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DVD-Besprechung - Der Seewolf

Story:
Humphrey van Weyden (Florian Stetter) ist vom Pech verfolgt. Erst sinkt die Fähre nach Sacramento, auf der er sich befindet. Dann wird er ausgerechnet von der Besatzung der Ghost gerettet, deren Kapitän Wolf Larsen (Thomas Kretschmann) den jungen Literaturkritiker nicht einfach wieder nach San Francisco bringt, sondern ihn zwangsverpflichtet mit auf die Robbenjagd zu gehen. Zu allem Überfluss ist die Ghost auch noch ein Schiff, dessen Besatzung nicht gerade zur Creme der Gesellschaft gehört. Und so muss sich van Weyden mit einer Situation arrangieren, die ihm leicht das Leben kosten könnte…

Meinung zum Film:
„Der Seewolf“ ohne Raimund Harmstorf („Klinik unter Palmen“), ja geht denn das überhaupt? Die Frage scheint durchaus berechtigt zu sein, obwohl der damals vierteilige Straßenfeger des ZDF schon etliche Jahre auf dem Buckel hat und noch nicht einmal die erste Verfilmung des Stoffes von Jack London war. Harmstorf hatte damals eine eindringliche und kraftvolle Darstellung von Wolf Larsen eingebracht, die dank der berühmten „Kartoffelszene“ wohl sehr Vielen im Gedächtnis geblieben ist. Aber es gibt immer wieder neue Verfilmungen von „Monte Christo“ und so ist es nur folgerichtig, dass eine neue Generation auch einen neuen Seewolf bekommt. Oder doch eher zwei, denn das ZDF schickte den Seewolf ebenfalls auf die Weltmeere und versuchte sogar dem hier vorliegenden Film den Titel per Gericht abspenstig zu machen. Vielleicht ahnte man schon, dass die Kritiker mit dem eigenen Machwerk weniger gnädig ins Gericht gehen würden als mit dem von Pro Sieben koproduzierten Kretschmann-Film.

Interessanterweise kann man Pro Sieben hier nur voll des Lobes entgegen werfen: Mission accomplished. Man hat es nicht nur geschafft, den Harmstorf-Seewolf zu übertreffen, man lässt ihn geradezu in der Vergessenheit versinken. Viele verschiedene Kleinigkeiten ergeben ein künstlerisches Ganzes, das man dem Privatsender gar nicht zugetraut hätte. Es stimmt im Prinzip alles. Ausstattung und Kulissen sind perfekt ausgewählt und auf die Zeit abgestimmt, in der diese Geschichte spielt (was übrigens beim Harmstorf-Seewolf durchaus schon einmal daneben gegangen war). Man hat den Zweiteiler zwar auf den Bahamas gedreht, aber davon ist außer bei den letzten Szenen kaum etwas zu spüren, wohl auch dank der Entscheidung des Regisseurs fast alle Schiffsszenen wirklich auf See zu drehen. Die beklemmende Enge der Ghost ist förmlich zu spüren und das macht diesen Seewolf authentisch. Ein Hauch von „Fluch der Karibik“ weht da übers Deck, kein Wunder, wurden doch etliche Berater eben dieses Kino-Epos beim Dreh hinzugezogen. „Der Seewolf“ beinhaltet Actionszenen, aber das ist vermutlich das Wichtigste für die Beurteilung: Dieser Zweiteiler ist nicht einfach ein Action-Spektakel, das man sich von einem Privatsender erwartet. Er ist ein präzise gesteuerter Film mit herausragenden Dialogen, die man genauso gut in einem Theater hätte wieder finden können. Man hat hier einfach die richtige Mischung zwischen Spektakel und Spiel gefunden.

Darstellerisch war es sicher nicht einfach, den richtigen Seewolf zu finden. Thomas Kretschmann („Blade II“) ist ein international nicht ganz unbeleckter Schauspieler und man darf ihn wohl ohne großes Federlesen als Star bezeichnen. Ein Star – so ist die sicher unbestreitbare Forderung – sollte jede Rolle spielen können, auch solche Rollen, die ikonenhaft vorbelegt sind. Kretschmann gelingt dies bravourös. Nach wenigen Minuten sieht man ihn nicht mehr einen Harmstorf-Ersatz. Er ist der Seewolf, er ist Wolf Larsen. Er personifiziert diese Rolle mit einer unglaublichen Präsenz, egal ob es sich um Kampfszenen oder die philosophischen Diskussionen mit van Weyden dreht. Seine „Kartoffelszene“, in der er eine rohe Kartoffel in einer Hand zerquetscht, ist sensibel gespielt und bringt das Gefahrenpotential derart präzise und subtil herüber, dass man fast zu Applaus geneigt ist. Kretschmann ist die Seele dieses Zweiteilers. Wenn Kretschmann die Seele ist, dann darf man Florian Stetter („NaPolA“) als Herz bezeichnen. Er gehört zu den eher unbeleckten deutschen Darstellern, aber es ist seine präzise Darstellung, die im Zusammenspiel mit Kretschmann die perfekte Harmonie bildet, die diesen Film vorantreibt. Man nimmt ihm die Wandlung vom verwöhnten Gentleman, der einfach ein paar Kritiken schreibt, zum echten Mann mit Kämpferherz ab. Und man stellt sich die Frage, ob er vielleicht zu einem neuen Seewolf werden könnte. Hier ist ein neuer Star geboren worden, der seine Rolle aus dem FF beherrscht. Verblasst nun der Rest des Casts neben diesen Sternen? Nicht im Geringsten und das ist der letzte Stein, der ein perfektes Ganzes ergibt. Jeder hat seinen perfekten Platz, jeder Darsteller wurde perfekt ausgewählt und bringt sich wie in einer großen Familie in den Film ein. Hier gibt es keine Ausfälle, hier gibt es nur Gewinner. Und das muss auch an Regisseur Christoph Schrewe („Der Bibelcode“) liegen, der diese Mannschaft geformt, geführt und zum Erfolg gebracht hat.

Digitale Aufarbeitung:
Da hat man sich doch schon bei der Produktion Gedanken über die spätere DVD-Veröffentlichung gemacht. Ton und Bild machen dem Film alle Ehre. Das Bild hat ein leichtes Rauschen, ist aber ansonsten perfekt. Der Ton ist voluminös und mit zahlreichen Effekten auf den seitlichen und hinteren Lautsprechern versehen. Das macht Spaß und zeigt, wie gut selbst ein fürs TV produzierter Film sein kann.

Ein ernster Film, aber dennoch gibt es Outtakes, den berühmten Gag Reel in einer Länge von fast 9 Minuten zu bewundern. Dazu gibt es ein ausführliches und sehr informatives Making Of mit einer Länge von 25 Minuten. Hinzu kommen noch einige entfernte Szenen. Alles in Allem recht gut gelungen, wenn auch für eine Extra Disk etwas wenig.

Fazit:
„Der Seewolf“ hat einen neuen Hafen gefunden und der ist bei Pro Sieben und auf dieser DVD. Der Zweiteiler kann auf allen Ebenen überzeugen. Tolle Ausstattung, sensibel gedrehte Geschichte, kongeniale Darsteller und eine sehr gute DVD-Umsetzung machen diesen Film zu einem Muss im heimischen Regal.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,78:1
1,78:1
2 Folgen à ca. 90 Minuten Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • Outtakes
  • Making Of
  • Deleted Scenes
Der Seewolf - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Der Seewolf
Der Seewolf

Dieser Film wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet


Bild unseres Mitarbeiters Bernd Glasstetter
Ein neuer Hafen ist gefunden


Autor der Besprechung:
Bernd Glasstetter

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2008
Regie:
Christoph Schrewe
Drehbuch:
Jack London, Holger Karsten Schmidt
Darsteller:
Gennadi Vengerov, Thomas Kretschmann, Vinzenz Kiefer, Henning Baum, Robinson Reichel, Peter Fassnacht, Martin Eschenbach, Jaymes Butler, Petra Schmidt-Schaller, Simon Licht, Alexander Hörbe, Florian Stetter

Label Deutschland :
Koch Media Entertainment
Verleihstart Deutschland :
14.11.2008
Verkaufsstart Deutschland :
14.11.2008

Vertrieb Schweiz :
Koch Media Entertainment
Verleihstart Schweiz :
14.11.2008
Verkaufsstart Schweiz :
14.11.2008