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DVD-Besprechung - Die Farben des Paradieses

Story:
Mohammad (Mohsen Ramezani) ist blind und geht auf eine Blindenschule in Teheran. In den Sommerferien ist sein Vater (Hossein Mahjoub) jedoch gezwungen, ihn abzuholen und mit sich in sein entlegenes Heimatdorf zu nehmen. Davon ist er allerdings wenig begeistert, denn er sieht seinen Sohn und dessen Behinderung als Strafe Gottes an, und schmälert deshalb auch seine Chancen auf eine neuerliche Heirat. Während Mohammad mit all seinen Sinnen, vor allem dem Gehör und dem Tastsinn, die Natur in seiner wahren Heimat erkundet und genießt, hadert sein Vater nur fortwährend mit dem Schicksal und unternimmt alles, um seinen Sohn von sich fernzuhalten.

Meinung zum Film:
Der vorliegende Film wurde bereits im Oktober 2004 von KSM unter dem Titel "The Colour of Paradise" als deutsche DVD veröffentlicht. Im Gegensatz zur aktuellen Veröffentlichung verfügte diese Fassung aber lediglich über eine deutsche Tonspur. Allerdings befand sich dafür auch Hintergrundmaterial zum Film auf der DVD, wenn auch nur in Textform, wie z.B. ein Interview mit dem Regisseur. Der iranische Regisseur Majid Majidi ("Baran"), der auch das Drehbuch schrieb, gilt als einer der bedeutendsten Filmemacher seines Landes. Aber auch international hat Majidi bereits große Erfolge gefeiert und wurde für zahlreiche Filmpreise nominiert. Sein letzter Film, "The Song of Sparrows", war im Jahr 2008 im Rennen um den "Goldenen Bären" und wurde später als offizieller iranischer Beitrag für den Auslandsoscar nominiert. Sein Jugendfilm "Kinder des Himmels" war im Jahr 1999 ebenfalls bereits oscar-nominiert. "Die Farben des Paradieses" gewann den Hauptpreis des Montréal World Film Festival 1999 und lief bei den Internationalen Filmfestspielen von Berlin in der Sektion "Generation" für Kinder- und Jugendfilme. Bis auf die Rolle des Vaters wurden alle Filmcharaktere mit Laiendarstellern besetzt und bei dem Hauptdarsteller Mohsen Ramezani handelt es sich tatsächlich um einen blinden Jungen.

"Die Farben des Paradieses" ist zwar ein empfehlenswerter Film für Jugendliche, aber durchaus auch für Erwachsene geeignet. Im Kern des Films steht ein Vater-Sohn-Konflikt. Mohammad sehnt sich nach Liebe, findet sich in seiner schwierigen Situation sehr gut zurecht und genießt es im Einklang mit der Natur zu leben. Sein Vater hingegen verweigert ihm diese Liebe und ist ein verbitterter Mensch. Er hadert mit seinem Schicksal, seinem einfachen Leben und dem Verlust seiner geliebten Ehefrau. Auf der religiösen Ebene, die vollkommen unaufdringlich präsentiert wird, findet Mohammad Gott in der Natur und nimmt ihn mit seinen geschärften Sinnen wahr. Für seinen Vater hingegen existiert lediglich ein grausamer Gott, der stetig grundlos Unheil in sein Leben trägt. Eigentlich ist er der "Blinde" in dieser Geschichte, da er keinen Blick für die Schönheit seiner Umgebung hat und die Zuneigung seines Sohnes ignoriert.

"Die Farben des Paradieses" ist sicher nichts für Freunde storyorientierter Filme, da sich der Film häufig in poetischer Bildsprache und beeindruckenden Landschafts- und Naturaufnahmen verliert. Die Laiendarsteller fügen sich perfekt in ihre Umgebung ein und bürgen für ein harmonisches Filmerlebnis. Der Film ist ein Appell zur vollen Entfaltung der eigenen Sinne, ein Aufruf für eine tolerante Gesellschaft und verdeutlicht außerdem, dass körperliche Beeinträchtigungen und ein glückliches Leben keineswegs Gegensätze darstellen müssen. Der Film bietet aber auch ein gehöriges Maß an Tragik und steuert unaufhaltsam auf ein schicksalhaftes Ende zu. Er verebbt jedoch im wahrsten Sinne des Wortes mit einem Schimmer der Hoffnung.

Digitale Aufarbeitung:
Leider liegt der Film auch bei dieser Veröffentlichung wieder nur im Vollbild vor, obwohl er ursprünglich im Widescreen-Verfahren 1,85:1 aufgenommen wurde. Dadurch fehlen natürlich an den Seiten Bildinformationen, was allerdings ohne Kenntnis des Originals nicht sonderlich ins Gewicht fällt. Die Bildschärfe der DVD ist wirklich gut ausgefallen und auch was die Kontrastwerte betrifft, weiß das Bild zu überzeugen. Leider weist die Vorlage aber diverse leichtere Verschmutzungen und Beschädigungen auf. Ein Rauschen ist lediglich im Hintergrund feststellbar, aber nicht wirklich störend ausgefallen. Die Farbgebung des Films ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits wirkt sie natürlich, andererseits wirkt sie aber nicht so ausdrucksstark wie man sich das bei einem Film, der stark auf die Optik und eindrucksvolle Naturlandschaften setzt, erwarten würde. Die deutsche Tonspur ist zu jeder Zeit gut verständlich und ist, gerade was die Umgebungsgeräusche angeht, sehr ansprechend abgemischt, so dass der Eindruck entsteht, sich inmitten der Natur zu befinden. Neben der deutschen Tonspur befindet sich auf der DVD auch noch die Originaltonspur in Farsi (Persisch) und eine Hörfilmfassung der Deutschen Hörfilm gGmbH. Letztere Fassung für Blinde und Sehbehinderte bietet zusätzliche gesprochene Erläuterungen (Audiodeskription). Neben der Auswahl über das Menü "Sprachen" weist die DVD auch bereits beim Start akustisch auf diese Fassung hin und ermöglicht deren Anwahl noch vor dem eigentlichen Hauptmenü.

Der DVD liegt ein 20-seitiges Booklet der "Jungen Journalisten" bei. Dabei handelt es sich um kurze Texte von jungen Autoren zwischen 11 und 16 Jahren, die auch in erster Linie für ein junges Publikum geschrieben sind. Diese Texte befassen sich mit Aspekten wie der Blindenschrift, der Entstehung von Filmen mit Audiodeskription oder der Ausbildung von Blindenhunden und können auch hier online gelesen werden. Hintergrundinformationen zum Film und dessen Entstehung sucht man bei dieser DVD-Veröffentlichung leider vergeblich.

Fazit:
"Die Farben des Paradieses" ist vor allem optisch eine Augenweide und lädt mit seiner ruhigen Erzählstruktur und poetischen Ausgestaltung zum entspannten Verweilen ein. Neben seiner positiven, lebensbejahenden Botschaft birgt der Film aber auch ein gehöriges Maß an Tragik und thematisiert mit seinen authentisch wirkenden Charakteren eine unglückliche Vater-Sohn-Beziehung. Technisch geht die DVD in Ordnung, ihr fehlt jedoch der letzte Feinschliff im Hinblick auf brillantere Farben und eine von Makeln befreite Vorlage. Leider fehlt auch jegliches Bonusmaterial, das direkt auf den Entstehungshintergrund des Films bezogen ist. Vorbildlich ist allerdings die Aufbereitung der DVD für sehbehinderte Menschen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 06
1,33:1
1,33:1
86:27 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Farsi
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Hörfilm-Fassung
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Englisch
Bonusmaterial:
  • 20-seitiges Booklet mit Texten der Jungen Journalisten
Die Farben des Paradieses - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Die Farben des Paradieses
Rang-e khoda

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Ein optisch sehr ansprechendes Vater-Sohn-Drama mit viel Poesie und Tragik, für Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen geeignet


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Iran, 1998
Regie:
Majid Majidi
Drehbuch:
Majid Majidi
Darsteller:
Hossein Mahjoub, Mohsen Ramezani, Salameh Feyzi, Farahnaz Safari, Elham Sharifi, Behzad Rafi, Mohamad Rahmani

Label Deutschland :
absolut MEDIEN
Verkaufsstart Deutschland :
31.10.2008