind sicherlich auch die Anspielungen in Zens Kampfstil auf Bruce Lee oder Tony Jaa sowie der Kampf gegen einen spastischen Breakdancer.

Digitale Aufarbeitung:
Die DVD bietet im Bereich der Bildschärfe eine gute Qualität. Die Farben sind zudem sehr kräftig ausgefallen, werden aber regelmäßig, innerhalb eines breiten Spektrums durch den Einsatz von Filtern verfremdet. So bekommt jede Szenerie ihren ganz besonderen Look und unterstützt die Stimmung des Films. Bildrauschen ist, außer in den Nachtszenen, in nur in geringem Maße vorhanden, wirkt aber nie wirklich störend. Die Tonspuren sind sehr harmonisch abgemischt und bieten in dem, bis auf die Kampfszenen, eher ruhigen Film stets eine gute Verständlichkeit. Kommt es dann aber zu körperlichen Auseinandersetzungen, kracht es akustisch ordentlich im Gebälk, es wird ein beeindruckendes Klangvolumen aufgefahren und auch räumlich untermalt.

Das interessanteste Extra auf der DVD ist das deutsch untertitelte Making Of (18:15). Hier kommt neben dem Regisseur und den wichtigsten Darstellern auch der Action-Choreograph kurz zu Wort. Neben diversen Actionszenen von den Dreharbeiten werden auch einige Informationen zur "Entdeckung" der Hauptdarstellerin, ihrer Vorbereitung auf die Hauptrolle und Hintergründe zu den anderen Hauptdarstellern vermittelt. Zudem gibt es noch Erläuterungen zur Story des Films, zu Zens Gegnern im Finale und zu den Kampfstilen von "JeeJa". "Bei den Dreharbeiten" (19:22) bietet leider lediglich erneut weitere Szenen vom Dreh, aber völlig unkommentiert. Zudem wird der O-Ton von den Dreharbeiten nicht übersetzt oder untertitelt. Der Schwerpunkt sind hier klar die Actionsequenzen, außerdem erneut die Verletzungen bzw. Pannen bei den Dreharbeiten. Diese werden aber somit bereits zum dritten Mal offeriert, denn man bekommt sie auch bereits am Ende des Films sowie im Making Of zu sehen. Auch bei den anderen Kampfsequenzen gibt es starke Überschneidungen mit dem Making Of. Den Abschluß bilden der deutsche Originaltrailer, vier thailändische TV-Spots und eine Bildergalerie.

Fazit:
"Chocolate" startet eher gemächlich, ein wenig konfus und auch sehr emotional. Im weiteren Verlauf steigt aber die Anzahl und Qualität der kämpferischen Auseinandersetzungen stetig an und gipfelt in einem langen, extrem spektakulären Showdown, der Referenzqualitäten aufweist. Yanin "JeeJa" Vismitananda hat man mit Sicherheit nicht zum letzten Mal gesehen, zumal ihr auch schauspielerisch der Spagat zwischen der eiskalten Kämpferin und der kindlich-verletzlichen Autistin gelingt. Trotz kleinerer Schwächen handelt es sich hier um deutlich mehr als eine bloße Überbrückung der Wartezeit auf "Ong-Bak 2" und auch technisch kann die DVD überzeugen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,78:1
1,78:1
88:44 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
DTS 5.1
DTS 5.1
Thailändisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Making Of
  • Bei den Dreharbeiten
  • Originaltrailer
  • TV-Spots
  • Bildergalerie
Chocolate - Süß und tödlich - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Chocolate - ...süß und tödlich
Chocolate

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Die weibliche Antwort auf Tony Jaa bürgt für hochklassige Kampfkunst, gepaart mit viel Akrobatik und spektakulären Stunts


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Thailand, 2008
Regie:
Prachya Pinkaew
Drehbuch:
Chukiat Sakveerakul, Nepalee Sakweerakul
Darsteller:
Yanin "Jeeja" Vismitananda, Amara Siripong, Hiroshi Abe, Pongpat Wachirabunjong, Taphon Phopwandee

Label Deutschland :
3L
Verkaufsstart Deutschland :
06.11.2008