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DVD-Besprechung - Insider

Story:
Lowell Bergman (Al Pacino) ist Produzent der Nachrichtensendung „60 Minutes“, in der besonders heiße Themen diskutiert und zentrale Personen dieser Themen von Mike Wallace (Christopher Plummer) interviewt werden. Durch Zufall lernt Bergmann Dr. Jeffrey Wigand (Russell Crowe) kennen, der gerade seinen Job als Chemiker bei einem großen Tabakkonzern verlor, als er sich weigerte, suchtsteigernde Substanzen bei Zigaretten zu verheimlichen. Doch der Bericht stellt sich als sehr schwierig dar, da Wigands Familie zum Einen von seinem ehemaligen Arbeitgeber stark unter Druck gesetzt wird, zum Anderen aber auch der produzierende TV-Sender zusehends kalte Füße bekommt.

Meinung zum Film:
Michael Manns („Heat“) „Insider“ basiert auf den Erfahrungen des real existierenden Dr. Jeffrey Wigand. Dieser hatte 1996 in dem Artikel „The Man Who Knew Too Much", das im Vanity Fair-Magazin abgedruckt wurde, über die Praktiken der Zigarettenindustrie geplaudert und wurde anschließend zum zentralen Zeugen eines Schadensersatzprozesses gegen die Tabakindustrie, der mit einem Vergleich in Höhe von 246 Milliarden US-Dollar endete. Drehbuchautor Eric Roth („Forrest Gump“) schuf aus dem Fall einen Wirtschaftsthriller, der sich zum Ende hin immer mehr zur Gesellschaftskritik verlagert. Bei der Oscar-Verleihung 2000 ging „Insider“ mit insgesamt 7 Nominierung in das Rennen, u.a. für den besten Film, den besten Regisseur, das beste Drehbuch nach einer Vorlage und den besten Hauptdarsteller, konnte man Ende aber nicht eine einzige der begehrten Trophäen für sich verbuchen. Auch an den Kinokassen blieb der gewünschte Erfolg aus, nicht einmal die Produktionskosten konnten wieder eingespielt werden.

Eines der Probleme von „Insider“ dürfte sicherlich die komplexe Story sein. Während der Film in der Werbekampagne als reiner Wirtschaftsthriller rund um die Tabakindustrie vermarktet wurde, steckt auch ein großer Anteil Kritik an Seilschaften in der Industrie und persönlichen Schicksalen in dem Film. Zu Beginn steht Russell Crowe („Ein gutes Jahr“) im Zentrum der Geschichte. Es wird gezeigt, wie er entlassen wird, wie er seinen sozialen Status verliert, aus seinem großen Haus in ein deutlich kleineres umziehen muss und wie er und seine Familie immer mehr unter Druck geraten, weil sein ehemaliger Arbeitgeber keinesfalls will, dass er über Interna zu redet. Wigand selbst ist hin- und her gerissen, wie er weiter handeln soll. Zum Einen sieht er es als seine Pflicht an, über den gezielten Einsatz von suchtgenerierenden Stoffen in Zigaretten zu berichten, zum Anderen möchte er aber keinesfalls gegen seine Verschwiegenheitsklausel im Arbeitsvertrag verstoßen, die er bei Arbeitsbeginn unterzeichnet hat. Als seine alten Bosse ihn aber zur Unterschrift einer erweiterten Verschwiegenheitsklausel nötigen wollen und den Druck auf ihn erhöhen, entschließt er sich, Gegenwehr zu leisten und stellt sich dem Fernsehen und dem Generalstaatsanwalt von Mississippi, Michael Moore zur Verfügung. Letztgenannter wird vom realen Michael Moore verkörpert, der in den 90er-Jahren den Prozess gegen die Tabakindustrie vertrat.

In der zweiten Hälfte des Films gerät Wiegand immer mehr in den Hintergrund und im Fokus steht der Kampf von Bergmann, der gegen die Hürden vorgeht, die ihm bei der Ausstrahlung seiner Sendung in den Weg gestellt werden. Dargestellt wird Bergmann von Al Pacino („Der Pate“), der wieder einmal in die von ihm geliebte Rolle des niemals müden Kämpfers für die Gerechtigkeit schlüpfen konnte. Seine Plädoyers, diesmal für die Pressefreiheit und das Recht auf Informationen, sind gewohnt routiniert und mitreißend vorgetragen. Der Wirtschaftsthriller, der von den skrupellosen Machenschaften der Industriellen berichtet, geht nahtlos über in ein Mediendrama, das sich vor allem mit den verwobenen Seilschaften in vielen Bereichen beschäftigt. Der Wechsel an sich ist dabei gut und vor allem fließend umgesetzt. Allerdings erscheint nicht alles immer ganz glücklich geschildert. So wird die Situation von Wigands Familie zu Beginn sehr zentral präsentiert, doch hat man als Zuschauer nie so recht das Gefühl, dass dieser Erzählstrang voran kommt. Wie bei weiteren Momenten, tritt der Film hier auf der Stelle und verschleppt das Erzähltempo deutlich, während bei anderen Momenten, wie z.B. der staatlichen Ermittlung Lücken entstehen. Mit rund 2,5 Stunden ist der Film recht lang geraten und es wäre sicherlich nicht vermessen zu sagen, dass er mit rund 30 Minuten weniger Spielzeit, dafür aber mehr Fokus auf den Kern der (beiden) Geschichte(n) deutlich besser beraten gewesen wäre. Davon schlecht zu sein, ist „Insider“ sicherlich sehr weit entfernt. Die Erwartungen, die er hinsichtlich der Personen vor und hinter der Kamera schürt, wird er allerdings tatsächlich nicht ganz gerecht.

Digitale Aufarbeitung:
Der Bildeindruck ist ordentlich, allerdings neigen weiße Fläche zu überstrahlen und es entstehen teilweise leichte Nachzieheffekt bei Bewegungen. Im Gegensatz zu den bisherigen Veröffentlichungen, die allesamt im korrekten anamorphen 2,35:1-Format erschienen, ist die Neuauflage im anamorphen 1,78:1-Format auf der Disc enthalten. Dies wurde durch das "Open Matte"-Verfahren erreicht, bei dem der eigentlich oben und unten abgedeckte Bereich des Bildes freigesetzt wurde und links und rechts ein klein wenig Bildinformationen fehlen. Da "Insider" von Michael Mann im Bildverhältnis 2,35:1 gedreht wurde, gibt es in diesem Fall zwar oben und unten mehr Informationen zu sehen, was aber nicht dem entspricht, was der Regisseur inszeniert hat. Der deutsche Ton in Dolby Digital 5.1 ist durchweg gut zu verstehen, hält sich im hinteren Bereich aber eher zurück.

Als Extra gibt es ein rund 7-minütiges Making Of, das allerdings weniger Informationen über den Dreh vermittelt, sondern eher als Werbeplattform für den Film dient. Nicht fehlen dürfen natürlich die von Constantin-Film gewohnten, knappen Arbeitsnachweise ausgewählter Künstler.

Fazit:
"Insider" ist ein interessanter Wirtschaftsthriller, der sich mit der Thematik von Seilschaften zwischen der Wirtschaft, den Medien und dem Staat beschäftigt. Zwischendurch verliert der Film zwar immer wieder den Fokus und es gibt unnötige Längen zu überstehen, aber nicht zuletzt dank der hervorragenden Darsteller kann darüber hinweg gesehen werden. Nicht zu verzeihen ist allerdings der Umstand, dass der Film in der Neuauflage im falschen 1,78:1-Open-Matte-Format veröffentlicht wird.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 06
1,78:1
1,78:1
151:15 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Featurette
  • Darstellerinfos
Insider - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Insider
The Insider

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Eine gelungene Mischung aus Wirtschaftsthriller und Gesellschaftskritik mit kleineren Schwächen


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1999
Regie:
Michael Mann
Drehbuch:
Michael Mann, Eric Roth (basierend auf einem Vanity Fair-Artikel von Marie Brenner)
Darsteller:
Al Pacino, Russell Crowe, Christopher Plummer, Diane Venora, Philip Baker Hall, Stephen Tobolowsky, Bruce McGill, Gina Gershon, Michael Gambon, Rip Torn, Wings Hauser

Label Deutschland :
Constantin Film
Verkaufsstart Deutschland :
06.11.2008