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DVD-Besprechung - Camarón - Als Flamenco Legende wurde
Story:
Camarón de la Isla (Óscar Jaeneda) ist noch jung, als sein Vater stirbt und er fühlt sich Zeit seines Lebens dafür verantwortlich. Er besitzt jedoch ein außergewöhnliches Gesangstalent und zieht durch die Bars, um seine Familie zu ernähren. Eines Tages trifft er auf den Gitarristen Paco de Lucía (Raúl Rocamora), der bereits ein erfolgreicher Musiker ist. Gemeinsam nehmen sie eine erste Schallplatte auf und werden vom Erfolg geradezu überwältigt. Camarón wird innerhalb kürzester Zeit zum bekanntesten Flamencosänger der Welt. Doch er kann dem Druck nicht lange standhalten und nimmt immer mehr Drogen, raucht wie ein Schlot. Mit gerade einmal 42 Jahren stirbt er an Krebs.
Meinung zum Film:
Es gibt zahlreiche Theorien zum Ursprung des Flamenco und keine davon ist belegt, was vor allem daran liegt, dass es vor dem 19. Jahrhundert keine schriftlichen Belege gab. Der Flamenco wurde immer nur oral tradiert. Es kommt aber nicht von ungefähr, dass Camarón de la Isla aus einer Familie ärmlicher Zigeunermusiker stammte. Denn die Zigeuner sorgten für die Verbreitung des Flamenco, wenn sie auch mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht für den Ursprung verantwortlich waren. Sicher ist jedenfalls, dass der Gesang beim Flamenco für Mitteleuropäer eher ein Rätsel darstellt. Besonders hier deutet vieles auf einen arabischen Ursprung hin und gerade deswegen klingt der Gesang für unsere Ohren eigenartig und schwer erfassbar. Man meint immer wieder einen weinerlichen Unterton heraus zu hören und in der Tat sind viele Texte des cante grande, dem großen ernsten Gesang von Schmerz und Leid erfüllt. In gewisser Weise kann man Flamenco mit Rap vergleichen. Rhythmus und schmerzbeladene Texte sind beiden Musikrichtungen vertraut. Wobei es beim Flamenco durchaus auch fröhliche Texte gibt, die im cante chico zum Tragen kommen, dem kleinen, unterhaltsamen Gesang.
Wenn das Leben eines Stars auf gerade einmal knapp zwei Stunden komprimiert wird, geschehen Fehler oder es kommt zu einer dramaturgischen Verknappung der Ereignisse. Und so muss man sich nicht wundern, dass es auch in diesem Film nicht gelungen ist manche Dinge so darzustellen, wie sie in der richtigen Zeitfolge passiert sind. Zwar hatte man sich mit Camaróns Witwe Dolores Montoya zusammen gesetzt, aber ein paar Kleinigkeiten waren verändert worden. So blieb zum Beispiel Paco de Lucía im Film an Camaróns Seite, obwohl sie im wirklichen Leben irgendwann nicht mehr zusammen auftraten. Aber es sind Kleinigkeiten, die hier zu bemängeln sind. Im Großen und Ganzen gelingt eine gute Darstellung des Lebens des Ausnahmemusikers, die auch die Schwächen von Camarón aufzeigt. Seine Drogensucht, seine Wutausbrüche, all dies wird thematisiert. Und auch wenn der Trailer, der der DVD beiliegt, eine Legende bewirbt, hat man sich bemüht, die Legende auf den Boden der Tatsachen zu stellen.
Zum finanziellen Erfolg in Spanien wird mit Sicherheit auch beigetragen haben, dass mit Óscar Jaenada und Verónica Sánchez zwei Schauspieler engagiert worden sind, die zum damaligen Zeitpunkt schon Stars einer populären TV-Serie mit dem Titel „Los Serrano“ waren. Man darf zwar insbesondere mit Blick auf deutsche Schauspieler durchaus die Nase rümpfen, wenn TV-Schauspieler aus Soap Operas ins Kino wechseln, aber die beiden Darsteller beweisen wirklich Talent und insbesondere Jaenada macht seinen Job verdammt gut und zeigt einen sensiblen, von inneren Zweifeln zerrissenen Camarón. Nicht umsonst hat er 2006 den Goya Award als bester Hauptdarsteller für eben diesen Film bekommen. Er ist ohne Zweifel das tragende Element des Films, der ansonsten eher ein wenig dahin dümpelt. Seine Performance speziell bei den Gesangsparts weiß mitzureißen. Und so vermittelt er dem Zuschauer auf sehr gute Art und Weise das Gefühl für diese Musik, ohne oberlehrerhaft zu wirken.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist recht gut auf die DVD übertragen worden, wirkt aber insgesamt etwas blass. Es ist schwierig zu sagen, ob das ein Stilmittel ist oder ein Fehler bei der Bearbeitung. Der Ton ist gut abgemischt und weiß mit einigen netten Effekten auf den seitlichen und hinteren Lautsprechern zu überzeugen. Wenn im Hintergrund beispielsweise die Band spielt, dann ist das auch wirklich hinten zu hören. Was etwas stört sind die Zwangsuntertitel bei einigen Liedern. Sicher ist es interessant, die Texte verstehen zu können, aber manch einer will vielleicht einfach nur die Musik auf sich wirken lassen. Ärgerlich ist die Fehlbehauptung auf dem Cover, dass der Film 5 Goya Awards gewonnen habe. Es sind derer nur drei, zwei weitere Nominierungen führten aber nicht zum Erfolg.
Als Special Features liegen lediglich der Trailer und ein Teasertrailer bei. Das ist sehr wenig und es wäre sicher interessant gewesen, ein Making Of zu sehen.
Fazit:
"Camarón" ist ein gelungener Einblick in die Welt des Flamenco und die eines der größten Stars der Szene. Wer noch nie etwas mit Flamenco zu tun hatte, findet hier vermutlich einen idealen Einstieg, der vor allem dem Zuschauer as Gefühl für diese Art der Musik ideal vermittelt.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,85:1
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112:38 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Spanisch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Keine |
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Bonusmaterial:
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Camarón - Als Flamenco Legende wurde
Camarón
Leiden als Lebensgefühl
Autor der Besprechung:
Bernd Glasstetter
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Spanien, 2005 Regie: Jaime Chávarri Drehbuch: Álvaro del Amo, Jaime Chávarri Darsteller: Jacobo Dicenta, Chiqui Maya, Alfonso Begara, Veronica Sanchez, Rosa Estevez, Raul Rocamora, Merce Llorens, Martin Bello, Andoni Gracia, Maria Isasi, Oscar Jaenada, Manolo Caro
Label :
3L
Verkaufsstart : 06.11.2008
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