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DVD-Besprechung - Im Teufelskreis der Armut
Story:
Theresa Johnson (Mare Winningham) ist Amerikanerin und führt mit ihrer siebenjährigen Tochter Hillary (Grace Johnston) ein bescheidenes Dasein, das sie sich mit ihrer Tätigkeit als Putzfrau in einem Hotel verdingt. Als ihr Wohnort jedoch einem Kongresscenter weichen soll und sie aus ihrer Wohnung geworfen wird, beginnt ein rasanter sozialer Abstieg. Theresa findet keine Wohnung, die sie sich auch leisten kann und zieht mit ihrer Tochter von Notunterkunft zu Notunterkunft. Aufgrund deren strenger Regelungen in Bezug auf Sperrstunden und der Verantwortung gegenüber ihrer Tochter verliert sie schließlich auch noch ihren Job.
Meinung zum Film:
"Im Teufelskreis der Armut", in Deutschland auch bekannt als "Der Schrei nach Liebe", ist ein 20 Jahre alter Fernsehfilm aus kanadisch-amerikanischer Produktion. Regisseur Larry Elikann ("Dallas: Wie alles begann") war bis Mitte der 90er-Jahre eigentlich eher als routinierter Fließbandarbeiter für das Fernsehen bekannt, ein wirklich großer Wurf findet sich in seiner Filmographie, außer dem vorliegenden Film, jedenfalls nicht. Drehbuchautor Dennis Nemec ("Die Heiligen der letzten Tage") war Zeit seines Lebens für das Fernsehen tätig und auch für ihn stellte "Im Teufelskreis der Armut" seinen einzigen größeren Wurf dar. Der Lohn für seine Arbeit am Drehbuch waren eine Auszeichnung der Writers Guild of America und der Humanitas Prize im Jahr 1989. Letzterer wird nur Filmen verliehen, die sich im Bereich der Menschenwürde, der freien Meinungsäußerung oder der Freiheit des Menschen besonders engagieren. Bei den Schauspielern ist ganz eindeutig Hauptdarstellerin Mare Winningham ("Miracle Mile") hervorzuheben, die 1998 für ihre Leistung in "Georgia" bereits als beste Nebendarstellerin für den Oscar nominiert war. Zudem wurde sie bereits fünfmal für den "Emmy" nominiert, den sie auch zweimal gewinnen konnte. Ein weiteres bekanntes Gesicht ist Dorian Harewood ("Full Metal Jacket"), der hier als Missionshelfer aktiv ist. Zudem bestreitet der heutige Star Mos Def ("16 Blocks") hier seinen allerersten Auftritt als Darsteller. Vom Erlös aus dem Verkauf der DVD gehen 20% an das Deutsche Kinderhilfswerk.
"Im Teufelskreis der Armut" ist ein Drama, das sich auf die Thematik des sozialen Abstiegs und besonders der (Kinder-)Armut konzentriert. Auf ungeschminkte Art und Weise, fernab jeder Effekthascherei, schildert der Film ein Leben in Armut und begleitet den Zuschauer auf einer Odyssee des stetigen, sozialen Abstiegs. Die normalerweise im Vergleich zu Kinofilmen eher triste Optik eines Fernsehfilms, entwickelt sich hier sogar zu einem Vorteil, da sie den verzweifelten, auswegslosen Unterton des Films noch unterstützt. Der Abstieg der Hauptperson Theresa, die auch zuvor nie wirklich wohlhabend war, beginnt mit dem Rauswurf aus ihrer Wohnung. Ihr Mann hat sie schon vor längerer Zeit mit dem Kind sitzen gelassen und ihr bescheidener Lohn als einfache Putzkraft erlaubt keine großen Sprünge. Dadurch gelingt es ihr leider nicht eine neue Wohnung zu finden und aus Mangel an engen Verwandten und guten Freunden ist sie gezwungen, mit ihrer Tochter für Übernachtungen eine Notunterkunft nach der anderen aufzusuchen. Deren Nutzung ist jedoch zeitlich limitiert und es existieren lange Wartelisten und strenge Sperrstundenregelungen. Was mit einer kirchlichen Notunterkunft beginnt, endet schließlich bei der Heilsarmee. Aufgrund des strengen Anmeldungsprozederes für diese Institutionen und der Ungewissheit, wo und wann als nächstes genächtigt werden kann, muss Theresa ihre Tochter zunächst von der Schule nehmen und verliert schließlich auch noch ihren Job.
Nun gerät sie erst richtig in den Teufelskreis der Armut, denn sie bekommt keinen neuen Job, wenn sie keine Wohnung hat und sie bekommt keine Wohnung, weil sie keinen Job besitzt. Die Darstellung des Schicksals von Mutter und Tochter, die tagsüber mit ihrem einzigen Koffer, der ihre gesamte Habe enthält, durch die Straße ziehen und des Nachts von einem Asyl zum anderen streben, wirkt realistisch und sehr deprimierend. Auch der langsame soziale Abstieg, der sich stetig beschleunigt, wird glaubhaft vermittelt und transportiert die Ausweglosigkeit der Situation. Leider weist der Film aber nach rund 46 Minuten einen kleinen inhaltlichen Bruch auf und wechselt zu einer afro-amerikanischen Großfamilie, deren mannigfaltige Probleme fortan die zweite parallele Ebene des Films bilden. Leider werden hier viele Probleme, vor allem die Benachteiligung der materiell schlechter gestellten Menschen auf dem Bildungssektor oder der Alkoholismus als Konsequenz der unwürdigen Lebensumstände aber nur angerissen. Dieser Strang der Darstellung birgt weniger Identifikationspotential und ist auch ein wenig zu oberflächlich geraten. Überhaupt fällt besonders an diesem Punkt auf, dass die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen doch ein wenig außen vor bleiben. Ansonsten bleibt der Film aber seiner Linie treu und es gibt eben keinen versöhnlichen Heile-Welt-Abschluss, sondern einen konsequent deprimierenden Schlusspunkt.
Digitale Aufarbeitung:
Die Bildschärfe der DVD schwankt ein wenig, ist aber meistens noch auf einem guten Niveau. Die Farben wirken allerdings ziemlich ausgewaschen und es liegt auch ein stärkeres Bildrauschen vor. Der Kontrast verschluckt gerade bei dunklen Szenen viele Details. Die deutsche Tonspur verzichtet erwartungsgemäß auf Effekte, ist aber stets gut verständlich, auch wenn sie leicht verzerrt klingt. Die englische Tonspur klingt etwas natürlicher und bietet im Hinblick auf Umgebungsgeräusche eine deutlich druckvollere Soundkulisse. Entgegen der Vorankündigungen befinden sich auf der DVD auch zuschaltbare deutsche Untertitel.
Es gibt leider kein Bonusmaterial.
Fazit:
"Im Teufelskreis der Armut" schildert realistisch und ungeschminkt den rasanten sozialen Abstieg einer alleinerziehenden Mutter und ihre Odyssee auf der Suche nach staatlicher Unterstützung und einem Neuanfang. Allerdings schießt das Drama mit dem zweiten Erzählstrang, der Schilderung der alltäglichen Probleme einer am Existenzminimum herumkrebsenden, afro-amerikanischen Großfamilie ein wenig über sein Ziel hinaus und kann viele Probleme nur anreißen. Technisch ist die DVD zwar kein Highlight und bietet auch keinerlei Bonusmaterial, für einen zwanzig Jahre alten Fernsehfilm geht die gebotene Qualität aber durchaus in Ordnung.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,33:1
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93:46 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 | Englisch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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Der Schrei nach Liebe
God Bless the Child
Eine tragische Odyssee des sozialen Abstiegs
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Kanada / USA, 1988 Regie: Larry Elikann Drehbuch: Dennis Nemec Darsteller: Mare Winningham, Grace Johnston, Dorian Harewood, L. Scott Caldwell, Obba Babatundé, Jennifer Leigh Warren
Label :
Movie Power Verkaufsstart : 25.11.2008
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