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DVD-Besprechung - Liverpool Gangster

Story:
Mark Clayton (Neil Fitzmaurice), ein bis dahin völlig unbescholtener Bürger, gerät durch ein dummes Missgeschick eher zufällig hinter Gitter. Dort sitzt er jedoch mit schweren Jungs und muss eine harte Schule durchlaufen. Im Knast lernt er auch seinen neuen Kumpel Ozzi (Dominic Carter) kennen, den er unter seine Fittiche nimmt. Nach ihrer Entlassung stecken beide voller krimineller Energien und beschließen, sich selbstständig zu machen. Sie gründen ihre eigene kleine Bande und spezialisieren sich auf die Verteilung von Drogen sowie Erpressungsgeschäfte.

Meinung zum Film:
"Liverpool Gangster" kam etwa zur gleichen Zeit in die Kinos wie "Snatch - Schweine und Diamanten" von Guy Ritchie. Während dieser jedoch dem Gangsterfilm britischer Prägung neue Impulse gab und auch finanziell ein großer Erfolg war, verschwand "Liverpool Gangster" völlig in der Versenkung. Acht Jahre nach seiner Entstehung erlebt der Film nun seine Deutschlandpremiere als DVD-Veröffentlichung. Für Regisseur Jim Doyle ("Lost Dogs") war "Liverpool Gangster" ebenso sein Kinodebüt, wie für Drehbuchautor Neil Fitzmaurice ("Peep Show"), der auch die Hauptrolle übernahm, und im weiteren Verlauf seiner Karriere als Nebendarsteller in diversen britischen Fernsehserien agierte.

"Liverpool Gangster" ist ein völlig anderer Film als die Aufmachung der DVD glauben machen will. Im gesamten Film gibt es keinen einzigen Hooligan. Außerdem ist sowohl die Darstellung von Ozzi, als brutalem Psychopathen, als auch die Beschreibung der Gang, als Ansammlung skrupelloser Killer, vollkommen übertrieben. Es handelt sich bei der Gang von Mark Clayton lediglich um Kleinganoven, die von den Bossen der Liverpooler Unterwelt Welten trennen. Anders als bei Gangsterfilmen wie z.B. "The Business" wohnt man als Zuschauer auch keinem rasanten Aufstieg in den Olymp der Unterwelt mit nachfolgendem, umso bodenloserem Absturz bei. Vielmehr besetzt Claytons Gang eine Nische, die ihnen die Bosse überlassen, und drängt dafür eine ganz kleine Hausnummer aus dem Geschäft. Fortan spezialisieren sie sich auf die Verteilung von Partydrogen in Clubs, deren Türsteher sie kontrollieren. Die Clubs selbst gehören ihnen aber nicht. Das größte Problem von "Liverpool Gangster" ist aber nicht der vergleichsweise bodenständige Ansatz des Films, obwohl dieser auch nur bei einer ernsthaften Milieustudie, die hier aber nicht vorliegt, funktioniert hätte. Vielmehr erweckt der Film beim im Genre halbwegs erfahrenen Zuschauer den Eindruck, alle vorhandenen Storyelemente schonmal irgendwo gesehen zu haben und das auch noch deutlich besser.

Clayton stolpert durch den ungewollten Knockout eines Polizisten in den Knast. Sein vorheriges Leben ist völlig ausgeblendet, man erfährt eigentlich überhaupt nichts über ihn. In seiner Gefängniszeit, die große Teile des Films vereinnahmt, gibt es dann die üblichen Klischees, wie den väterlichen Mentor, das sprichwörtliche Durchboxen innerhalb der internen Hackordnung, den Psychopathen der alle terrorisiert und natürlich auch die Parteinahme des Helden für einen unbedarften Neuinsassen. Neben seiner banalen und abgedroschenen Story kann der Film in seiner unendlich uninspirierten Durchschnittlichkeit aber auch in keinem anderen Bereich wirkliche Akzente setzen. Auf Gewaltdarstellungen wird, ausgenommen eine Exekution gegen Ende, komplett verzichtet, der zurückhaltende schwarze Humor fällt vor allem durch schlechtes Timing und verpatzte Pointen auf, die Charaktere sind nicht nur unterentwickelt, sondern lassen auch die comichafte Überzeichnung vergleichbarer Produktionen vermissen, und auf Actioneinlagen wurde wohl aus Kostengründen einfach komplett verzichtet. Das rückblickend durch einen Erzähler dargestellte Geschehen wirkt außerdem ziemlich episodisch und läßt eine vernünftige Dramaturgie vermissen. Die sich aufschaukelnde Konfrontation von Ozzi mit dem Sohn eines lokalen Gangsterbosses wirkt außerdem ebenso gezwungen wie die Entfremdung zwischen seiner Person und Clayton.

Digitale Aufarbeitung:
Die Bildschärfe bewegt sich auf einem eher durchschnittlichen Niveau und auch die Kompression macht sich immer wieder durch leichte Unruhen bemerkbar. Außerdem wird das Bild wird von einem relativ starken Hintergrundrauschen begleitet. Die Farbgebung wirkt natürlich, hätte aber ruhig deutlich kräftiger ausfallen können. Die neue deutsche Synchronisation kann leider trotz guter Verständlichkeit nicht wirklich überzeugen. Die Sprecher sind nicht unbedingt immer passend besetzt, der gesamte Charakter der Synchronisation ist sehr künstlich ausgefallen und einige Nebensprecher wirken eher peinlich billig. Leider wird das Ausweichen auf die englische Originaltonspur dadurch erschwert, dass keinerlei Untertitel mitgeliefert werden, was gerade bei Passagen im Slang nicht immer ganz unproblematisch ist.

Auf der DVD befindet sich lediglich der englische Kinotrailer.

Fazit:
"Liverpool Gangster" ist ein bestenfalls durchschnittlicher englischer Gangsterfilm, der sich in keinem Bereich besonders auszeichnen kann. Alle Elemente von "Liverpool Gangster" hat man in anderen Genreproduktionen schonmal besser gesehen, der zahme schwarze Humor zündet nicht, auf Gewalt oder Sex wurde fast komplett verzichtet, und es mangelt gewaltig an Spannung und Abwechslung. Auch die technische Präsentation fällt nicht sonderlich überzeugend aus, die Bildqualität weist so manche Schwäche auf, Extras fehlen nahezu vollständig und die müde deutsche Synchronisation schlägt, auch aufgrund fehlender Untertitel für den Originalton, ebenfalls negativ zu Buche.


Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
2,35:1
2,35:1
83:29 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • Englischer Kinotrailer
Liverpool Gangster - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Liverpool Gangster
Going Off Big Time

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Ein ziemlich lahmer und innovationsloser, britischer Gangsterfilm ohne echte Schauwerte


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Großbritannien, 2000
Regie:
Jim Doyle
Drehbuch:
Neil Fitzmaurice
Darsteller:
Neil Fitzmaurice, Dominic Carter, Nicholas Lamont, Nicholas Moss, Vinnie Adams, Sarah Alexander

Label Deutschland :
Ascot Elite
Verkaufsstart Deutschland :
20.11.2008