 |
DVD-Besprechung - Türkisch für Anfänger - Staffel 3
Story:
Nach dem Abi beginnt für Lena, Cem, Yagmur und Costa das Leben nach dem Teenie-Stress. Doch Doris und Metin liegen falsch, wenn sie glauben, dass ihre Kinder jetzt automatisch den Weg ins Glück finden. Lena lässt sich von Doris bequatschen und beginnt ein Maschinenbaustudium, was saftig in die Hose geht. Aber hat Lena überhaupt eine eigene Vision von ihrer Zukunft? Und was bedeutet es, zur Generation Praktikum zu gehören? Kann Freundin Kathi helfen, die endlich aus Amerika zurück ist? Und gibt es eine neue Chance für Lena und Cem?
Meinung zum Film:
Eigentlich sollte man sich freuen. Schließlich passiert es nicht oft, dass sich ein großer Fernsehsender trotz nicht allzu guter Quoten überzeugen lässt, eine Serie fortzusetzen. Die treue Fanbase sowie die Begeisterung der Kritiker machten es möglich - und so ging "Türkisch für Anfänger" in diesem Jahr in eine dritte Runde. Doch leider muss man nach Sichtung der Folgen - selbst als Fan - zugeben, dass das nicht wirklich notwendig gewesen wäre. Im auf den vorliegenden DVDs enthaltenen Making Of sprechen die Darsteller zwar davon, bei dieser Staffel "noch eins draufgelegt" zu haben, die Realität sieht aber leider für den mehr oder weniger objektiven Betrachter anders aus.
Doch der Reihe nach ... was ist bei den Schneider-Öztürks passiert? Zwei Jahre sind vergangen und Lena (Josefine Preuß) und Cem (Elyas M'Barek) haben die Schule abgeschlossen - Lena mit Abitur, bei Cem hingegen sieht es eher magerer aus. Während Letzterer in der folgenden Zeit so tut, als ob er nach wie vor in die Schule ginge und das Abijahr wiederholen würde, hat auch "Gurke" Lena so einige Probleme: Das von der Mutter für sie organisierte Maschinenbaustudium läuft überhaupt nicht und so landet sie bald wieder daheim, vorgeblich aufgrund von "Semesterferien". Natürlich fallen die Schwindeleien bald auf, zum Entsetzen von Doris (Anna Stieblich) und Metin (Adnan Maral), die wenig begeistert davon sind, dass ihre Kinder "versagt" haben. Cem hält sich in der Folgezeit mit Gelegenheitsjob und Kleingaunereien über Wasser, während Lena eine Karriere im Journalismus anstrebt und zusammen mit ihrer aus Amerika zurückgekehrten Freundin Kathi (Christina do Rego) um ein Volontariat beim In-Magazin "InBeTwen" kämpft. Costa (Arnel Taci) ist mittlerweile aus Griechenland zurückgekehrt, wo er sein Abitur gemacht hat, und versucht sich nun als Kneipenbetreiber. Auch bei Yagmur (Pegah Ferydoni) möchte er Fortschritte machen, ist aber abgeschreckt von der Tatsache, dass diese baldmöglichst heiraten und ein türkisches Heimchen am Herd werden will. Die Zusammenfassung hört sich erst mal ganz interessant an, doch leider sieht die Realität nüchterner aus. Die dritte Staffel der einstmals so cleveren und extrem witzig inszenierten Serie plätschert ohne wirkliche Highlights vor sich hin und tritt storymäßig auf der Stelle. Alles dreht sich nur noch um die Beziehung von Lena und Cem und die immer schon unterschwellig vorhandene Frage, ob sich die beiden nun kriegen oder nicht. Sämtliche möglicherweise beim Zuschauer aufkommenden Fragen (Was ist mit Lenas Freund Axel und Cems Freundin Ulla passiert?) scheint man durch den "Zeitsprung" gar nicht erst für nötig zu halten, beantwortet zu werden. Insgesamt hat es sogar den Anschein, als ob man ihn extra aus dem Zweck eingebaut hätte, dass man somit lästigen Logikfragen mehr oder weniger aus dem Weg gehen konnte. Denn den "größten Unterschied" zu den alten Folgen - wie ihn Josefine Preuß im Making Of betitelt - stellt der Zeitsprung sicher nicht da.
Im Prinzip verhalten sich alle Figuren genauso reif oder unreif wie in den früheren Staffeln, nur dass man sie nun nicht mehr im Rahmen der Schule, sondern der Arbeitswelt zeigt. Insgesamt gibt es in den neuen Folgen viele gute Ansätze, doch leider wird aus keinem etwas gemacht. Da helfen auch die Gastauftritte von u.a. Ulrike Folkerts, Wigald Boning und Rainer Hunold nicht. Platte, langweilige Story bleibt nun mal platte, langweilige Story. Dass man Lena und Cem in den Vordergrund rückt, wäre gar nicht mal so schlimm gewesen, wenn man dafür nicht den Rest vernachlässigt hätte. Der übrige Maincast wird zu Nebenfiguren degradiert und die Storyline bewegt sich leider die meiste Zeit über auf annäherdem Soap-Niveau. Doris' Schwester Diana (Katharina Kaali) taucht zwar öfters auf, aber immer nur für ein paar Sekunden und ohne tieferen Sinn. Ebenso unnötig zeigt sich die für einige Folgen auftauchende türkische Oma der Öztürks. Dass die furchtbar nervige Kathi in den alten Folgen, als sie die unsichtbare Empfängerin von Lenas Videobotschaften war, immer deutlich anders charakterisiert wurde, scheint wohl auch niemanden zu stören. Am schlimmsten trifft es jedoch Opa Hermi (Carl Heinz Choynski), dessen kurze, sarkastische Hintergrundauftritte zu den Highlights der früheren Folgen zählten. In der neuen Staffel hat man sich dafür entschieden, ihn vorübergehend in ein Seniorenheim abzuschieben (extrem kreativ ...) und sich von ihm in einer an Kitsch kaum noch zu übertreffenden, an den Abtritt von Else Kling aus der "Lindenstraße" erinnernden Szene zu verabschieden (noch kreativer ...). So toll die Serie früher auch war - nach Staffel drei ist man, selbst als Fan, wirklich froh, dass die ARD keine weiteren Folgen drehen möchte.
Digitale Aufarbeitung:
Die DVDs bewegen sich wie immer auf einem technisch hohen Niveau. Das anamorphe Bild im Format 1,78:1 ist scharf und klar, weder Rauschen noch Kompressionsprobleme machen sich bemerkbar. Allerdings hat die dritte Staffel mit extrem unnatürlichen Farben zu kämpfen. Schon die zweite Staffel wies einen Gelbstich auf, doch so übertrieben wie hier war es damals noch nicht. Die Folgen wirken fast so, als hätte jemand vergessen, den Weißabgleich der Kamera korrekt einzustellen. Insbesondere bei Innenaufnahmen ist alles in unangenehm aufdringlichen gelb-orangefarbenen Tönen gehalten. Dabei handelt es sich aber nicht um ein explizites Problem der DVDs - auch im Fernsehen bekam man bereits diese Farbgebung zu sehen. Der Ton liegt in Stereo vor und bietet jederzeit klar verständliche Dialoge.
Als Bonusmaterial gibt es Audiokommentare zu drei Folgen, ein interessantes Making Of (rund 20 Minuten) und etwa 25 Minuten an Outtakes. Etwas schade ist, dass von den Outtakes einige schon (z.T. doppelt) ins Making Of geschnitten wurden. Zusätzlich enthält die Box noch "Behind the Scenes"-Material, wobei es sich allerdings um kein echtes handelt, sondern vielmehr um die 20 kurzen Fake-Clips, die als Online-Promo unter dem Titel "TfA - The Real World" bei YouTube & Co. die Runde machten. In den Clips spielen die Darsteller selbstironisch mit den Klischees, die man gerne mal von Schauspielern hat (Arnel "uriniert" ans Set, Elyas "kokst" sich zu etc.). Das Ergebnis ist mal mehr, mal weniger lustig ausgefallen, insgesamt aber doch ganz unterhaltsam und ein Großteil der Clips liegt sogar mit Audiokommentar vor.
Fazit:
"Türkisch für Anfänger" ist leider in der dritten Staffel weit von dem entfernt, was früher den Unterhaltungsgehalt der Serie ausmachte. Im Zuge der Fokussierung auf Cem und Lena hat man leider die anderen Figuren aus den Augen verloren und die Story in übertrieben seichte Soap-Gefilde getrieben, wodurch sich das Ganze leider immer wieder im Kreise dreht und keine wirklichen Highlights zu bieten hat. Schade, dass aus der einst so spritzig-frischen Serie solch relativ lahmer Durchschnitt geworden ist. Die DVDs bieten wie immer tolle Qualität (den furchtbaren Orange-Gelbstich des Bildes, der schon im Fernsehen zu sehen war, mal ausgenommen) und einiges an interessantem Bonusmaterial.
Technische Daten:
|
FSK-Freigabe:
|
Bildformat:
|
Laufzeit:
|
|
|
1,78:1
|
16 Folgen à ca. 25 Minuten
|
|
Sprachen / Tonformate:
|
Deutsch Dolby Digital 2.0 |
|
Untertitel:
|
|
Keine Untertitel vorhanden. |
|
Bonusmaterial:
|
- Outtakes
- Making Of
- Behind the Scenes (Online-Promo "The Real World)
- Audiokommentare zu den Folgen 43, 49 und 52
|
|  |
Türkisch für Anfänger - Staffel 3
Türkisch für Anfänger - Staffel 3
Schwache Fortsetzung der einst genialen Serie
Autor der Besprechung:
Jano Rohleder
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2008 Regie: Edzard Onneken, Oliver Schmitz Drehbuch: Bora Dagtekin u.a. Darsteller: Josefine Preuß, Elyas M'Barek, Adnan Maral, Anna Stieblich, Pegah Ferydoni, Arnel Taci, Christina do Rego
Label :
Universum Film
Verkaufsstart : 15.12.2008
|