 |
DVD-Besprechung - Das Königreich der Yan (Special Edition)
Story:
China 370 Jahre v. Chr. Die befeindeten Königreiche Yan und
Zhao kämpfen in einem grausamen Krieg um die
Vorherrschaft. Auf dem Schlachtfeld ermordet der
machtgierige Yan-Krieger Wu Ba hinterlistig seinen eigenen
König. Um den Frieden im Land wiederherzustellen, ordnet
General Muyong (Donnie Yen) eine militärische Ausbildung für
die Thronfolgerin Prinzessin Yen (Kelly Chen) an. Als einer von
ihren Widersachern versucht, sie kaltblütig umzubringen, wird
Yen von einem mysteriösen Fremden (Leon Lai)
gerettet. Dieser - einst mächtigster Krieger des Landes - bereitet
sie nun auf ihre Aufgabe, das Königreich zu führen, vor. Nach
einem erneuten Anschlag auf die Yan erkennt Prinzessin Yen
ihre wahre Bestimmung: Sie weiß fortan, dass das Schicksal
des ganzen Volkes in ihren Händen liegt.
Meinung zum Film:
Ja, selbst für Könige und Kaiser ist das Leben nicht immer leicht. Das muss auch König Yan (Weihua Liu) merken, als er im Kampf mit den verfeindeten Zhao so schwer verletzt wird, dass er kurz darauf stirbt. Zuvor hat er jedoch noch veranlasst, dass sein Adoptivsohn, General Muyong (Donnie Yen), das Ruder übernehmen soll. Es gibt zwar noch den Neffen Wu Ba, doch da der ein hinterhältiger Fiesling ist, der auch vor Mord nicht zurückschreckt, setzt der König lieber sein treues Pflegekind ein. Muyong ist aber natürlich nicht auf den Kopf gefallen und verkündet schnell, dass es der letzte Wille des Königs gewesen sei, Prinzessin Feier (Kelly Chen) zu seiner Thronfolgerin zu machen. Cleverer Schachzug (schließlich würde eine Waise als König eher ungern gesehen) - dumm nur, dass Feier so überhaupt nicht kämpfen kann und der hinterhältige Wu Ba nur auf seine Chance wartet, die Herrschaft an sich zu reißen. Um sich zu behaupten, muss die Prinzessin also zu kämpfen lernen ...
"Das Königreich der Yan" hat viel Potenzial, das jedoch kaum ausgeschöpft wird. Die Story wirkt insgesamt einfach viel zu unglaubwürdig und wenig überzeugend. Beispielsweise überlässt Muyong Feier den Königsposten nicht nur, weil sie die Tochter des bisherigen Herrschers ist, sondern auch, weil "das Volk sie liebe". Das mag ja eine schöne Motivation sein, doch wenn man sich fragen muss, von wem er da denn überhaupt spricht, ist das wenig glaubhaft. Der Film dreht sich um den Kampf zweier riesiger Königreiche, doch von den Einwohnern sieht man nichts. Hier mal ein paar Krieger, da mal ein paar Soldaten - eine Armee kurz vor der Schlacht ist schon das höchste der Gefühle. Doch vom wirklichen Volk sieht man selbst dann nichts, als Feier durch Stadt und Land streift. Und leere Kulissen sind in einem Möchtegern-Historienfilm, der geradezu nach Massenszenen schreit, dann doch reichlich dröge.
Noch weniger glaubhaft ist allerdings die fast schon fröhliche Leichtigkeit, die "Das Königreich der Yan" über weite Strecken an den Tag legt. Die Zerstörung des Königreichs steht bevor, doch was macht Prinzessin Feier? Nachdem sie ein paar Minuten lang ernst und entschlossen scheint, wird sie kurz darauf zum lustig-lockeren kleinen Mädchen, als sie nach einem gescheiterten Attentat beim freundlichen Heiler Duan Lanquan (Leon Lai) landet, der sie pflegt. Er lebt in einem riesigen Baumhaus, das wie eine Mischung aus "Star Wars" und "Teddy Ruxpin" aussieht, und bastelt den lieben langen Tag an einem seltsamen Heißluftballon. Ja, hört sich albern und selten dämlich an, ist es auch. Die komplette Baumhaus-Sequenz wirkt wie aus einem anderen Film und passt überhaupt nicht in die Storyline von "Das Königreich der Yan". Natürlich verliebt sich Feier dann auch noch in den Weisen aus dem Baumhaus (der, wie sich herausstellt, einst ein mächtiger Krieger war) und alle könnten glücklich sein, wenn sich die Prinzessin oder vielmehr Königin nicht irgendwann die Probleme, die es daheim immer noch gibt, ins Gedächtnis rufen würde.
Der Film kann tolle Aufnahmen vorweisen und die Action ist auch ganz nett - mit Donnie Yen ("Hero", "Blade II") als wildem Krieger kann man eben nie was verkehrt machen -, aber das Drehbuch ist einfach unsagbar blöd und Kelly Chen, die hier gewisse Ähnlichkeiten zu Jessica Biel aufweist, kann man die Rolle der tapferen Krieger-Prinzessin wirklich nicht abnehmen. Die Schauspielerin, die in erster Linie im Genre der romantischen Komödien beheimatet ist, erweist sich als völlige Fehlbesetzung, da sie es nicht schafft, der Rolle gerecht zu werden, und nach einigen krampfhaften Versuchen schnell wieder in ihr typisches Standardschema verfällt. In den absurden Baumhaus-Szenen, in denen man erwartet, dass jede Sekunde ein lustig singender Ewok um die Ecke kommt, passt das sogar ironischerweise ganz gut, doch gibt Kelly Chen einfach keine glaubhafte Kriegerin ab. Wenn sie in der Trainigs-Montage-Szene von Donnie Yen immer wieder eins auf die Nase bekommt, wird schnell deutlich, dass sie im Kampf gegen General Muyong oder sonstige Krieger keine Sekunde standhalten könnte. Kann der Film trotzdem Spaß machen? Ja, er kann. Denn die Action ist nicht schlecht und die Rollen sind zwar zum Teil fehlbesetzt, aber die Darsteller zumindest sympathisch. Wer sich an der dämlichen Story nicht stört, bekommt hier einen Film geboten, der einem zwar kaum in Erinnerungen bleiben wird, aber immerhin für seichte 90 Minuten an anspruchsloser Unterhaltung sorgt.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild der DVD ist klar, scharf und gefällt durch kräftige, natürliche Farben. Rauschen macht sich nicht unangenehm bemerkbar, allerdings sorgt die Kompression für leichte Unruhen. Der Ton liegt auf Deutsch und Mandarin in Dolby Digital 5.1 vor. Insgesamt ist er etwas frontlastig, doch in den gelegentlichen Kampfszenen gesellen sich zur Hintergrundmusik dann auch mal ein paar Effekte Richtung Rears.
Als Bonusmaterial gibt es neben dem Trailer ein ganz interessantes 23-minütiges Making Of, das Aufnahmen vom Dreh und Interviews enthält. Für eine "Special Edition" ist das allerdings etwas mager ...
Fazit:
"Das Königreich der Yan" hat eine furchtbar dämliche Story und eine furchtbar fehlbesetzte Hauptdarstellerin. Wenn einen das nicht stört, kann der Film trotzdem für anderthalb einigermaßen unterhaltsame Stunden sorgen, denn die Action kann sich größtenteils sehen lassen und die Schauspieler sind sympathisch. Die DVD präsentiert den Film in guter Qualität, hat aber für eine "Special Edition" reichlich wenig Bonusmaterial zu bieten.
Technische Daten:
|
FSK-Freigabe:
|
Bildformat:
|
Laufzeit:
|
|
|
2,35:1
|
90:54 Minuten
|
|
Sprachen / Tonformate:
|
Deutsch Dolby Digital 5.1 | Mandarin Dolby Digital 5.1 |
|
Untertitel:
|
|
Deutsch, Niederländisch |
|
Bonusmaterial:
|
|
|
|  |
Das Königreich der Yan
Kong saan mei yan
Die chinesische Jessica Biel trifft auf Teddy Ruxpin und die Ewoks ...
Autor der Besprechung:
Jano Rohleder
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Hongkong / China, 2008 Regie: Siu-Tung Ching Drehbuch: James Yuen, Cheung Tan Darsteller: Donnie Yen, Guo Xiao Dong, Kou Zhen Hai, Kelly Chen, Leon Lai
Label :
Splendid Entertainment
Verkaufsstart : 02.01.2009
|