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DVD-Besprechung - Buddha's Lost Children

Story:
Im Norden Thailands, genauer in den entlegenen Bergregionen des Goldenen Dreiecks an der Grenze zu Birma, befindet sich "Das Kloster zum Goldenen Pferd" unter Leitung des buddhistischen Mönches und ehemaligen Profi-Thaiboxers Phra Khru Bah. Dieser Mönch hat sich seit 15 Jahren dem selbstlosen Ziel verschrieben, Waisen und verarmten, sowie gesundheitlich beeinträchtigten Jungen aus den Bergdörfern der Umgebung ein neues Zuhause zu geben. Die Jungen werden hier als Novizen aufgenommen, mit ausreichend Essen versorgt, bekommen medizinische Hilfe und erhalten Lektionen im Buddhismus, im Thaiboxen, in schulischen Basisfertigkeiten, im Reiten und im Landschaftsbau. Das Ziel ist es, den Kindern ein erfülltes Leben zu ermöglichen und sie so zu schulen, dass sie in der Lage sind, selbstverantwortlich und mit Rücksicht auf die Natur und ihre Mitmenschen den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten.

Meinung zum Film:
Der niederländische Dokumentarfilmer Mark Verkerk begleitete mit seinem Filmteam für "Buddha's Lost Children" ein Jahr lang das Leben im Kloster zum Goldenen Pferd, um es in Bild und Ton festzuhalten. Die Dokumentation des bis dahin wenig bekannten Regisseurs errang auf Anhieb zahlreiche internationale Auszeichnungen, wie die Silberne Taube beim Festival "DOK Leipzig" 2006 oder den Documentary Award beim "AFI Fest" in Los Angeles 2006. Der Kinofilm wird von Ascot Elite in einer umfangreichen 2-Disc-Special Edition im illustrierten Digipak und in einem optisch ansprechenden Schuber veröffentlicht.

Auch wenn das Kloster zum Goldenen Pferd sich beispielsweise auch dem Kampf gegen die Drogensucht verschrieben hat und Drogenabhängige aufnimmt, hat sich Regisseur Verkerk inhaltlich vor allem darauf konzentriert, die "subtile, schrittweise Entwicklung der Jungen" von der Aufnahme im Kloster an in den Mittelpunkt zu stellen. Deshalb hat er sich auch zur Personalisierung der Dokumentation und zur stärkeren emotionalen Anbindung der Zuschauer entschieden, die beiden Novizen "Suk" und "Pan Saen" neben dem Lehrmeister Phra und der Nonne Khun Ead als zentralen Identifikationsfiguren den meisten Raum einzuräumen. Die Dokumentation setzt vor allem auf eindrucksvolle Naturaufnahmen der Region und auf Alltagsbilder der Novizen, die dort langsam beginnen, ihre Persönlichkeit zu entfalten, und im Einklang mit der Natur und sich selbst ihr Glück gefunden zu haben scheinen. Verkerk lässt neben der emotionalen Komponente vor allem die Bilder für sich selbst sprechen. Diese Bilder des Friedens und der Harmonie, kombiniert mit der entspannenden Musikkulisse dürften bei westlichen Zuschauern eine beinahe surreale Wirkung entfalten und sie in eine Welt entführen, die von der heutigen Zeit beinahe abgekoppelt erscheint.

Leider gibt es aufgrund dieser Herangehensweise kaum weiterführende Erläuterungen und Kommentare bzw. harte Fakten. Die deutsche Synchronisation in Form eines Voice-over beschränkt sich nämlich auf die Übersetzung der O-Töne der Personen im Kloster. Die Herangehensweise der Dokumentation wirkt somit vor allem wie eine sehr passive, teilnehmende Beobachtung, die besonders Personen anspricht, die eher visuell veranlagt sind oder nach Frieden und Entspannung streben. Eher auf Fakten hinarbeitende Menschen werden aber das Fehlen elementarer Hintergrundinformationen im Hinblick auf den Buddhismus selbst, der immerhin den zentralen Ausgangspunkt des gesamten Klosters und seiner Bewohner ausmacht, ebenso bemängeln wie dünne Informationen zu den Tagesabläufen der Novizen, zum Spendenaufkommen des Klosters oder auch fehlende Nachforschungen zur Erfolgsquote des Klosters, also zum weiteren Werdegang vorheriger Novizen.


Digitale Aufarbeitung:
Die Bild- und Tonqualität der DVD bewegen sich für eine Dokumentation in jeder Hinsicht auf einem angenehm hohen Level und bieten keinerlei Anlass zur Klage.

Das Bonusmaterial beeindruckt den unbedarften Zuschauer zunächst mit seiner immensen Gesamtlaufzeit von fast viereinhalb Stunden (266:52 Minuten). Es ist über die beiden DVDs verteilt und komplett deutsch untertitelt. Auf der ersten DVD befindet sich lediglich die Dokumentation "Die Rückkehr..." (52:43) aus dem Jahr 2008. Sie schließt inhaltlich direkt an den Hauptfilm an, da Regisseur Verkerk eineinhalb Jahre nach seinem Besuch erneut das Kloster aufsucht. Dort führt er auch seinen fertigen Film vor. Es ist zwar interessant zu sehen, wie sich die Novizen und das Kloster selbst in der Zwischenzeit weiterentwickelt haben, leider wird dieses Feature aber durch Szenen des Kinofilms unnötig in die Länge gezogen und wirkt teilweise auch etwas zu sprunghaft in der Themenwahl. Der Rest des Bonusmaterials befindet sich komplett auf der zweiten DVD. Wie der Regisseur in einer kurzen Einleitung erläutert, handelt es sich hier in erster Linie um Szenen, die dem Schneidetisch zum Opfer fielen, also erweiterte oder komplett weggefallene Aufnahmen. Im Bereich "Charakterbilder" gibt es sieben Szenen mit zusätzlichem Background über die wichtigsten Personen der Dokumentation mit Laufzeiten von 3-11 Minuten. Der Bereich "Lieblingsszenen" umfasst gleich 20 Aufnahmen mit Laufzeiten von 2-19 Minuten. Das beinhaltet z.B. weitergehende Informationen zur Pferdehaltung des Tempels, den Tagesabläufen der Novizen oder auch zum Kickboxtraining. Insgesamt finden sich in diesen weggefallenen Szenen durchaus einige zentrale Informationen, die man im Film vermisst. Allerdings besitzt der Großteil des Materials leider keinen gesteigerten Informationswert und bietet auch optisch kaum neue Impressionen. Nervtötend ist zudem die fehlende Menüoption, mehrere oder gar alle Szenen auf einmal abspielen zu können. Abgerundet wird der Bonusbereich durch den Film "Looking for Buddha" (34:54) von Cara Verkerk, der jugendlichen Tochter des Regisseurs, der allerdings eher als kommentiertes Urlaubsvideo zu sehen ist und auch keine wirklich neuen Filmaufnahmen der Tempelregion zu bieten hat. Zudem finden sich auf der DVD noch die Kurzbeiträge "Der erste Besuch" (1:04), "Spenden" (2:33), mit Infos zur Herkunft der Tempelspenden und der Möglichkeit selbst zu spenden, ein Teaser und der deutsche Kinotrailer.

Fazit:
"Buddha's Lost Children" ist eine Dokumentation, die besonders auf der visuellen Ebene punkten kann und neben eindrucksvollen Naturaufnahmen vor allem emotional anrührende Bilder der Hoffnung und des Friedens inmitten einer von Armut und Entbehrungen geprägten Region vermitteln kann. Hinsichtlich der Vermittlung von harten Fakten bezüglich dieses selbstlosen Projekts weist der Film jedoch eindeutige Schwächen auf, gerade der Verzicht auf einen erläuternden und vertiefenden Kommentar kann deshalb auch durch das umfangreiche Bonusmaterial nicht komplett überdeckt werden. Technisch ist diese Veröffentlichung über jeden Zweifel erhaben.


Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 06
1,78:1
1,78:1
93:42 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Thailändisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Englisch, Niederländisch
Bonusmaterial:
  • Dokumentation "Die Rückkehr..." von Mark Verkerk
  • Deleted und Extended Scenes: "Charakterbilder" und "Lieblingsszenen"
  • Dokumentation "Looking for Buddha" von Cara Verkerk
  • "Der erste Besuch"
  • "Spenden"
  • Teaser
  • Deutscher Kinotrailer
Buddha's Lost Children - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Buddha's Lost Children
Buddha's Lost Children

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Visuell eindrucksvolle Dokumentation über ein erstaunlich wirkungsvolles Klein-Projekt zur Förderung benachteiligter Jugendlicher


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Niederlande, 2006
Regie:
Mark Verkerk

Label Deutschland :
Ascot Elite
Verkaufsstart Deutschland :
11.12.2008