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DVD-Besprechung - Vorne ist verdammt weit weg
Story:
Erwin Pelzig (Frank-Markus Barwasser) kann ganz sicher nicht vorgeworfen werden, dass er nicht hilfsbereit sei. Als sein Nachbar Johann Griesmaier (Peter Lohmeyer) wegen eines Missgeschicks längere Zeit im Krankenhaus bleiben muss, übernimmt er dessen Job als Chauffeur von Firmenchef Eduard Bieger (Philipp Sonntag). Aus Zufall bekommt Pelzig mit, dass Biegers Tochter Melanie (Franziska Schlattner) und sein Sohn Bertram (Martin Eschenbach) dabei sind, die Firma zu sanieren, was letzten Endes den Verlust der Arbeitsplätze für die Angestellten und das Aus für Eduard Bieger bedeuten würde. Doch die Beiden haben ihre Rechnung ohne Pelzig und seine neue beste Bekannte Chantal (Christiane Paul) gemacht.
Meinung zum Film:
Erwin Pelzig ist die Kunstfigur des unterfränkischen Kabarettisten Frank-Markus Barwasser. 1993 hatte Pelzig seinen ersten Auftritt im Bühnenprogramm „Nüssleins Fügung“ und hat sich mittlerweile mit den öffentlich-rechtlichen Sendungen „Aufgemerkt! Pelzig unterhält sich“ und „Neues aus der Anstalt“ zum regelmäßiger Gast im deutschen TV etabliert. Die Markenzeichen von Erwin Pelzig sind sein Cordhut, das karierte Hemd und die Männerhandtasche, die er stets bei sich trägt. Zusammen mit Theaterregisseur Thomas Heinemann schrieb Barwasser das Drehbuch zu „Vorne ist verdammt weit weg“ und man achtete genauestens darauf, die Figur des Erwin Pelzig für die große Leinwand zu adaptieren. Ein Unterfangen, das nicht ganz so einfach ist, da der Schritt vom kabarettistischen Soloprogramm zum Held eines Filmes größer ist als man dies anfangs denken mag. Die Adaption des Erwin Pelzig von der Bühne auf die Leinwand ist aber durchaus gut gelungen, allerdings kann die Geschichte nur bedingt überzeugen. Sie wirkt stellenweise doch ein wenig wie eine zu platte Glosse. In diesem Punkt ist der Wechsel von der Bühne in den Film nicht ganz so gut und reibungslos verlaufen.
Die Story bietet als Rahmen die Sanierung einer Firma, bei der die Produktion in die Mongolei ausgelagert und der Profit auf Kosten der zu entlassenden Arbeitnehmer maximiert werden soll, ohne dabei den Seniorchef zu fragen. Natürlich bekommt Pelzig davon Wind und mit seiner tief schürfenden Philosophie des kleinen Mannes sieht er sich moralisch dazu verpflichtet, die Dinge wieder ins Lot zu bringen. Wie einst Gerhard Polt in „Kehraus“ lässt sich der wackere Bürger nicht einschüchtern von den ganzen Fremdwörtern, die ihm ständig um die Ohren gehauen werden und er pfeift auf die übliche Etikette. Er setzt sich zusammen mit Chef Bieger an den Teetisch, isst mit dessen Escortdame einen Burger, während Bieger auf dem Rücksitz schlummert und kann einfach nicht davon lassen, sich in jedes Gespräch einzumischen und seinen Senf dazuzugeben. Natürlich klappt nicht immer alles wie gewünscht. Als er am Flughafen z.B. erst einen Herrn Li abholen soll, hat er anschließend ein ganzes Dutzend Lis im Schlepptau, die sich den ganzen Film über als Running Gag präsentieren, während er Biegers Sohn Bertram nicht mitnehmen möchte, da er die „Wollkapp“ nicht als Sohn eines reichen Industriellen erkennen will. Der Filme hat einige höchst unterhaltsame Momente zu bieten, die sich meist aus den ruhigen Tönen des Erwin Pelzigs ergeben.
Doch nicht alle Charaktere sind wirklich gelungen. Firmensanierer Max Kienze (Tobias Oertel / „KDD – Kriminaldauerdienst“) beginnt mit seinem ständigen Gebrauch von englischen Begriffen sehr schnell zu nerven. Der Versuch, Firmenberater sehr spitz zu zeichnen ist sicherlich nicht verkehrt. Allerdings sollte es damit auch nicht so übertrieben werden. Am Ende des Films wird manch einer sicherlich zu aggressivem Verhalten neigen, wenn er noch einmal „It’s all about the money, honey!“ hören sollte. Auch Sohn Bertram (Martin Eschenbach / „München 7“) ist ein Ecke zu deppert ausgefallen, weswegen er im Grunde schon von der ersten Szene an dem Film eher schadet als dass er ihm hilft. Doch ausgeglichen werden diese Ausfälle durch den herrlich stolz, aber gleichermaßen auch hilflos agierenden Philipp Sonntag („Die Sturmflut“), der dem heimlich entmachteten Firmenchef Eduard Bieger ein perfektes Gesicht verleiht. Auch Christiane Paul („Neues vom Wixxer“) als Escortdame weiß zu gefallen, allerdings weniger in ihrer Eigenschaft als weibliche Begleitung, als vielmehr durch ihre charmante Art. Aber letzten Endes ist und bleibt „Vorne ist verdammt weit weg“ ein Erwin Pelzig-Film, was aber keinesfalls ein Nachteil ist. Denn es sind die entwaffnende Ehrlichkeit und die simple Sichtweise auf die Dinge von Pelzig, die dem Film seinen Charme, Witz und Unterhaltungswert verleihen.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild macht einen zeitgemäßen Eindruck und kommt mit guten Durchschnittswerten auf den Schirm. Der deutsche Ton in Dolby Digital 5.1 ist durchweg gut zu verstehen und auch von den hinteren Lautsprechern wird immer wieder Gebrauch gemacht.
Als Extra gibt es zunächst ein Making Of zum Film, das ein wenig vom Dreh berichtet und einige Statements einzelner Künstler zu verschiedenen Themen bereithält. Das anschließende „Hinter den Kulissen“-Feature schließt nahtlos an das Making Of an und bietet weitere interessante Einblicke in den Drehalltag. Beim direkt im Anschluss folgenden „Nachschlag von Erwin Pelzig“ erzählt der Held des Alltags noch einmal aus seiner Sicht von den Dreharbeiten, was eine sehr gelungene Mischung aus Kabarett und netten Anekdoten darstellt. Unter anderem erzählt Pelzig hier, warum VW bessere Autos als Daimler herstellt und wie eine Schwächephase von Schalke 04 dazu führte, dass Peter Lohmeyer zu Bestleistungen angetrieben wurde. Abschließend gibt es noch Trailer und Teaser zum Film.
Fazit:
„Vorne ist verdammt weit weg“ ist ein gelungener Umstieg der Kabarettfigur Erwin Pelzig auf die große Leinwand. Die Geschichte ist zwar nicht ganz standfest und der ein oder andere Charakter stört mehr als dass er hilft, doch es ist der trockenen, naiven Art von Pelzig zu verdanken, dass der Film gut und kurzweilig zu unterhalten versteht.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,78:1
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92:32 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch für Hörgeschädigte |
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Bonusmaterial:
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- Making Of
- Hinter den Kulissen mit "Nachschlag" von Erwin Pelzig
- Trailer, Teaser und TV-Spots
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Vorne ist verdammt weit weg
Vorne ist verdammt weit weg
Erwin Pelzig und die große Welt der Psychologie der Märkte
Autor der Besprechung:
Michael Tomiak
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2007 Regie: Thomas Heinemann Drehbuch: Frank-Markus Barwasser , Thomas Heinemann Darsteller: Frank-Markus Barwasser, Philipp Sonntag, Christiane Paul, Franziska Schlattner, Martin Eschenbach, Peter Lohmeyer, Tobias Oertel, Michael König
Label :
X Edition
Verkaufsstart : 07.11.2008
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