 |
DVD-Besprechung - Der Chevalier von Maison Rouge
Story:
Die Französische Revolution befindet sich im Jahr 1793 in einer schwierigen Phase. Durch die Hinrichtung von Ludwig XVI. hat sich Frankreich international isoliert und fürchtet um die Sicherheit seiner Grenzen. Währenddessen prägen im Inneren Verrat und Denunziation das Tagesgeschäft. Eine Gruppe royalistischer Verschwörer um den geheimnisvollen Chevalier von Maison Rouge (Jean Desailly) hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Königin Marie-Antoinette (Annie Ducaux) aus dem Gefängnis der Revolutionäre zu befreien. Durch eine zufällige, aber umso schicksalhaftere, nächtliche Begegnung mit einer geheimnisvollen Dame (Anne Doat), gerät ausgerechnet der Revolutionsheld Maurice Lindot (Michael Le Royer) unwissend in den Dunstkreis dieser Verschwörer.
Meinung zum Film:
"Der Chevalier von Maison Rouge" basiert auf dem gleichnamigen Roman des französischen Erfolgsautoren Alexandre Dumas père aus dem Jahr 1846, der durch Klassiker des Historienromans wie "Der Graf von Monte Christo" oder "Die drei Musketiere" zu Weltruhm gelangte. Die Regie bei dieser vierteiligen, französisch-italienischen Koproduktion für das Fernsehen übernahm Claude Barma, der zusammen mit Jacques Armand auch das Drehbuch schrieb. Beide hatten bereits bei "Belphégor oder Das Geheimnis des Louvre" erfolgreich zusammengearbeitet. Diese Miniserie umfasst insgesamt vier Episoden, die gleichmäßig auf zwei DVDs verteilt wurden. Während die ersten drei Folgen eine Laufzeit von etwa 70 Minuten aufweisen, ist die abschließende Episode mit rund 94 Minuten etwas länger ausgefallen.
Auch wenn sich die Werbung für diese Veröffentlichung an "Belphégor" anlehnt, da auch hier ein "Phantom" als wesentliches Element aufgeführt wird, handelt es sich bei "Der Chevalier von Maison Rouge" im Grunde weder um einen Mystery-Krimi noch, wie man schon eher erwarten könnte, um einen historischen Abenteuerfilm. Die Miniserie lehnt sich nämlich nur recht frei an die Historie an und schert sich weder großartig um den Verlauf der Französischen Revolution noch um außenpolitische Verwicklungen. Wer hier allerdings Mantel- und Degenduelle oder Verfolgungsjagden zu Pferde erwartet, ist hier ebenfalls völlig an der falschen Adresse. Die Actioneinlagen des Films dürften insgesamt keine 15 Minuten umfassen und sind nicht der Rede wert, auch wenn die Ausstattung und die Kostüme dieses Schwarz-Weiß-Films durchaus authentisch wirken und zu gefallen wissen. Eigentlich konzentriert sich diese Verfilmung vielmehr auf eine klassische Liebesgeschichte mit den üblichen Bestandteilen wie Eifersucht, Zurückweisung und Rache. Dieser romantische Inhalt wird allerdings im Grunde gedoppelt. Einerseits geht es hier um die Liebe des Chevalier zu seiner eingekerkerten Königin und andererseits um die Liebe des Revolutionshelden Maurice Lindot zu einer Verschwörerin, die von ihrem Ehemann dazu benutzt wird, Lindot unwissend vor den Karren ihrer Verschwörung zu spannen.
Später entwickelt sich daraus jedoch tatsächlich eine amoröse Verbindung, weshalb es den Ehemann Raoul Dixmer (François Chaumette) nach Rache dürstet, obwohl er seine Frau ja erst durch das eigene Komplott in diese Affäre getrieben hat. Natürlich dürfen auch einige Ränkespiele nicht fehlen, weshalb Lindot immer wieder in das Visier seiner revolutionären Mitstreiter gerät und sich diverser Intrigen erwehren muss. Letztendlich nehmen sich Umfang und Tiefe der Handlung trotz einer Laufzeit von über fünf Stunden jedoch sehr bescheiden aus. Es wäre wohl problemlos möglich gewesen, ohne den Verlust zentraler Inhalte zu riskieren, die Laufzeit auf normale Spielfilmlänge zu verdichten. Und hier liegt auch ein großes Problem dieses Titels, der nicht nur im Hinblick auf die Dialoge, sondern eben auch in Bezug auf das sehr geruhsame Erzähltempo ziemlich altmodisch, um nicht zu sagen antiquiert, daherkommt. Das äußert sich auch in den amourösen Verwicklungen, die mit viel Kitsch durchtränkt sind und den Eindruck erwecken, sie könnten auch bereits rund zwanzig Jahre früher in der Traumfabrik entstanden sein. Dagegen passt der tragische Abschluss der Serie so gar nicht ins Bild und dürfte viele zartbesaitete Gefühlsmenschen unter Umständen gehörig vor den Kopf stoßen.
Digitale Aufarbeitung:
Das Schwarz-Weiß-Bild präsentiert sich für eine 45-jährige Produktion durchaus ansprechend. Auch wenn diverse leichte Verschmutzungen vorliegen und das Bild teilweise etwas schwammig wirkt, bietet die DVD unter Berücksichtigung des Alters durchaus noch eine gute Schärfe. Beschädigungen der Vorlage sind nur selten auszumachen, der Kontrast wirkt recht ausgewogen und das Bildrauschen bewegt sich in vertretbaren Grenzen. Die deutsche Tonspur bietet einen erstaunlich sauberen Klang und trumpft mit einer sehr guten Verständlichkeit auf. Die französische Tonspur wirkt weniger kräftig, hat mit dem scharfen S leichte Probleme und klingt etwas blecherner, bietet aber insgesamt aber noch eine gute Qualität. Leider gibt es aber keine Untertitel, was den Nutzen dieser zweiten Tonspur deutlich einschränkt.
Die Edition wird in einem ansprechenden Schuber ausgeliefert. Ansonsten gibt es leider keinerlei Bonusmaterial.
Fazit:
"Der Chevalier von Maison Rouge" wirkt für heutige Verhältnisse relativ antiquiert und zieht eine eher überschaubare Handlung beinahe endlos in die Länge. Freunde des historischen Abenteuerfilms sollten sich anderweitig umschauen, da bei der vorliegenden Produktion eher amouröse Verwicklungen im Vordergrund stehen, die aber ziemlich seicht und altmodisch präsentiert werden. Wer jedoch nostalgische Gefühle für diese Serie hegt, kann angesichts der ordentlichen technischen Umsetzung beruhigt zugreifen.
Technische Daten:
|
FSK-Freigabe:
|
Bildformat:
|
Laufzeit:
|
|
|
1,33:1
|
304:06 Minuten
|
|
Sprachen / Tonformate:
|
Deutsch Dolby Digital 2.0 | Französisch Dolby Digital 2.0 |
|
Untertitel:
|
|
Keine Untertitel vorhanden. |
|
Bonusmaterial:
|
|
|
|  |
Der Chevalier von Maison Rouge
Le Chevalier de Maison Rouge
Eine altmodische Liebesgeschichte vor dem Hintergrund der französischen Revolution
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Frankreich / Italien, 1963 Regie: Claude Barma Drehbuch: Jacques Armand, Claude Barma (basierend auf einem Roman von Alexandre Dumas père) Darsteller: Annie Ducaux, Jean Desailly, François Chaumette, Dominique Paturel, Anne Doat, Michael Le Royer, Georges Géret
Label :
e-m-s
Verkaufsstart : 04.12.2008
|