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DVD-Besprechung - Omar Mukhtar - Löwe der Wüste

Story:
Im Jahr 1929 schickt der italienische Diktator Benito Mussolini (Rod Steiger) seinen General Rodolfo Graziani (Oliver Reed) als Gouverneur nach Libyen, um die dortige Rebellion der Beduinenstämme unter der Führung von Omar Mukhtar (Anthony Quinn) gegen die italienische Zwangsherrschaft gewaltsam niederzuschlagen. Graziani macht dabei seinem Beinamen "Der Schlachter" alle Ehre und ruft den Kampf gegen die gesamte Bevölkerung aus. Das beinhaltet u.a. die Vergiftung ihrer Brunnen, die Zerstörung ihrer Felder und die Errichtung von Konzentrationslagern, in die auch sämtliche Frauen und Kinder verschleppt werden. Omar Mukhtar setzt seinen Guerillakampf jedoch unbeeindruckt fort.

Meinung zum Film:
"Omar Mukhtar - Löwe der Wüste" beschäftigt sich mit einem eher weniger bekannten Kapitel der europäischen Geschichte, dem italienischen Feldzug zur Annexion Libyens als Kolonie, der bereits im Oktober des Jahres 1911 begann. Mit der Machtübernahme der Faschisten unter Benito Mussolini im Oktober 1922 wurde das bis dahin wenig erfolgreiche militärische Abenteuer mit erhöhter Priorität vorangetrieben. Im Laufe dieser gewaltsamen Kontrollbestrebungen wurden nach realistischen Schätzungen bis zu zwei Drittel der beduinischen Bevölkerung vertrieben oder getötet. Libyen wurde 1934 an Italien angeschlossen und erst im Verlauf des 2. Weltkrieges, 1942/43, wieder vom italienischen Einfluss befreit. Aber erst im Jahr 1951 erlangte Libyen seine politische Unabhängigkeit. Der Film geriet mit seinem großen Staraufgebot und den für damalige Verhältnisse gigantischen Produktionskosten von 35 Millionen Dollar zu einem der größten finanziellen Desaster der Filmgeschichte, denn diese Kosten konnte er nicht annähernd wieder einspielen. Regie führte der syrische Regisseur Moustapha Akkad ("Mohammed - Der Gesandte Gottes"), der vor allem als ausführender Produzent der gesamten "Halloween"-Reihe einen hohen Bekanntheitsgrad erlangte und im Jahr 2005 einem Terroranschlag in Jordanien zum Opfer fiel. In den Hauptrollen des Films, der an Originalschauplätzen gedreht wurde und auf realen historischen Ereignissen beruht, agieren die internationalen Stars Anthony Quinn ("Im Land der langen Schatten"), Oliver Reed ("Der Fluch von Siniestro") und Rod Steiger ("Amityville Horror").

"Omar Mukhtar" ist ein aufwendiges Historienabenteuer, das den Freiheitskampf der Beduinen in Libyen gegen die italienische Besatzungsmacht thematisiert. Dabei handelt es sich um einen bis zur letzten Konsequenz geführten Vernichtungskrieg, bei dem die Beduinen nicht nur um ihr Überleben und ihre Heimat kämpfen, sondern auch um ihre Religionsfreiheit als Anhänger des Islam. Die Darstellung der Zwangsmaßnahmen gegen die Bevölkerung ist bei diesem Film sehr drastisch ausgefallen. Es gibt blutige Massenexekutionen, aufgesetzte Kopfschüsse aus nächster Nähe, Beduinen,  die von Panzern zerquetscht werden oder durch Stacheldraht getrennte Familien, die in Vernichtungslagern dem Hungertod entgegentreiben. Omar Mukhtar, historisch wohl Scheich Umar al-Mukhtar, wird als weiser, tiefreligiöser Anführer dargestellt, der aber auch ein gewiefter Taktiker und mutiger Kämpfer ist. Wesentlich weniger positiv ist die Darstellung der italienischen Besatzer ausgefallen, was in Italien auch zu einem Verbot des Films führte. Allerdings existieren abseits von Konzentrationslagern und Repressalien gegen die Zivilbevölkerung auch in den italienischen Reihen Spuren von Menschlichkeit, die vor allem durch den jungen Leutnant Sandrini verkörpert werden, der sich unmenschlichen Befehlen verweigert, und den Oberst Diodiece, der die Einheimischen mit großem Respekt behandelt.

Trotz der realen Hintergründe und der gut aufgelegten Darsteller ist "Omar Mukhtar" weniger eine neutrale Geschichtsstunde als ein aufwendiges Schlachtengemälde mit klarer Parteinahme für die "Aufständischen", die übersteigert edel und mutig dargestellt werden. In der Präsentation der kriegerischen Auseinandersetzungen hat der Film dementsprechend seine besonderen Stärken. Das versammelte, authentisch wirkende Kriegsmaterial, inklusive historischer Panzerwagen, liefert sich hier spektakuläre, blutige Gefechte unter dem Einsatz beeindruckender pyrotechnischer Effekte. Die Kämpfe betonen dabei stets die Auseinandersetzung von modernster Kriegstechnik einerseits und schlecht ausgerüsteten, aber umso tapfereren Einzelkämpfern andererseits. Der Film ist aber in Person von Omar Mukhtar und General Graziani auch das Duell zweier gewiefter militärischer Taktiker, die sich auf einem überdimensionalen Schachbrett mit List und Tücke gnadenlos bekriegen.

Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität der DVD ist von Referenzproduktionen sicherlich weit entfernt, bietet aber eine ordentliche Bildschärfe, einen ausgewogenen Kontrast und natürliche Farben. Nicht zu übersehen sind aber auch kleinere Verschmutzungen und Defekte, ein stärkeres Bildrauschen, Bewegungsunschärfen, Spuren der Kompression sowie regelmäßiges, deutliches Kantenflimmern. Die beiden Tonspuren sind hingegen zu jeder Zeit gut verständlich, ausgewogen abgemischt und bieten in den Schlachtenszenen auch einiges an Bass und Volumen.

Auf der DVD befinden sich zunächst der deutsche Trailer, zwei englische Trailer, eine Bildergalerie mit Werbematerial und Aushangfotos sowie eine Geschnittene Szene (5:21). Diese ziemlich lange Szene in englischer Sprache behandelt einen Giftgasangriff der Italiener auf Omar Mukhtars Kämpfer in den Bergen. Den Abschluss des Bonusmaterials bildet das deutsche (19:49) bzw. englische Making Of (31:38) in deutlich reduzierter Bildqualität. Zwar bestehen beide Features aus dem gleichen Material, das englische Making Of ist aber deutlich länger ausgefallen und bietet beispielsweise Zusatzmaterial zu den historischen Hintergründen. Insgesamt ist das Making Of aus dem Jahr 1981 ziemlich altmodisch ausgefallen, bietet aber interessante Einblicke in die Dreharbeiten und besonders sehenswerte Details zu den Spezialeffekten und Stunts des Films.

Fazit:
"Omar Mukhtar - Löwe der Wüste" ist ein mit großem finanziellen Einsatz realisiertes Schlachtenepos mit eindrucksvollen Kampfsequenzen, überzeugenden Darstellern und einer sehr stimmungsvollen Musikuntermalung. Der Film bedient sich dabei einer eindeutigen, vereinfachenden Schwarz-Weiß-Malerei, ist in seiner Darstellung der Grausamkeiten sehr drastisch, weiß aber insgesamt trotz einiger vorhandener Längen durchaus zu gefallen. Die technische Qualität der DVD ist solide, reißt aber sicher keine Bäume aus, dafür gibt es aber auch noch recht interessantes Bonusmaterial.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
2,35:1
2,35:1
156:18 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • Deutscher Trailer
  • Zwei Englische Trailer
  • Geschnittene Szene
  • Making Of (Deutsch)
  • Making Of (Englisch)
  • Bildergalerie
Omar Mukhtar - Löwe der Wüste - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Omar Mukhtar - Löwe der Wüste
Lion of the Desert

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Imposantes Schlachtengemälde in drastischer und ziemlich epischer Darstellung


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Libyen / USA, 1981
Regie:
Moustapha Akkad
Drehbuch:
H.A.L. Craig
Darsteller:
Anthony Quinn, Oliver Reed, Rod Steiger, Irene Papas, Raf Vallone, Sky Dumont, John Gielgud

Label Deutschland :
WGF
Verkaufsstart Deutschland :
13.11.2008