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DVD-Besprechung - Your mommy kills animals

Story:
Dokumentarfilmer Curt Johnson fühlte sich durch den „Drudge Report“ des FBI, in dem Tierrechtler als größte terroristische Gefahr im Land bezeichnet wurden, ermutigt, sich in seiner nächsten Dokumentation damit zu beschäftigen. Im Gegensatz zu Tierschützern, die unter anderem versuchen Tierquälereien zu unterbinden, Tierversuche aber in einem notwendigen Maße als notwendiges Übel in Kauf zu nehmen, ist die Einstellung von Tierrechtlern hier deutlich radikaler. Und radikal sind teilweise auch ihre Mittel.

Meinung zum Film:
„Your Mommy kills Animals“ berichtet von dem Einsatz verschiedener Tierrechts-Organisationen und ihren unterschiedlichen Methoden. Unter anderem wird hier von der ALF (Animal Liberation Front) erzählt, die aufgeteilt auf eine unbekannte Anzahl von Zellen, ohne richtige Führung über radikale Aktionen versucht, denen materiell zu schaden, die Tierversuche dulden oder diese auf irgendeine, selbst wenn nur entfernte Weise unterstützen. Genau hier setzt unter anderem dann auch der Vergleich des FBI an, da terroristische Organisationen ähnlich strukturiert sind und auch ALF keinen Hehl daraus macht, dass sie über ihre Aktionen versuchen, ihren Ansichten Gehör zu verschaffen und ihre Forderungen durchzusetzen. Hierbei sind in Grundzügen tatsächlich terroristische Züge zu erkennen und auch die Tatsache, dass Rod Coronado, ein bekennender, radikaler ALF Aktivist, sich 2003 bei einem Vortrag an der American University filmen ließ, bei dem er vorführte, wie simpel, aber dennoch effektiv Brandbomben gebaut und hinterlegt werden können, war das natürlich Wasser auf den Mühlrädern des FBI. Dadurch ist die Einordnung der Gefahr von Tierrechtlern als Terroristen sicherlich noch nicht gerechtfertigt, aber zumindest verhindern solche Umstände, dass das ganze als totaler Humbug abgetan werden kann. Ein ganz großes Problem bei der Verfolgung von ALF ist, dass im Grunde jeder, der im Sinne der Tierrechtler handelt, sich nach Aktionen auch in deren Namen bekennen kann.

Eine weitere Organisation, die in der Dokumentation sehr viel Zeit eingeräumt bekommt, ist SHAC, die im Gegensatz zu ALF eine Struktur aufweist und somit durch die Behörden greifbar ist. Dies mussten auch 6 führende Mitglieder erkennen, als sie 2006 zu jeweils 1 Mio. US-Dollar Geldbuße und 3 – 6 Jahren Haft verurteilt wurden. Perfiderweise kommt mit Pam Ferdin, die 1978 als junges Mädchen eine Rolle im Slasher „The Toolbox Murders“ spielte, die Person ohne Strafe aus, die von allen wahrscheinlich die radikalsten Gedanken vertritt. Ferdin konnte nur deshalb nicht belangt werden, weil sie als damalige Präsidentin der Vereinigung immun im Sinne der Strafverfolgung war. Ihr Fanatismus wurde spätestens dadurch klar, dass sie entgegen dem ausdrücklichen Wunsch ihrer damaligen Mitstreiter und der Verteidigung das Gericht als Plattform nutzte, um ihre Meinung öffentlich zu vertreten. Es ist nicht klar, inwieweit sie durch ihre Aussage am endgültigen Urteil mitgeholfen hat, aber dass es garantiert nicht zur Entlastung der Angeklagten führte, ist sicher. Die Methoden von SHAC basieren vor allem auf psychischen Terror und Bloßstellung. Die Mitglieder stellen zwar immer heraus, dass man nicht gewalttätig sei, vergisst dabei aber offensichtlich den Umstand der seelischen Grausamkeit und des psychischen Terrors, die ohne jeden Zweifel Teil der Operationen sind. Bei den Verurteilten Kevin Kjonaas und Josh Harper, von denen die Dokumentation hinsichtlich SHAC die meiste Zeit über handelt, möchte man aber sofort an den Verzicht auf Gewalt glauben. Sie wirken wie idealistische Menschen, die erst mit dem Urteil zu erkennen scheinen, was sie tatsächlich angerichtet haben. Gerade bei der Person von Josh Harper baut sich sehr stark das Gefühl auf, dass er es vor allem genießt, im Rampenlicht zu stehen, seine Tierliebe zu zeigen und ein Untergrundheld zu sein. Allerdings erscheint er auch ein wenig naiv in seinen Aussagen, da man eigentlich nie so recht das Gefühl hat, dass er sich über die Auswirkung seiner Taten und Worten wirklich im Klaren ist. Es gibt keine Einsicht, dass das ein oder andere vielleicht doch überzogen war, es wird immer nur auf das Recht auf Redefreiheit verwiesen und dass es lächerlich ist, in eine Schublade mit Osama Bin Laden gesteckt zu werden. Während der Vergleich mit Terroristen sicherlich weit hergeholt ist, müssen die SHAC-Aktivisten sich aber einem Hauptpunkt des Urteils, des Aufrufs zu Übergriffen auf ihrer Webseite, zumindest stellen. Leider gibt es hierzu zu wenig von den staatlichen Seiten zu hören, weswegen es nicht möglich ist, sich ein eigenes endgültiges Urteil bilden zu können.

Es werden auch Probleme mit verschiedenen Tierrechtvereinigungen gezeigt. Vor allem PeTA kommt nicht gerade gut weg in der Betrachtung. Die wahrscheinlich prominenteste Tierschutz-Organisation, die vor allem durch ihre radikalen Spots in Erscheinung tritt, wird vor allem vorgeworfen, heuchlerisch zu Werke zu gehen, da sie selbst Tiere, die nicht vermittelt werden können, tötet. Und das, wo PeTa-Präsidentin Ingrid Newkirk gerne von der „totalen Tierbefreiung“ spricht. Natürlich ist der Tod in gewisser Weise auch eine Befreiung, wenn in deren Rahmen aber eine 6 Monate alte, kerngesunde Hunde-Welpe getötet wird, hinterlässt das aber mehr als nur einen faden Beigeschmack. Auch PeTA-Vizepräsidentin Mary Beth Sweetland kann nur mit einem Gegenangriff auf die Frage antworten, wie sie es als Diabetikerin mit ihrem Gewissen vereinbaren kann, dass sie durch Tierversuche gereiftes Insulin anwendet, um ihr eigenes Leben zu erhalten. Denn ohne die Tiere, die bei den Versuchen herhalten musste, wäre sie ziemlich sicher schon längst selbst gestorben. Der Titel „Your Mommy kills Animals“ ist keine Erfindung des Regisseurs, sondern der Titel eines Comics, der für Kinder von der PeTA herausgegeben wird. Neben dem gleich in der Einführung provokanten Statement, dass „...deine Mami unsere pelzigen Freunde killt...“ gibt es auch eine detaillierte Fotografie von einem gehäuteten Fuchs zu sehen. Bei einem Comic, das an 6-jährige herausgegeben wird wohlgemerkt.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist auf Grund des Einsatzes von zahlreichen Archivmaterials alles andere als durchgehend hochwertig, was für eine Dokumentation aber keinesfalls ein abwertendes Qualitätsmerkmal darstellt. Wo es möglich ist, wird gute Qualität geboten. Der englische Ton ist gut zu verstehen, wer möchte, kann deutsche Untertitel einblenden lassen.

Als Extra gibt es lediglich den Trailer zur Dokumentation.

Fazit:
„Your Mommy kills Animals“ bietet einen sehr guten Einstieg in die Thematik der Tierrechtler. Ob man das ganze als Terrorismus einstufen kann und möchte, ist letzten Endes nicht ganz zu klären, da dafür doch zu wenig Fakten geliefert werden. Grundtendenzen von Terrorismus sind zweifelsohne zu erkennen, inwiefern hier aber Grenzen überschritten werden, und vor allem durch wen, ist schwer zu sagen. Da teilweise sehr drastische Bilder, vor allem von Tierquälereien gezeigt werden, sollte die FSK 16-Einstufung durchaus als ernst angesehen werden. Denn auch wenn es die PeTA anders sehen mag, werden Kinder dadurch sicherlich ziemlich verschreckt werden.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,78:1
1,78:1
106:44 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Trailer
Your mommy kills animals - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Your Mommy Kills Animals
Your Mommy Kills Animals

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Tierrecht über Menschenrecht, oder die Frage, ob Tierrechtler Terroristen sind


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2007
Regie:
Curt Johnson
Drehbuch:
Curt Johnson
Darsteller:
David Martosko, Kevin Kjonaas, Josh Harper, Pam Ferdin, Peta Hellard, Colleen Myers, Patti Strand, Leo Grillo, Dana Harris, Ian Murray, Dr. Jerry Vlasak, Rob Coronado, Ron Arnold

Label Deutschland :
mindjazz pictures
Verkaufsstart Deutschland :
30.10.2008