Splashpages  Home Movies  Rezensionen  Rezension  The Contestant - Der Kandidat
Partner von Entertain Web
http://www.splashmovies.de/php/images/spacer.gif
The DescendantsLucky TroubleDas Todesspiel

In der Datenbank befinden sich derzeit 3.899 Rezensionen. Alle Rezensionen anzeigen...

DVD-Besprechung - The Contestant - Der Kandidat

Story:
Der Volkswirtschaftsdozent Martín Circo (Leonardo Sbaraglia) gewinnt bei einem Fernsehquiz Sachpreise im Wert von drei Millionen Euro, darunter auch zwei Autos, ein Privatflugzeug und eine Yacht. Die Unterhaltskosten für diese Luxusgüter sowie die gestiegenen Steuerforderungen des Finanzamts übersteigen seine finanziellen Möglichkeiten jedoch bei weitem. Dadurch wird er gezwungen, Kredite aufzunehmen. Allein um die damit einhergehenden Zinsen aufzubringen, ist Martín aber gezwungen, einen Teil seiner Gewinne möglichst schnell wieder zu Geld zu machen.

Meinung zum Film:
"The Contestant - Der Kandidat" ist das Langfilmdebüt des spanischen Regisseurs Rodrigo Cortés, der bisher vor allem durch preisgekrönte Kurzfilme wie "15 Days" oder "Yul" auf sich aufmerksam machte. Wie auch bei diesen Kurzfilmen beschränkte sich seine Arbeit nicht auf die Regieführung, sondern er schrieb außerdem auch noch das Drehbuch und war für den Schnitt verantwortlich. Die Hauptrolle des Films übernahm der auch international bekannte argentinische Darsteller Leonardo Sbaraglia ("King of the Hill"). Weitere bekannte Darsteller sind Chete Lera ("Somniac - Tödliche Träume") als exzentrischer Querdenker, Fernando Cayo ("Das Waisenhaus") als Freund und Arbeitskollege Martíns und Luis Zahera ("Alatriste") als Schuldenberater. "The Contestant" gewann beim Málaga Spanish Film Festival 2007 den "Critics Award" und erlebte seine Erstaufführung in Deutschland anläßlich des 22. Internationalen Filmfestes Braunschweig.

"The Contestant" ist ein Film über einen Mann, dessen größter Glücksfall ausgerechnet seinen Untergang bedeutet. Er präsentiert sich als eine unausgewogene Mischung aus Komödie und Drama. Es ist nicht zu übersehen, dass der Regisseur aus dem Bereich des Kurzfilms stammt und sich außerdem für sein Debüt deutlich zuviel vorgenommen hat. Zunächst ist bereits die Auswahl des unfreiwilligen Antihelden etwas fragwürdig geraten. Martín Circo ist als Volkswirt eigentlich ausgewiesener Experte für Finanzen, dass nun ausgerechnet er auf diese Weise völlig naiv in die Schuldenfalle der Kredithaie tappt, ist deshalb äußerst unglaubwürdig. Auch wenn es den Verantwortlichen darum ging, dass gewissermaßen Martíns heiles Weltbild einstürzt, hätte das deutlich plausibler umgesetzt werden müssen. Weiterhin tritt der Film inhaltlich stark auf der Stelle und es wird eigentlich bis zum Schluss kein wirklicher Schwerpunkt deutlich. Zunächst werden unwichtige Details aus Martíns bisherigem Leben aufbereitet ohne dass man jemals irgendetwas über seine eigentliche Lebenseinstellung oder berufliche Motivation erfahren würde. Dann wird sein individueller Absturz vom Glückspilz zum Schuldner thematisiert. Als nächstes bekommt das internationale Finanzwesen als ursächliches Übel sein Fett weg. Im Anschluß folgt der Film wieder dem Absturz Martíns, dessen Freundin ihn verläßt und der auch noch gefeuert wird. Und den Abschluss des Films bildet schließlich die Reaktion Martíns auf diese Schicksalsschläge, dessen Verzweiflung sich in einer Art anarchistischem Befreiungsakt entlädt.

Der Schnitt, die Ästhetik des Films und der Aufbau, inklusive der Abfolge der einzelnen Sequenzen, erinnern eher an ein Musikvideo als an einen Spielfilm. Der Film wirkt bruchstückhaft. Ein Effekt, der durch die ständigen, nicht chronologischen Zeitsprünge und Rückblenden sowie die Kommentare des Erzählers, den ebenfalls Martín verkörpert, noch weiter verstärkt wird. Der Anspruch die perversen Auswirkungen des Finanzsystems und Bankwesens für das unbedarfte Individuum aufzuzeigen, scheitert leider fast vollständig. Lediglich ein vereinfachender Exkurs des Querdenkers Edmundo Figuera (Chete Lera) zum Zinswucher der Banken besitzt wirklich Potential. Seine eigentlich vielversprechende Figur wird aber leider sträflich vernachlässigt. Der Humor verläuft sehr unterschwellig und die wenigen wirklich komischen Szenen haben mit der Geschichte eigentlich gar nichts zu tun. So bezieht beispielsweise die Mutter Edmundos ihre Lebensenergie aus dem Fernseher. Wird dieser abgeschaltet, sackt sie deshalb einfach in sich zusammen. Ansonsten pendelt der Film leider nur unentschlossen zwischen Satire, flacher Verliererkomödie und Drama hin und her.

Digitale Aufarbeitung:
Die Bildschärfe der DVD ist gut. Der Kontrast ist insgesamt aber nicht wirklich ausgewogen. Bei hellen Flächen. wie Gesichtern. gibt es deutliche Überstrahlungen, während sehr dunkle Flächen fast sämtliche Details verschlucken. Die Farbgebung ist nicht gerade natürlich und zehrt eher von einer stylischen Videoclip-Ästhetik. Das Bildrauschen ist für einen relativ neuen Film ziemlich stark ausgefallen.Auf der DVD befinden sich sowohl eine deutsche als auch eine spanische Tonspur, die beide eine gute Verständlichkeit bieten. Allerdings dürfte die spanische Tonspur für die meisten Bundesbürger vollkommen nutzlos sein, da vollkommen unverständlicherweise komplett auf die Bereitstellung von Untertiteln verzichtet wurde.

Auf der DVD befinden sich lediglich der deutsche Originaltrailer und eine Bildergalerie zum Film.

Fazit:
Die Story von "The Contestant" besitzt sicherlich Potential, der Film verharrt aber bereits in deren Ansätzen und weiß nicht so recht, welchen Schwerpunkt er eigentlich setzen möchte. Der unterschwellige Humor sorgt selten für ein Schmunzeln, während die Kritik am Finanzsystem und Kreditwesen im Großen und Ganzen bestenfalls an der Oberfläche kratzt. Für eine Satire hapert es gewaltig am Feinschliff und für ein Drama wirken die Charaktere einfach zu oberflächlich und unglaubwürdig. Minuspunkte sammelt die technisch ansonsten ordentliche DVD durch die fehlenden Untertitel und das äußerst spärliche Bonusmaterial.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 06
2,35:1
2,35:1
86:28 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Spanisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • Deutscher Originaltrailer
  • Bildergalerie
The Contestant - Der Kandidat - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
The Contestant - Der Kandidat
Concursante

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Nette Grundidee in unausgegorener Umsetzung - Hier hat sich der Regiedebütant offensichtlich etwas verhoben


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Spanien, 2006
Regie:
Rodrigo Cortés
Drehbuch:
Rodrigo Cortés
Darsteller:
Leonardo Sbaraglia, Chete Lera, Miryam Gallego, Fernando Cayo, Myriam De Maeztu, Luis Zahera

Label Deutschland :
e-m-s
Verkaufsstart Deutschland :
06.11.2008