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DVD-Besprechung - Raubritter - Die Geschichte von Ekkelins Knecht
Story:
In der Weihnachtszeit des Jahres 1373 trägt der junge Tagelöhner Konrad (Philipp J. Sprongl) seine von der Pest dahingerafften Eltern zu Grabe. Bei seiner ziellosen Wanderung durch das entvölkerte Franken trifft Konrad schließlich auf den Ritter Ekkelin Geyling (Peter Klewitz), der ihn als Rossknecht in seine Dienste nimmt. Konrad träumt davon eines Tages selbst ein Ritter zu werden und zu einem strahlenden Helden aufzusteigen. Allerdings ist die große Zeit des Rittertums längst vorbei und Konrad muss mit ansehen, wie Ekkelin im Überlebenskampf darauf angewiesen ist, Jagd auf Kaufleute zu machen. Schließlich gibt der Kaiser selbst den Auftrag Ekkelin wegen dessen Raubzügen von seiner Burg zu jagen. Fortan muss dieser nun auch ohne die Unterstützung seines Lehnsherren auskommen.
Meinung zum Film:
"Ekkelins Knecht", das vorangestellte "Raubritter" ist ein reiner Marketingschachzug, basiert auf der Lebensgeschichte des historisch verbürgten Ritters Ekkelin Greyling, dessen Werdegang der Volksmund zur lebhaften Legendenbildung heranzog. Der Film ist das Ziehkind des Regensburger Theaterautors und Journalisten Peter Klewitz, der hier als maßgebliche Triebkraft die Funktionen des Hauptdarstellers, Drehbuchautors und Produzenten in sich vereinte. Der Film entstand mit einem Budget von lediglich rund 200000 Euro. Dieses Kapital wurde nicht aus öffentlichen Fördertöpfen gewonnen, sondern kam durch die Unterstützung mittelständischer Unternehmen aus dem Frankenland zusammen. Ohne die insgesamt etwa 220 Mitwirkenden, die größtenteils auf ein Honorar verzichteten, wäre der Film aber in dieser Form wohl nicht zu realisieren gewesen. Der Film feierte am 1. Mai 2008 nach zweijähriger Entstehungszeit seine deutsche Kinopremiere und lief lediglich in einer Handvoll ausgesuchter Lichtspielhäuser, wo er aber insgesamt sehr wohlwollend aufgenommen wurde.
"Ekkelins Knecht" wagt das Experiment eines Low-Budget-Historienfilms fernab strahlender Helden und edler Hochglanzoptik Marke Hollywood. Das Ergebnis ist ein um Authentizität bemühter Ritterfilm ohne actionreiche Massenszenen, weichgespülte Liebschaften und rundgelutschte Heldenfiguren, die selbst in der größten Schlacht so wirken, als wären sie gerade aus der Duschkabine getreten. Der Film bedient sich historischer Lokalitäten, stimmungsvoller Landschaftsaufnahmen sowie aufwendig gestalteter Kostüme und Rüstungen, mit denen er das 14. Jahrhundert erfolgreich zu neuem Leben erweckt. Besonders die Liebe zum Detail fällt dem Betrachter nicht nur bei der Ausstattung ins Auge. Die Personen sind stets mit Schmutz bedeckt und auch die mangelhafte Qualität der damaligen Zahnpflege steht den Charakteren sprichwörtlich ins Gesicht geschrieben. Auch wenn man hier kein illusionäres Spektakel entfacht, in dem das Mittelalter zu einem Abenteuerspielplatz degradiert wird, muss auf Ränkespiele, Kampfszenen oder gar eine Liebschaft jedoch keinesfalls verzichtet werden.
Die Kampfszenen sind zwar relativ spärlich gesät und eher kurz gehalten, bedienen sich aber einer durchaus brauchbaren Choreographie, ohne selbstzweckhaft zu wirken. Der Grundton des Films ist eher pessimistisch angelegt. Die Zeit der Ritter geht dem Ende entgegen, denn der Landadel verarmt und die Ritter sehen sich zudem mit mobileren Einheiten und Waffen mit größerer Feuerkraft konfrontiert. Die Macht der Kaufleute nimmt zu und die Städte entwickeln sich zu wichtigen Handelszentren. In dieser Zeit wird Ekkelin zum Geächteten, zu einem Raubritter, der sich nur durch seine Beutezüge noch halbwegs über Wasser halten kann. Sein Knecht Konrad muss sich mit dieser Situation zunächst erstmal arrangieren, begräbt aber schließlich viele seiner hehren Ideale und beweist seinem Herrn stets unverbrüchliche Treue.
Digitale Aufarbeitung:
Der Film entstand unter Verwendung einer einfachen HD-TV Kamera. Mit Hilfe entsättigter Farben und nachträglich verwendeten Filtern entstand dann erst ein richtiger "Filmlook". Das Ergebnis befindet sich zwar deutlich über dem Niveau eines Amateurfilms, Kinooptik sollte man aber auch nicht erwarten. Der optische Eindruck entspricht am ehesten der Erscheinung von nachgestellten "Spielszenen" in Dokumentationen oder Szenen aus einem typischen Dokumentarspiel für das Fernsehen. Das Bild wirkt, entsprechend der verwendeten Ausrüstung, ein wenig weich und geizt mit Details, bewegt sich aber grundsätzlich noch auf einem guten Niveau, obwohl das deutliche Bildrauschen nicht wirklich förderlich ist. Bei schnellen Bewegungen kommt es jedoch zu Unschärfen. Die Kontrastwerte gehen in Ordnung, bei einigen Tageslichtszenen wirkt das Bild aber insgesamt etwas zu hell und es kommt auch zu deutlichen Überstrahlungen. Von der deutschen Tonspur sollte man keine Wunder erwarten, jedoch schlägt sie sich insgesamt wacker und liefert fast immer eine gute Verständlichkeit. Auch der stimmungsvolle Soundtrack passt sich gut ins Geschehen ein.
Die Extras auf der DVD sind leider weder sonderlich umfangreich noch wirklich informativ ausgefallen. Zunächst gibt es kurze Statements von Hauptdarsteller Philipp J. Sprongl (3 Textseiten), Hauptdarsteller, Drehbuchautor und Produzent Peter Klewitz (5 Textseiten) sowie von Regisseur Reinhard Kungel (6 Textseiten). Diese Statements liegen auch als Tondokumente vor. Letztendlich handelt es sich aber nur um relativ knappe Kommentare zu den Entstehungsbedingungen des Films und seinen zentralen Charakteren. Zudem befinden sich auf der DVD noch der Kinotrailer und eine musikunterlegte Bildergalerie. Den Abschluss bildet das Feature "Hinter den Kulissen" (14:05), das aus sieben verschiedenen Szenen von den Dreharbeiten besteht, die den entsprechenden, finalen Filmszenen gegenübergestellt werden. Zieht man also diese Filmsequenzen ab, verringert sich die Laufzeit des wirklich neuen Materials nochmals deutlich und erläuternde Kommentare fehlen außerdem. Zwar bekommt der Zuschauer dadurch einen Eindruck des Stimmungsbildes bei den Dreharbeiten und kann sich ein Bild von dem Enthusiasmus machen, der von allen Beteiligten an den Tag gelegt wurde, großartige Hintergrundinformationen werden aber nicht vermittelt. Das ursprünglich angekündigte 30-minütige Making Of ist nirgends zu finden. Deutlich ausführlicheres Material zum Film findet sich jedoch hier frei zugänglich im Internet.
Fazit:
"Ekkelins Knecht" ist das gewagte Experiment eines ungeschönten, gering budgetierten Historienfilms, das Dank des großen Engagements aller Beteiligten, und des dabei an den Tag gelegten Enthusiasmus, trotz kleinerer Längen und einer nicht ganz kinoreifen Optik zu einem sehr vorzeigbaren Ergebnis geführt hat. Der Film macht einen authentischen Eindruck, verfügt insgesamt über einen guten Erzählfluss und wirkt zu keiner Zeit laienhaft. Technisch ist die DVD unter Berücksichtigung des verwendeten Equipments durchaus gelungen, beim Bonusmaterial wären allerdings ein größerer Umfang und mehr Tiefgründigkeit wünschenswert gewesen.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,85:1
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106:22 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Keine Untertitel vorhanden. |
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Bonusmaterial:
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- Statements von Philipp J. Sprongl, Peter Klewitz und Reinhard Kungel
- Kinotrailer
- Hinter den Kulissen
- Bildergalerie
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Ekkelins Knecht
Ekkelins Knecht
Ein ehrgeiziger Historienfilm, der mit geringen finanziellen Mitteln eine umso größere Wirkung entfaltet
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2007 Regie: Reinhard Kungel Drehbuch: Peter Klewitz Darsteller: Peter Klewitz, Philipp J. Sprongl, Yvonne Brosch, Katrin Klewitz, Till Klewitz, Johannes Ernst, Kay Waidelich
Label :
e-m-s
Verkaufsstart : 04.12.2008
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