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The DescendantsLucky TroubleDas Todesspiel

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DVD-Besprechung - Othello

Story:
Othello (Orson Welles), der Mohr von Venedig, ist ein hoch geachteter Heerführer. Als er jedoch die junge Desdemona (Suzanne Cloutier) gegen den Willen ihres Vaters ehelicht, beginnt sein von Neid und Missgunst begleiteter Abstieg. Weil Othello seinen Getreuen Cassio (Michael Laurence) zum Leutnant ernannte und dabei seinen Fähnrich Iago (Micheál MacLiammóir) überging, spinnt dieser eine Intrige gegen Othello, um sich an beiden zu rächen. Er trägt eine angebliche Affäre zwischen Cassio und Desdemona an Othello heran und beginnt diese mit List und Tücke glaubhaft zu belegen. Angesichts des wilden Temperaments von Othello treffen diese Manipulationen auf fruchtbaren Boden und rufen bei ihm eine krankhafte, alles verzehrende Eifersucht hervor.

Meinung zum Film:
Orson Welles ("Der Prozess") gilt als einer der einflussreichsten Regisseure Hollywoods und war zudem als Drehbuchautor und besonders als Schauspieler sehr erfolgreich. Sein Drama "Citizen Kane", eine fiktive Biographie des Medienmagnaten Charles Foster Kane, gilt als Meilenstein der Filmgeschichte und wird von den bedeutendsten Filmkritikern regelmäßig in ihren Bestenlisten geführt, häufig sogar auf dem ersten Platz. "Othello" war bereits seine zweite Adaption eines Theaterstücks des großen englischen Dichters und Dramatikers William Shakespeare ("Romeo und Julia") nach "Macbeth" (1948). Orson Welles übernahm hier selbst die Hauptrolle und arbeitete auch am Drehbuch mit. Die zweite Hauptrolle übernahm mit Micheál MacLiammóir der wohl bedeutendste irische Theaterschauspieler dieser Zeit, der ansonsten im Kino jedoch keine großen Spuren hinterließ. Die Tragödie "Othello" aus dem Jahr 1603 wurde erstmals im Jahr 1909 verfilmt. 1922 folgte eine weitere deutsche Verfilmung mit Emil Jannings ("Herr Tartüff") und Werner Krauss ("Der Schatz"). Relativ bekannt ist auch die Verfilmung aus dem Jahr 1995, in der Laurence Fishburne ("Event Horizon") und der mit Shakespeare bestens vertraute Kenneth Branagh ("Henry V.") die Hauptrollen übernahmen.

"Othello" ist eine klassische Tragödie, die schildert, wie aus übersteigerter Leidenschaft, einhergehend mit einer verzehrenden Eifersucht, die Liebe mit tödlichen Konsequenzen in ihr genaues Gegenteil verkehrt werden kann. Wie von Shakespeare nicht anders zu erwarten, existieren im Verlauf der Handlung zahlreiche tragische Verwicklungen und das Leid aller Beteiligten wird stetig potenziert. Nicht nur das Leben von Desdemona und Othello wird zerstört, Iagos Intrige hat auch fürchterliche Konsequenzen für Leutnant Cassio, Iagos eigene Ehefrau Emilia, die Desdemona wie eine Tochter liebt, aber unwissend maßgeblich zu ihrem Untergang beiträgt, und auch für Rodrigo, einen Freund Iagos, der seinerseits unglücklich in Desdemona verliebt ist. Besonders die darstellerischen Leistungen von Orson Welles und Micheál MacLiammóir sind herausragend. Allerdings hat sich Welles mit seinem Make-Up keinen Gefallen getan. Den Mohren nimmt man ihm trotz halbherzig aufgetragener "Schuhcreme" nicht ab, was glücklicherweise jedoch für die Handlung des Films nicht wirklich zentral ist.

Die Verfilmung ist inhaltlich sehr werkgetreu geraten. Außerdem ist in der deutschen Sprachfassung deutlich das Bemühen erkennbar, die Dialoge und deren sprachlichen Reichtum möglichst nah am englischen Original zu orientieren, was insgesamt auch durchaus gelungen ist. Der zentrale Schauplatz des Films ist eine kleine Festung auf Zypern, die in ihrer Kargheit und mit ihren düsteren Gemäuern der trostlosen Ausweglosigkeit der Handlung optimal den Weg bereitet. Im Zusammenspiel der wenigen zentralen Hauptfiguren entfaltet sich ein eindrucksvolles, emotional-abgründiges Ränkespiel der manipulierten Emotionen, das sich in einem Finale voller Tragik und bitterer sowie zerstörerischer Selbsterkenntnis entlädt. Die in einer Rückblende erzählte Geschichte steckt voller übersteigertem Stolz, manipulativen Rachephantasien und krankhafter Eifersucht, bei der das schreckliche Finale so konsequent wie unausweichlich erscheint.

Digitale Aufarbeitung:
"Othello" wurde 1992 im Auftrag von Beatrice Welles-Smith, Orson Welles dritter Tochter, durch Michael Dawson restauriert. Die Restaurierung läßt aber nicht nur technisch, sondern auch inhaltlich einige Wünsche offen. Sie beruht nicht auf der Urfassung, die 1952 in Cannes Premiere feierte, sondern auf einer umgeschnittenen US-Fassung aus dem Jahr 1955. Es wurden beispielsweise auch Veränderungen an der Synchronisation oder der Filmmusik vorgenommen, die nicht gerade als originalgetreu gelten können. Beatrice Welles-Smith ist aber scheinbar von der in ihrer Verantwortlichkeit entstandenen Restaurierung überzeugt und untersagt deshalb die Veröffentlichung anderer Fassungen des Films. Aber auch hinsichtlich der technischen Eigenschaften sollten an diese Restaurierung keine zu großen Erwartungen geknüpft werden. Die Bildschärfe ist starken Schwankungen unterworfen. Mal wirkt sie für einen rund 56 Jahre alten Film durchaus ordentlich, bei anderen Szenen, z.B. Nahaufnahmen von Gesichtern, ist das Bild dann vollkommen unscharf. Auch der Kontrast kann nicht wirklich überzeugen. Die Tagszenen wurden offensichtlich aufgehellt und wirken jetzt zu grell, während andererseits einige Nachtszenen fast alle Details verschlucken. Die Vorlage weist zudem zahlreiche Verschmutzungen und Beschädigungen auf. Laufstreifen sind ebenso vorhanden wie ein starkes Bildrauschen. Der Bildstand ist ein wenig unruhig, stört aber nicht sonderlich. Die deutsche Synchronisation ist recht hochwertig ausgefallen, die deutsche Tonspur wirkt aber ein wenig schwach auf der Brust und hätte etwas lauter abgemischt werden können. Die englische Tonspur wirkt hier etwas kräftiger. Ansonsten bieten aber beide Tonspuren eine gute Verständlichkeit. Sehr bedauerlich ist allerdings das Fehlen von Untertiteln, da Shakespeares Dialoge natürlich gerade im O-Ton eine besondere klangliche Faszination entfalten.

Leider befindet sich auf der DVD keinerlei Bonusmaterial.

Fazit:
"Othello" ist eine hochwertige und werkgetreue Adaption der Vorlage von William Shakespeare, deren Stärken vor allem die ausdrucksstarken Schauspieler, die karge aber auch stimmige Optik sowie die sprachlich reichhaltigen Dialoge ausmachen. Die dramatischen Verwicklungen und die fatalen Wendungen der Geschichte beinhalten ein hohes Maß an Tragik und münden in einem deprimierend-abgründigen Finale. Die DVD ist qualitativ für einen 56 Jahre alten Film durchaus noch akzeptabel, leider fehlen sowohl Bonusmaterial als auch Untertitel.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,33:1
1,33:1
88:52 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • -
Othello - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Orson Welles' Othello
The Tragedy of Othello: The Moor of Venice

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Eine klassische Tragödie voller Eifersucht, Rachephantasien und falsch verstandenem Stolz


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Frankreich / Italien / Marokko / USA, 1952
Regie:
Orson Welles
Drehbuch:
Orson Welles, Jean Sacha (basierend auf einem Theaterstück von William Shakespeare)
Darsteller:
Orson Welles, Micheál MacLiammóir, Robert Coote, Suzanne Cloutier, Hilton Edwards, Nicholas Bruce, Michael Laurence

Label Deutschland :
WGF
Verkaufsstart Deutschland :
13.11.2008