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DVD-Besprechung - Summertime Killer

Story:
Ray Castor (Christopher Mitchum) mußte als 6-Jähriger mit ansehen, wie sein Vater von Killern des Mafiabosses Lazaro Alfredi (Raf Vallone) grausam getötet wurde. 20 Jahre später beginnt Ray einen Rachefeldzug gegen dessen Auftragsmörder und tötet gnadenlos einen nach dem anderen. Mit der Hilfe von Alfredis Chefsekretärin Michelle (Claudine Auger) gelingt es ihm schließlich, auch noch seine Tochter Tania Scarlotti (Olivia Hussey) zu entführen. Ray will sie dazu benutzen, Alfredi aus seinem Versteck herauszulocken, verliebt sich aber dummerweise in sie. Währenddessen kommt der Polizist John Kiley (Karl Malden) bei seinen Nachforschungen in den Mordfällen Rays Versteck immer näher.

Meinung zum Film:
Regisseur Antonio Isasi-Isasmendi ("An einem Freitag in Las Vegas"), der neben gleich vier weiteren Personen auch noch am Drehbuch beteiligt war, dürfte in Deutschland am ehesten durch seinen müden Abenteuerstreifen "Unser Mann aus Istanbul" (1965) bekannt geworden sein, in dem sich mit Horst Buchholz ("Die Halbstarken"), Mario Adorf ("Malastrana") und Klaus Kinski ("Töte Amigo") immerhin gleich drei in Deutschland populäre Stars die Ehre gaben. Bei Freunden des ungewöhnlichen Films dürfte er außerdem durch seine Genre-Mixtur aus Tierhorror und Politthriller namens "The Dog" kein völlig Unbekannter sein. Die Hauptrolle hätte man wohl kaum unglücklicher besetzen können, denn sie wurde an Christopher Mitchum ("Stingray - Hell on Wheels") vergeben, einem Antischauspieler mit großem Nachnamen. Interessanterweise spielte Mitchum nur ein Jahr später, in dem thematisch sehr ähnlichen Film "Der Clan der Killer" unter der Regie von Tulio Demicheli ("Galgenvögel sterben einsam"), erneut den Racheengel. Handwerklich war der Streifen eine ziemliche Katastrophe und setzte im Gegensatz zu "Summertime Killer" vor allem auf Action und auf explizite Brutalitäten, wie eine Kastrationsszene und ein anschließendes Säurebad.

Karl Malden ("Der Besessene") wirkt hier optisch mit seinem Schlapphut so, als hätte man ihn gerade mal kurz vom "Die Straßen von San Francisco"-Set weggeholt. Leider hat er kaum Gelegenheit sich schauspielerisch zu entfalten und soll mit seinen parallel zum sonstigen Geschehen verlaufenden Nachforschungen lediglich die Spannung erhöhen, was aber bestenfalls leidlich gelingt. Erst gegen Ende des Films gewinnt sein wenig ausgefeilter Charakter zentrale Bedeutung, ruft jedoch durch seine unglaubwürdig wirkende Handlungsweise vor allem ein dickes Kopfschütteln hervor und wird noch zum tragischen Helden wider Willen. Für einen guten Thriller fehlen leider zentrale Elemente wie ein vernünftiger Spannungsaufbau, gute Actionszenen und markante Charaktere. Große Teile des Films bestehen aus reinen Füllszenen, so gurkt Mitchum beispielsweise ständig auf seinem albernen Motorrad durch die Pampa, was in einige bemitleidenswerte Stunts und Verfolgungsjagden mündet. Auf vernünftige Actionsequenzen muss dann leider auch komplett verzichtet werden und der Film weist auch keine sonderlichen Härten auf.

Im Zuge der Entführung von Tania versteigt sich der Film viel eher in eine verkitschte Interpretation des Stockholm-Syndroms, in der sich das Versteck von Ray und Tania schnell in ein Liebesnest verwandelt. Bei der musikalischen Untermalung bringt Oscar-Preisträger Luis Enríquez Bacalov ("Milano Kaliber 9") hier dementsprechend alle Register auf der Gefühlsklaviatur zum Klingen und erweckt die Flower-Power-Romantik der 68er zu unheiligem Leben. Die weiblichen Hauptdarstellerinnen Olivia Hussey ("Romeo und Julia") und Claudine Auger ("Im Blutrausch des Satans") wurden offensichtlich vor allem aus optischen Gründen gecastet, müssen jedoch in diesem für die damalige Zeit extrem prüden Streifen ebenso mit ihren körperlichen Reizen geizen, wie mit ihren darstellerischen Qualitäten. Gerade die Dialoge laufen in diesem Film auf völliger Sparflamme, was eine emotionale Bindung zu den wichtigsten Charaktere fast unmöglich macht.

Digitale Aufarbeitung:
Bei der Bildqualität des Films sollte man nicht zuviel erwarten. Diesen Film gab es längere Zeit lediglich als seltene und sündhaft teure DVD aus Japan, die qualitativ aber auch nicht besonders gut war. Und die deutsche DVD basiert offensichtlich auf dieser Vorlage. Die Bildschärfe bewegt sich auf keinem sonderlich hohen Niveau, ist aber noch akzeptabel. Das Bild wird von auffälligen, grünen Laufstreifen, zahlreichen Verschmutzungen, Kratzern, einigen Dropouts und einem starken Rauschen begleitet. Der Kontrast ist leider zu steil ausgefallen und es kommt häufig zu Überstrahlungen. Die Farben wirken ziemlich blass und sind nicht immer natürlich ausgefallen. Viele Gesichter weisen beispielsweise einen starken Rotstich auf. Der Bildstand ist zudem etwas unruhig ausgefallen. Die beiden Tonspuren sind gut verständlich, weisen aber beide ein deutliches Hintergrundrauschen auf, außerdem leiert die Musik hin und wieder etwas.

Das einzige Bonusmaterial auf der DVD sind vier deutschsprachige Deleted Scenes mit einer Gesamtlaufzeit von 3:43 Minuten. Diese stammen scheinbar von einem deutschen VHS-Band, sind allerdings völlig verzichtbar und stellen keinen wirklichen Mehrwert dar.

Fazit:
"Summertime Killer" ist ein müder Thriller mit wenig Spannung und ohne nennenswerte Actionsequenzen, der viele Füllszenen aufweist und mit einer gehörigen Portion Kitsch versetzt ist. Handwerklich ist der Film ziemlich durchschnittlich, Christopher Mitchum ist aber eine totale Fehlbesetzung, während gestandene Darsteller wie Karl Malden oder Raf Vallone in Nebenrollen verheizt werden. Die technische Qualität der DVD ist sicher nicht mehr zeitgemäß, da allerdings momentan weltweit scheinbar keine bessere Veröffentlichung existiert, durchaus noch akzeptabel.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,66:1
1,66:1
95:20 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • Deleted Scenes
Summertime Killer - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Summertime Killer
Un verano para matar

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Müder Thriller mit schwachem Hauptdarsteller und einer kitischigen Liebesgeschichte


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Frankreich / Italien / Spanien, 1972
Regie:
Antonio Isasi-Isasmendi
Drehbuch:
Sam X. Abarbanel, Reid Buckley, Brian Degas, Jorge Illa, Antonio Isasi-Isasmendi
Darsteller:
Christopher Mitchum, Karl Malden, Olivia Hussey, Raf Vallone, Claudine Auger

Label Deutschland :
WGF
Verkaufsstart Deutschland :
13.11.2008