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DVD-Besprechung - Absolution - Wenn Klosterschüler zu Teufeln werden

Story:
Pater Goddard (Richard Burton) ist Lehrer an der katholischen St.-Anthony-Klosterschule für Knaben. Während er seinen verheißungsvollsten Schüler, Benjamin Stanfield (Dominic Guard), mit allen Möglichkeiten fördert, hat er für den mit einem verkrüppelten Bein gesegneten Arthur Dyson (David Bradley) nur Verachtung übrig. Dumm nur, dass dieser ausgerechnet nach Goddards Aufmerksamkeit und Zuneigung giert, während Benjamin langsam aber sicher durch den Einfluß eines in der Gegend herumvagabundierenden Hippies vom rechten Weg abzukommen droht.

Meinung zum Film:
Wenn ein Preis für das liebloseste DVD-Cover verliehen würde, MIG wäre mit "Absolution" ein mehr als aussichtsreicher Kandidat. Das beginnt schon mit dem überflüssigen, reißerischen Zusatztitel "Wenn Klosterschüler zu Teufel werden", bei dem offensichtlich die Buchstaben ausgingen. Für den Regisseur wurde dann aber wiederum ein Buchstabe zuviel reserviert und aus Anthony Page wurde ein Herr "Paqge". Zudem wirkte Hauptdarsteller Richard Burton weder, wie angegeben, im ersten Teil von "Steiner - Das Eiserne Kreuz", noch im ersten Teil von "Der Exorzist" mit. Die richtigen "Knaller" hat man sich aber für die Rückseite aufgespart. Zunächst wird eine Inhaltsangabe bereitgestellt, die zwar die Geschehnisse alles andere als korrekt wiedergibt, aber bereits den zentralen Plot-Twist des gesamten Films vorwegnimmt. Es empfiehlt sich daher dringend, diesen spoilernden Text vor dem Film geflissentlich zu ignorieren. Bei den technischen Details setzt sich das Desaster weiter fort. Die Angaben zur Laufzeit und zum Bildformat sind falsch, zudem wird diverses Bonusmaterial aufgeführt, das sich überhaupt nicht auf der DVD befindet. Hier wird sich der Kunde zurecht veräppelt vorkommen. Eine sorgfältigere Endkontrolle wäre daher mehr als wünschenswert.

Für "Absolution" konnten mit Hauptdarsteller Richard Burton ("1984"), der ja schon in "Exorzist 2 - Der Ketzer" als katholischer Priester eine gute Figur machte, und Drehbuchautor Anthony Schaffer ("The Wicker Man") zumindest zwei vielversprechende Namen für die Mitarbeit gewonnen werden. Leider weiß der Film aber lange nicht so recht, was er eigentlich sein möchte. Ein Jugenddrama hinter Klostermauern ist es jedenfalls nicht geworden. Pater Goddard ist zwar nicht unbedingt ein Kuscheltyp, aber um ihn als hartherzigen Tyrannen zu installieren, ist die überzeugende Darstellung von Richard Burton einfach zu sympathisch geraten. Außerdem wird er bereits relativ früh selbst in die Opferrolle gedrängt. Letztendlich kann man "Absolution" wohl am ehesten als Thriller klassifizieren. Allerdings versteigt sich der Film einfach zu sehr auf die Darstellung von alltäglichen Szenen und bremst sich dadurch selber aus. Der gemächliche Stil des Films äußert sich dann auch in einem keineswegs mitreißenden Spannungsaufbau. Zentral für den Film ist das katholische Beichtgeheimnis. Pater Goddard erfährt durch die Beichte eines Schutzbefohlenen von einem Mord, der fortan sein Gewissen belastet. Dieser Ministrant versucht fortan mit weiteren Psychotricks Pater Goddard in den Wahnsinn zu treiben. Weil diese jedoch unter dem Schutz des Beichtgeheimnisses ausgespielt werden, können sie nicht gegen ihn verwendet werden. Das nagt immer stärker an Goddards Gewissen, der zunehmend seine Selbstsicherheit verliert. Die Umsetzung wirkt jedoch extrem unglaubwürdig, denn der Persönlichkeitswechsel des autoritäten, unerschütterlichen Paters in ein kopfloses Nervenbündel vollzieht sich einfach zu rasant. Hier kann auch Richard Burton nicht mehr gegensteuern.

Im Grunde plätschert der Film weitgehend spannungsfrei und vorhersehbar vor sich hin und lässt Pater Goddard immer stärker zum Spielball eines Psychopathen werden. Gegen Ende kommt es dann aber zu einem ganz entscheidenden Plot-Twist, der den gesamten Verlauf des Films in gewisser Weise auf den Kopf stellt. Leider wird dieser aber erstens, wie bereits erwähnt, vom DVD-Cover vorweggenommen, ist also für dessen Leser gar nicht mehr überraschend, und zweitens muss man dem Regisseur hier leider unterstellen, dass er den gesamten Film nur auf diesem Moment ausgerichtet und dementsprechend den Zuschauer bewusst auf eine falsche Fährte geführt hat.

Digitale Aufarbeitung:
Im Widerspruch zu den Angaben auf dem Cover liegt der Film nicht wie die alte Videoauflage im Vollbild vor, sondern im originalen Widescreenformat. Die Bildschärfe ist für einen 30 Jahre alten Film durchaus zufriedenstellend, bietet aber bei Nahaufnahmen kaum Details und wirkt etwas schwammig. Die Kontrastwerte sind relativ ausgewogen, bei dunklen Flächen gibt es aber fast keine Details mehr zu sehen. Die Farbgebung der DVD wirkt natürlich, hätte aber ruhig etwas kräftiger ausfallen können. Die Vorlage weist einige kleinere Verschmutzungen auf, die aber nicht sonderlich ins Gewicht fallen. Die deutsche Tonspur klingt zu jeder Zeit gut verständlich, bietet aber angesichts des Alters und der Machart des Films naturgemäß keine besonderen Effekte. Die deutsche Synchronisation ist sehr gut gelungen. Die englische Originaltonspur ist leider etwas zu leise abgemischt und bei einigen Dialogen nicht wirklich gut zu verstehen. Hier wären durchaus Untertitel wünschenswert gewesen.

Entgegen den Angaben auf dem Cover, das eine Trailershow, ein Making Of und eine Bildergalerie auflistet, befinden sich auf der DVD keinerlei Extras.

Fazit:
"Absolution" schwankt zunächst ein wenig unentschlossen zwischen Jugenddrama und Thriller hin und her, entscheidet sich dann für das Thrillergenre, vernachlässigt aber extrem den Spannungsaufbau und offeriert vor allem Füllszenen, die eher zur Vorbereitung eines Mobbing-Dramas hinter Klostermauern passen würden. So steuert der Film dann trotz guter darstellerischer Leistungen lediglich auf einen zentralen Plot-Twist gegen Ende zu, der aber leider nur deshalb überraschend wirkt, weil der Zuschauer bis dahin, hinsichtlich der realen Geschehnisse, für dumm verkauft wurde. Technisch geht die DVD in Ordnung, die Aufbereitung dieser Veröffentlichung hätte allerdings kaum liebloser ausfallen können und offeriert dem Käufer sogar Extras, die überhaupt nicht vorhanden sind.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,85:1
1,85:1
91:17 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • -
Absolution - Wenn Klosterschüler zu Teufeln werden - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Absolution
Absolution

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Müder Thriller hinter Klostermauern, der lieber den Zuschauer hinters Licht führt, als Spannung zu verbreiten


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Großbritannien, 1978
Regie:
Anthony Page
Drehbuch:
Anthony Shaffer
Darsteller:
Richard Burton, Dominic Guard, David Bradley, Billy Connolly, Andrew Keir, Willoughby Gray

Label Deutschland :
MiG Film
Verkaufsstart Deutschland :
04.12.2008