 |
DVD-Besprechung - Paranoid Park
Story:
Zum Eastside Skateboard Park unter einer der Brücken in Portland, Oregon, geht man besser nicht allein. Hier skaten nur die ganz harten Kids. Die illegale Skater-Anlage ist eine autonome Zone, in der Erwachsene nichts zu suchen haben. Hier ist der "Paranoid Park".
Meinung zum Film:
Alex (Gabe Nevins) hat die gleichen Probleme wie die meisten amerikanischen Jugendlichen: Die Eltern sind gerade im Begriff, sich scheiden zu lassen, in der Schule läuft es so lala und seine "Freundin" Jennifer (Taylor Momsen), die wie eine Klette an ihm hängt und die er eigentlich gar nicht wirklich mag, geht ihm auf die Nerven. Doch zumindest fürs Skaten interessiert sich Alex. Er skatet zwar nicht gut, aber gern, und ist deshalb sofort mit dabei, als ihm sein Kumpel Jared (Jake Miller) vorschlägt, den "Paranoid Park" aufzusuchen - eine illegal errichtete Skate-Anlage. Ihm gefällt die Atmosphäre dort so gut, dass er am Wochenende (trotz der diesmaligen kurzfristigen Absage von Jared) gleich wieder hinfährt. Eine Zeit lang sitzt er einfach nur rum, dann spricht ihn ein anderer Skater an und schlägt ihm vor, auf einem der Güterzüge zu surfen. Da Alex das immer schon mal machen wollte, willigt er direkt ein. Nur dumm, dass die beiden bei ihrer nächtlichen Zugfahrt von einem Nachtwächter erwischt werden und es zu einem tragischen Unfall kommt ...
"Paranoid Park" ist einer dieser typischen Festival-Kunstfilme: unspannend, unspektakulär, unabgeschlossen. Ja, vielleicht ist er ein Stück weit realistisch, aber will oder muss man ihn deshalb unbedingt sehen? Nein, wirklich nicht. Der Film bietet durch seine verworrene Schilderung aus der Sicht des Jugendlichen (der die Erlebnisse innerhalb eines Briefs verarbeitet und die Szenen dabei so aneinander reiht, wie sie ihm gerade ins Gedächtnis kommen) sicherlich einige interessante Ansatzpunkte für Interpretationsübungen im Deutsch- oder Sozialkundeunterricht (wobei dort vermutlich der dem Film zugrunde liegende Roman von Blake Nelson sinnvoller sein dürfte). Alle Zuschauer, die einen fiktiven Film in erster Linie aus Unterhaltungsgründen anschauen - und das sind vermutlich die meisten - dürfen von "Paranoid Park" aber getrost die Finger lassen. Der Streifen mag gut inszeniert sein, eine interessante Optik und passende Musikuntermalung bieten und vielleicht auch das Alltagsleben einer lethargischen Skater-Jugend im Ansatz realistisch (?) wiedergeben, ist allerdings letztlich einfach nur stinklangweilig.
Die einzige Szene, die dem Zuschauer in Erinnerung bleibt, ist die, in der detailliert in Großaufnahme der wenig appetitliche Anblick des zweigeteilten Sicherheitsdienst-Mitarbeiters gezeigt wird, dessen obere Hälfte in seinen letzten Sekunden voller Schrecken und Anklage noch ein paar Meter auf den jugendlichen Missetäter zukrabbelt. Ja, eigentlich eine wichtige Szene - die theoretisch auch den Dreh- und Angelpunkt der Handlung darstellen sollte. Tut sie aber nicht, da sich Regisseur Gus Van Sant lieber in seiner Pseudo-Alltagsdarstellung verliert und dabei die Auswirkungen dieses schrecklichen Ereignisses nahezu völlig unter den Tisch kehrt. Vielleicht liegt es auch an den eingeschränkten schauspielerischen Fähigkeiten der über "MySpace" zusammengecasteten Hauptdarsteller, aber Alex scheint der von ihm verursachte Unfall nur im Ansatz zu interessieren. Die innere Zerissenheit und der damit verbundene Gewissenskonflikt werden zwar in minimalen Zügen angedeutet, man hat allerdings nie wirklich den Eindruck, dass sich Alex großartig anders fühlen oder verhalten würde, wenn es den Unfall nie gegeben hätte. Schlecht gespielt/inszeniert oder vielleicht Absicht, um die triste Gleichgültigkeit der Jugend noch deutlicher zu zeigen? Man weiß es als Zuschauer nicht genau. Und eigentlich ist es einem auch egal, da man die DVD - bis man sich diese Frage überhaupt stellt - sowieso vermutlich schon längst gähnend aus dem Player genommen hat ...
Digitale Aufarbeitung:
Die getestete DVD aus der Schweiz zeigt den Film in ziemlich guter technischer Qualität. Das Bild ist sehr klar, rauscharm und bietet natürliche Farben. Über weite Strecken ist es auch relativ scharf, allerdings macht sich die Kompression gelegentlich bemerkbar und hin und wieder tauchen weiße Blitzer auf. Der Ton liegt auf Deutsch, Englisch und Französisch in Dolby Digital 5.1 vor. Außerdem gibt es Italienisch in Stereo und noch eine zusätzliche englische Stereo-Fassung. Der Raumklang beschränkt sich, bedingt durch die Thematik des Films, die meiste Zeit über auf die Hintergrundmusik.
Als Bonusmaterial gibt es in der Schweiz den Trailer zum Film und ein nicht deutsch untertiteltes französisches "Vorwort" mit einer Laufzeit von dreieinhalb Minuten. Außerdem wird dem Zuschauer eine knapp 25-minütige, ebenfalls nicht untertitelte französische Doku über die Filme von Gus Van Sant vorgesetzt. Nochmals 26 Minuten belegt das Making Of zu "Paranoid Park", dem dann sogar auch deutsche Untertitel spendiert wurden - und das bezeichnenderweise interessanter ausgefallen ist als der gesamte Film.
Fazit:
"Paranoid Park" ist trotz einer eigentlich interessanten Grundidee ein furchtbar langweiliger Film geworden, der sich in seiner Darstellung der lethargischen Jugendwelt verliert. Dadurch tritt das eigentliche Thema - die innere Zerrissenheit der Hauptfigur, die den tödlichen Unfall verursacht hat - völlig in den Hintergrund und kommt nahezu gar nicht zum Vorschein. So eignet sich die DVD - trotz der sehr guten technischen Qualität - kaum fürs Heimkino und höchstens für Interpretationsübungen in der Schule, wobei man für diese vermutlich lieber auf die Romanvorlage von Blake Nelson zurückgreifen sollte ...
Technische Daten (Schweizer Version):
|
FSK-Freigabe:
|
Bildformat:
|
Laufzeit:
|
|
|
1,85:1
|
80:59 Minuten
|
|
Sprachen / Tonformate:
|
Deutsch Dolby Digital 5.1 | Englisch Dolby Digital 5.1 | Englisch Dolby Digital 2.0 |
Französisch Dolby Digital 5.1 | Italienisch Dolby Digital 2.0 |
|
Untertitel:
|
|
Deutsch, Französisch |
|
Bonusmaterial:
|
- Trailer
- Vorwort (auf Französisch)
- Making Of
- Dokumentation (auf Französisch)
|
|  |
Paranoid Park
Paranoid Park
Furchtbar langweilige "Generationsstudie"
Autor der Besprechung:
Jano Rohleder
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Frankreich / USA, 2007 Regie: Gus Van Sant Drehbuch: Gus Van Sant Darsteller: Gabe Nevins, Daniel Liu, Taylor Momsen, Jake Miller, Lauren McKinney
Label :
Kein Verleih bekannt Verkaufsstart : Noch kein Termin bekannt
|