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DVD-Besprechung - Funny Games U.S.

Story:
George (Tim Roth), seine Frau Ann (Naomi Watts) und ihr Sohn Georgie (Devon Gearhart) freuen sich auf ein paar freie Tag in ihrem Ferienhaus am See. Dort angekommen fühlen sie sich in der idyllischen Ruhe gleich geborgen, doch mit dem Eintreffen der mysteriösen Paul (Michael Pitt) und Peter (Brady Corbet) wird die abgeschiedene Lage schnell zur Grundlage für den Terror.

Meinung zum Film:
„Funny Games U.S.“ ist das Remake des 1997 in Österreich gedrehten „Funny Games“. Regisseur und Drehbuchautor Michael Haneke („Code: Unbekannt“) verspürte offenbar den Drang, seinen bereits in den späten 90ern für zwiespältige Meinungen beim Publikum sorgenden Streifen, auch in den USA mit größerer Aufmerksamkeit an den Zuschauer zu bringen. Und gemäß dem amerikanischen Geschmack bedarf es dazu eines Remake, Filme mit Untertiteln oder Synchronisation sind im Land der unbegrenzten Möglichkeiten einfach nicht gewünscht. Das Besondere an dem Remake ist, dass der Film eine nahezu identische Kopie des Originals ist und im Grunde lediglich die Schauspieler ausgetauscht wurden. Wer bereits die österreichische Fassung des Films kennt, hat von daher eigentlich nur wenig Grund, sich die neue Fassung anzusehen. Die Diskussionen um den Inhalt des Films wurden bereits hinreichend über die Jahre geführt und die Lager derjenigen, die „Funny Games“ für ein Meisterstück halten und die Gegenstimmen, die von sinnlosem Schwachsinn reden, werden sich auch durch die Neuinszenierung sicherlich keinen Zentimeter von ihrem Standpunkt bewegen. Der Film dürfte weiterhin die Arthouse-Freunde begeistern, die für ihr Leben gerne versuchen, die Aussage eines Films in ihrer ganzen Vielschichtigkeit zu deuten. Wer einen Film aber einfach nur genießen möchte, ohne sich dabei stundenlang mit einer sehr offenen Deutung zu beschäftigen, rümpft auch nach dieser Version nur abwertend die Nase.

Mit Naomi Watts („King Kong“) konnte der Filmemacher eine bekannte Hauptdarstellerin gewinnen, die zudem auch noch ihre Zuversicht in den Filmstoff zum Ausdruck brachte, indem sie sich als ausführende Produzentin an der Umsetzung beteiligte. Tim Roth („Der unglaubliche Hulk“) übernahm die Rolle des terrorisierten Familienvaters und wurde damit ein wenig gegen seine üblichen Charaktere besetzt. Spätestens seit seiner Darbietung des Mr. Orange in Quentin Tarantinos „Reservoir Dogs“ kam er meist dann zum Einsatz, wenn es eines skrupellosen Zeitgenossen bedurfte. In „Funny Games U.S.“ findet er sich ausnahmsweise mal am anderen Ende der Nahrungskette wieder. Allerdings wollen Watts und Roth als Ehepaar nicht so recht harmonisieren, was der Stimmung des Films nicht gerade weiterhilft. Die beiden Eindringlinge sind genauso blass und anonym wie schon im Original. Sie treten als widerliche Schnösel ohne Gewissen auf, die weder eine Motivation erkennen lassen, geschweige denn auch nur den Funken eines Hintergrunds haben.

Zu Beginn des Films geht es noch recht konventionell los. Die beiden elitär auftretenden Psychopathen verschaffen sich Zugang in das heile Leben einer glücklichen Familie und stellen dieses innerhalb weniger Minuten vollständig auf den Kopf. Was dann folgt, weicht dann aber immer mehr von üblicher Erzählform ab und endet immer mehr in einem quälenden Kampf. Für die Einen deshalb quälend, weil man sich in die belastende Ruhe der Protagonisten versetzen kann. Für die Anderen aber nur wegen eines quälend – wegen der immer mehr einsetzenden Langeweile, die im minutenlangen Nichts ihren Höhepunkt erlangt, während dem sich zwei der Opfer in der aktuellen Situationen ganz langsam klimatisieren. Wenn im Finale dann eine Fernbedienung zum Einsatz kommt, sind wirklich nur noch die intellektuellen Zuschauer bei der Stange, die im Film das gleichgültige Spiel der Reichen mit dem Schicksal ihrer Mitmenschen sehen, indem sie die Dinge drehen und wenden wie es ihnen passt, während ein Großteil des Publikums bereits sanft entschlummert ist oder gar schon die „Stop“-Taste auf der Fernbedienung betätigt hat.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild macht vor allem hinsichtlich der Schärfe keinen sonderlich guten Eindruck. Schon gleich zu Beginn wird durch die matschig wirkenden Titeleinblendungen klar, dass in diesem Punkt klare Abstriche gemacht werden müssen. Zudem ist den ganzen Film über immer wieder feines Rauschen zu erkennen. Der deutsche Ton ist durchweg gut verständlich und teilweise gibt es auch im hinteren Bereich was zu vernehmen.

Als einziges nennenswerte Extra gibt es eine Reihe sehr kurzer Interviews, in denen unter anderem Regisseur Michael Haneke kurz über seine Erfahrungen mit einer US-Produktion berichtet und Naomi Watts über ihre Faszination in Bezug auf den Filmstoff erzählt. Die englisch sprechenden Interviewpartner muss man als Zuschauer allerdings an Hand des gesprochenen Wortes verstehen, da keine Untertitel vorhanden sind. Da die Aussagen aber ohnehin mehr als knapp ausfallen und kaum nennenswerte Informationen enthalten, ist der Verlust überschaubar. Des Weitern finden sich noch eine Fotogalerie und der US-Trailer zum Film auf der DVD.

Fazit:
„Funny Games U.S.“ ist ein mit dem Original so ziemlich identisches Remake, das weiterhin für kontroverse Diskussionen sorgen wird, und dabei weiterhin den Großteil eher gelangweilt zurück lässt. Nur wer sich mit intellektuellem Gewaltkino mit weiter Auslegungsfreiheit anfreunden kann, wird hier auch seinen Spaß haben. Alle anderen machen besser einen weiten Bogen um die witzigen Spiele.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 18
1,85:1
1,85:1
107:12 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte
Bonusmaterial:
  • Interviews
  • Fotogalerie
  • US-Trailer
Funny Games U.S. - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Funny Games U.S.
Funny Games U.S.

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
So sinnlos wie die Gewalt im Film ist, so sinnlos wird der Film für viele Zuschauer sein


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2007
Regie:
Michael Haneke
Drehbuch:
Michael Haneke
Darsteller:
Naomi Watts, Tim Roth, Michael Pitt, Brady Corbet, Devon Gearhart, Siobhan Fallon, Boyd Gaines, Robert LuPone, Susanne Hanke, Linda Moran

Label Deutschland :
X Edition
Verkaufsstart Deutschland :
31.10.2008