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DVD-Besprechung - Arn - Der Kreuzritter
Story:
Arn Magnusson (Joakim Nätterqvist), der Sohn eines schwedischen Adligen, wird bereits als kleiner Junge zur christlichen Erziehung in die Obhut eines Klosters übergeben. Als er sich jedoch in Cecilia Algotsdotter (Sofia Helin) verliebt und diese schwängert, werden beide das Opfer einer Intrige. Während Cecilia für 20 Jahre als Nonne ins Kloster verbannt wird, muss Arn über den selben Zeitraum als Tempelritter im heiligen Land an den Kreuzzügen teilnehmen. Während sich Arn als tapferer Kämpfer erweist und Cecilia im Kloster aufgrund der Schikanierungen durch die Mutter Oberin Rikissa (Bibi Andersson) zu verzweifeln droht, wächst ihr gemeinsamer Sohn Magnus ohne Eltern auf.
Meinung zum Film:
"Arn der Kreuzritter" beruht auf einer Romantrilogie des schwedischen Autors Jan Guillou. Dessen bekannteste literarische Werke sind seine Spionagethriller über den schwedischen Geheimagenten Graf Carl Hamilton, von denen bereits sieben Werke verfilmt wurden. Zudem lieferte er auch die literarische Vorlage des schwedischen Internatsdramas "Evil", deren Verfilmung durch Mikael Håfström ("Zimmer 1408") im Jahr 2003 sogar eine Oscarnominierung erhielt. Wie bereits dort war auch im Fall von "Arn - Der Kreuzritter" Hans Gunnarsson für das Drehbuch verantwortlich. Das bekannteste Gesicht der überwiegend skandinavischen Besetzung ist Stellan Skarsgård ("WAZ"), der allerdings nur eine Nebenrolle bekleidet, während die Hauptrolles des Arn von Joakim Nätterqvist übernommen wird. Dieser hat zwar als Darsteller bisher keine großen Erfolge vorzuweisen, wurde dafür aber 2007 vom Plaza Magazine zum "Sexiest Man in Sweden" gewählt. Die drei Romane um das Leben des historisch verbürgten Kreuzritters Arn Magnusson, der in Schweden als Staatsgründer und Nationalheld verehrt wird, wurden in Skandinavien mit den beiden teuersten schwedischen Kinofilmen aller Zeiten, "Arn - Tempelriddaren" (139 Minuten) und "Arn - Riket vid vägens slut" (128 Minuten), adaptiert. Für die weltweite Vermarktung wurden diese beiden Kinofilme, die in Schweden alle Kassenrekorde brachen, jedoch bei der einheimischen Kritik durchfielen, schließlich zu der vorliegenden "Internationalen Fassung" komprimiert bzw. verschmolzen.
"Arn - Der Kreuzritter" ist das Paradebeispiel für eine missglückte Literaturverfilmung. Bereits bei der ursprünglichen Reduktion der drei Romane, die ihre Schwerpunkte auf Arns Kindheit im Kloster, Arns Dienst als Tempelritter bei den Kreuzzügen und Arns politisches Wirken nach seiner Rückkehr in die Heimat setzten, auf nur noch zwei Filme ging einiges von der literarischen Vorlage verloren. Mit der Verschmelzung beider Fassungen zu einem einzigen Film mit etwas weniger als der Hälfte der Gesamtspielzeit haben sich die Verantwortlichen konzeptionell aber endgültig auf böse Irrwege verstiegen. Sämtliche im Film auftauchenden Personen verbleiben als reine Schablonen ohne jegliche Tiefe, was auch in deren spärlichen Dialogzeilen begründet liegt. Auch bei dem Titelhelden Arn findet im Verlauf des Films keinerlei charakterliche Entwicklung statt. Sein tief verwurzelter, religiöser Glaube als zentrales Element seines Charakters verbleibt ein Mysterium da seine Zeit im Kloster ausgeblendet wird. Insgesamt wirkt der Film durch die vielen Straffungen oftmals sehr abgehackt. Die Geschichte erscheint extrem oberflächlich und transportiert auch keinerlei historisches Hintergrundwissen, was gerade im Hinblick auf die skandinavischen Clanfehden die Nachvollziehbarkeit der Geschehnisse extrem erschwert.
Interessanterweise wirkt der Film überhaupt nicht wie eine skandinavische Filmproduktion. Es könnte sich hier angesichts der im Fokus stehenden oberflächlichen Schauwerte auch um einen typischen Hollywoodstreifen handeln. Handwerklich ist der Film dann in den Bereichen der Ausstattung, der Locations und der Kameraführung auch ohne jeden Fehl und Tadel, aber wehe, es kommt zu einer der rar gesäten kriegerischen Auseinandersetzungen auf dem Schlachtfeld. Von Massenszenen kann hier nämlich bei den aufmarschierenden Schlachtenreihen keine Rede sein, was durch faule Tricks übertüncht werden soll. Dabei handelt es sich vorwiegend um blitzartig aneinander gestückelte Close-Ups einzelner Kämpfer. Trotzdem bleibt es bei dem korrekten Eindruck, dass sich hier selten mehr als 20 Kämpfer gleichzeitig gegenüber stehen. Zudem sind diese Actionsequenzen so kurz, dass der Zuschauer kaum die Zeit hat, sich wirklich über deren amateurhafte Machart aufzuregen. Trotz der gerafften Erzählweise des Films wird die Geschichte auch noch sehr langatmig vorgetragen. Passiert nämlich wider Erwarten doch mal etwas im Heiligen Land, erstickt der Film blitzschnell jede Dynamik der Ereignisse, indem er den Schauplatz wechselt und zu Cecilias misslicher Lage im Kloster überblendet. Diese ständigen, unnötigen Parallelmontagen der beiden Liebenden betonen in bester Traumfabrikmanier noch einmal den typischen Kitschfaktor vergleichbarer US-Produktionen. Und auch die dort üblichen, unglaubwürdigen Drehbuchkniffe, die nur auf den Effekt abzielen, dürfen hier nicht fehlen. So ist beispielsweise der spätere Befehlshaber der Tempelritter dem Helden Arn alles andere als wohlgesonnen, und erst dessen Missgunst begründet letztendlich die vernichtende Niederlage aller Kreuzritter.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild der DVD überzeugt mit guten Schärfewerten, kräftigen und natürlichen Farben sowie einem stets ausgewogenen Kontrast. Bildrauschen ist nur minimal vorhanden und auch die Kompression verhält sich unauffällig. Die Originaltonspur besteht aus einem Gemisch zahlreicher Sprachen wie z.B. Schwedisch, Englisch und Arabisch. Alle Tonspuren bieten stets eine gute Verständlichkeit, Raumklang liegt aber in erster Linie bei den nicht gerade zahlreichen Actionsequenzen vor.
Die Extras der Leih-DVD sind sehr sparsam ausgefallen. Sie beinhalten lediglich den englischen Originaltrailer, den identischen deutschen Trailer und einen Kapitelauszug des Romans "Der Kreuzritter - Aufbruch" im Umfang von mickrigen zehn Texttafeln. Die Kauf-DVD wird zusätzlich noch ein Making Of und ein Interview mit dem Autor der Romanvorlage enthalten.
Fazit:
"Arn - Der Kreuzritter" reduziert und komprimiert seine literarische Vorlage auf eine Art und Weise, die selbst ohne deren Kenntnis den oberflächlichen und sprunghaften Charakter des Films nicht mehr akzeptabel wirken läßt. Auch wenn die Verfilmung über eine sehr ansprechende Bildsprache verfügt, wird insgesamt nur der Stil typischer Hollywoodproduktionen kopiert und im Zuge dessen auch noch deren schlimmste Fehler reproduziert. Allerdings kann die vorliegende Produktion diese Mängel, anders als Großproduktionen aus der Traumfabrik, leider nicht durch actionreiche Massenszenen und eindrucksvolles Effektkino kaschieren.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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2,35:1
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128:05 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Deutsch DTS 5.1 | Schwedisch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Originaltrailer
- Deutscher Trailer
- Kapitelauszug aus dem Roman "Der Kreuzritter - Aufbruch" von Jan Guillou
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Arn - Der Kreuzritter
Arn - Tempelriddaren / Arn - Riket vid vägens slut
Eine missglückte schwedische Literaturverfilmung im kitschigen Hollywoodstil
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland / Dänemark / Finnland / Großbritannien / Norwegen / Schweden, 2007 / 2008 Regie: Peter Flinth Drehbuch: Hans Gunnarsson (basierend auf der Roman-Trilogie von Jan Guillou) Darsteller: Joakim Nätterqvist, Sofia Helin, Bibi Andersson, Morgan Alling, Stellan Skarsgård, Milind Soman, Julia Dufvenius, Thomas W. Gabrielsson
Label :
Sunfilm Entertainment
Verkaufsstart : 20.02.2009
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