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DVD-Besprechung - Charles Dickens' Große Erwartungen

Story:
Der kleine Pip wächst nach dem Tod seiner Eltern in armseligen Verhältnissen bei seiner kaltherzigen Schwester und ihrem Mann, dem Dorfschmied Joe Gargery, auf. Eines Tages lässt ihn die exzentrische alte Miss Havisham auf ihr herrschaftliches Anwesen kommen, wo sie ihn als Spielkameraden für ihre ebenso schöne wie stolze Ziehtochter Estella engagiert. Pip wächst heran und kommt dank eines anonymen Gönners überraschend zu Geld, wodurch er ein scheinbar sorgloses Leben in London führen kann - doch hat alles immer zwei Seiten.

Meinung zum Film:
Philip Pirrip, den jeder nur Pip (Martin Harvey) nennt, ist ein Waisenjunge, der bei seiner erwachsenen Schwester (Rosemary McHale) und ihrem Mann, dem Schmied Joe Gargery (John Rhys-Davies, "Sliders"), aufwächst. Während seine Schwester ein richtiges Ekelpaket ist und ihn immer wieder für ihr verhunztes Leben verantwortlich macht, hat er in dem gutmütigen, bärigen Joe den besten Freund seiner Kindheit. Eines Tages begegnet Pip auf dem Friedhof einem entflohenen Sträfling (Anthony Hopkins) - ein Treffen, das nicht ohne Folgen bleiben wird. Doch Pip ahnt davon noch nichts, denn der Junge ist bald schon mit ganz anderen Dingen beschäftigt: Er wird von der betagten, aber auch gut betuchten Miss Havisham (Jean Simmons, "Spartacus") eingeladen, ihr und ihrer Plegetochter Estella (Kim Thomson) regelmäßig Gesellschaft zu leisten. Miss Havisham ist eine kauzige Oma, die in einem vor sich hinmodernden Herrenhaus lebt und den ganzen Tag nichts Besseres zu tun hat, als in ihrem Hochzeitskleid in einem Sessel zu lungern. Sie wurde vor Jahren von ihrem Bräutigam bei der Hochzeit sitzen gelassen, woraufhin für sie quasi die Zeit stehen blieb. Selbst die mit Spinnweben überzogene Hochzeitstorte findet sich noch in ihrem Zimmer. Keine sehr heimelige Atmosphäre - doch Pip fühlt sich magisch zu Estella hingezogen. Diese hält ihn zwar - da ihr Miss Havisham seit frühester Kindheit Hartherzigkeit eingetrichtert hat - für einen Taugenichts aus der Arbeiterklasse und schenkt Pip keinerlei wirkliche Beachtung, der stört sich aber nicht daran.

So vergehen die Jahre und Pip (Anthony Calf) beginnt eine Lehre als Schmied bei Joe. Eines Tages kommt es jedoch zu einer unerwarteten Wendung in Pips Leben: Der Rechtsanwalt Jaggers (Ray McAnally) verkündet Pip, dass ihm ein anonymer Gönner ein kleines Vermögen zukommen lassen will, indem er ihn zu seinem Erben macht und für seine Erziehung aufkommt, die in London stattfinden soll. Als Bedingung gilt jedoch, dass niemals danach geforscht werden darf, um wen es sich bei dem großzügigen Wohltäter handelt. Da Pip Jaggers einige Jahre zuvor bereits zufällig im Haus von Miss Havisham getroffen hat, geht er aber sofort davon aus, dass die alte Dame hinter der Sache steckt. Natürlich, das muss es sein! Sie will, dass er ein feiner Herr wird, damit er später einmal Estella heiraten kann. Zwar wird er seinen guten Freund Joe vermissen - doch da er sich mittlerweile seiner "niederen" Herkunft schämt, ist es für ihn keine schwere Entscheidung, in die Großstadt zu ziehen. Dort führt er fortan ein snobbisches Gentleman-Dasein unter der Schirmherrschaft von Jaggers. Schon bald muss er aber feststellen, dass nicht alles Gold ist, was glänzt - unter anderem, da Estella, die er kurz trifft, den erstbesten Taugenichts heiratet. Sollen das etwa die Pläne von Miss Havisham gewesen sein?

Dickens' Roman "Große Erwartungen", der neben "Oliver Twist", "David Copperfield" und dem "Weihnachtslied" zu den bekanntesten Werken des Schriftstellers zählt, wurde bereits des Öfteren verfilmt. In den 1940ern gab es eine Version von Regisseur David Lean ("Doktor Schiwago", "Lawrence von Arabien") mit John Mills ("Hamlet") in der Hauptrolle, die zwei Oscars gewann. 1998 versuchte sich Alfonso Cuarón ("Children of Men") an einer Umsetzung des Werks und versetzte zusammen mit Drehbuchautor Mitch Glazer ("Die Geister, die ich rief...") Pip und Estella, die hier von Ethan Hawke und Gwyneth Paltrow gespielt wurden, in die moderne Gegenwart. Die vorliegende Version, die unter anderem von Disney Television produziert wurde, gehört mit einer Laufzeit von insgesamt rund fünf Stunden zu den längsten und originalgetreuesten Adaptionen der Buchvorlage. Die Atmosphäre ist stimmig und die Darsteller leisten überzeugende Arbeit, weshalb die Miniserie jedem empfohlen werden kann, der sich für den Stoff interessiert. Einen Kritikpunkt gibt es aber dennoch: Die Schauspieler sind teilweise deutlich zu alt. Gerade Pips Schwester wirkt etwas zu übertrieben in die Jahre gekommen. Im Roman ist sie zwar ebenfalls bereits erwachsen, doch die zum Zeitpunkt des Drehs 44-jährige Rosemary McHale könnte hier fast schon als Pips Oma durchgehen, was für eine "ältere Schwester", selbst eine bedeutend ältere, dann doch etwas zu viel des Guten ist. Ebenfalls nicht wirklich glücklich ist die Tatsache, dass Estella, die eigentlich nur geringfügig älter als Pip sein soll, im Film bereits zu Beginn von Kim Thomson gespielt wird. Die damals 28-Jährige mag als erwachsene Estella eine halbwegs überzeugende Figur abgeben, als 11- oder 12-Jährige, die sie anfangs darstellt, wirkt sie aber nur wenig glaubhaft.

Digitale Aufarbeitung:
Kinowelt veröffentlicht die sechsteilige Miniserie aus dem Jahr 1989 auf drei DVDs. Das Bild, für das ein deutscher Transfer verwendet wurde, ist stark rauschig und hat immer wieder mit Dropouts und weißen Blitzern zu kämpfen. Zudem wirkt es etwas dunkel und ungleichmäßig ausgeleuchtet. Auch die Schärfe könnte besser sein, dafür wirken die Farben aber die meiste Zeit über angenehm natürlich. Der Ton liegt auf Deutsch und Englisch in Doppel-Mono vor und bietet jederzeit klar verständliche Dialoge. Die englische Originalfassung klingt allerdings etwas frischer als die deutsche Synchronisation.

Bonusmaterial ist leider nur in Form einer unspektakulären Bildergalerie vorhanden.

Fazit:
Die sechsteilige Miniserie "Große Erwartungen" bietet eine gelungene filmische Umsetzung von Charles Dickens Romanvorlage. Die Atmosphäre des Buchs kommt stimmig zur Geltung und auch die Darsteller wissen durchwegs zu überzeugen, auch wenn sie teils deutlich zu alt für ihre Rollen wirken. Die deutsche DVD-Veröffentlichung von Kinowelt bietet technisch leider nur mittelmäßiges Niveau und keinerlei nennenswertes Bonusmaterial.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,33:1
1,33:1
6 Folgen à ca. 52 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • Bildergalerie
Charles Dickens' Große Erwartungen - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Große Erwartungen
Great Expectations

Bild unseres Mitarbeiters Jano Rohleder
Stimmige Umsetzung des Dickens-Klassikers


Autor der Besprechung:
Jano Rohleder

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA / Großbritannien, 1989
Regie:
Kevin Connor
Drehbuch:
John Goldsmith
Darsteller:
Anthony Calf, Jean Simmons, John Rhys-Davies, Anthony Hopkins, Kim Thomson

Label Deutschland :
Kinowelt Home Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
05.12.2008