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DVD-Besprechung - Der nackte Krieg

Story:
"Der Nackte Krieg" schildert das Kriegsgeschehen des 2. Weltkriegs, vornehmlich aus Perspektive der Amerikaner. Die Konzentration liegt dabei auf dem Seekriegsgeschehen im Pazifikraum.

Meinung zum Film:
Bei der angeblichen Dokumentation der "Der Nackte Krieg" handelt es sich um einen rund 64-minütigen Zusammenschnitt der 1952 entstandenen NBC-Fernsehreihe "Victory at Sea". Diese Serie umfasste insgesamt 26 Episoden mit einer Laufzeit von jeweils etwa 30 Minuten. Heute würde allerdings wohl niemand mehr auf die Idee kommen, "Der Nackte Krieg" als Dokumentation zu bezeichnen. Der Film verwendet ausschließlich Filmmaterial aus der Zeit des 2. Weltkriegs. Die ungenannten Quellen scheinen aber vor allem Propagandamaterial zu umfassen und weniger "spontane" bzw. neutrale Privataufnahmen. Diese Aufnahmen werden von einem pathetischen Erzähler begleitet, der zusammen mit der monumentalen Musikuntermalung, von Richard Rodgers respektive Robert Russell Bennett, bewusst den Eindruck eines spannunsvollen Unterhaltungsfilms entstehen lässt, der das Kriegsgeschehen auf ein patriotisches Spektakel mit etwas Nervenkitzel reduziert.

Alleine der Ansatz, eine Serie mit einer Laufzeit von rund 780 Minuten auf einen rund 64-minütigen Film zu reduzieren, trägt bereits die Saat des unausweichlichen Scheiterns in sich. Das dargestellte Geschehen wirkt bruchstückhaft und führt immer wieder zu riesigen, unmotivierten zeitlichen und räumlichen Sprüngen. Besonders die seltenen Ausflüge auf die europäischen Kriegsschauplätze wirken in ihrer Substanzlosigkeit geradezu erbärmlich. Jedoch strebt der Informationsgehalt der vermeintlichen "Dokumentation" insgesamt gegen Null. Das verwendete Material besteht offensichtlich zu großen Teilen aus amerikanischem Propagandamaterial, das keinesfalls als authentisch gelten kann und somit, bereits ohne die eher willkürliche Montage, einen gestellten Charakter besitzt. Weiterhin besitzt die Dokumentation keinerlei Quellenangaben, welches Material wann, wo und wie verwendet wurde. Der Erzähler hingegen kommentiert voller Pathos und mit viel Dramatik die Bilder ohne wirklich brauchbare Hintergrundinformationen mitzuteilen und fungiert vielmehr als Stichwortgeber und Plattitüden-August. Diese oberflächlich-dämlichen Kommentare erwecken, in Kombination mit der eindrucksvollen, orchestralen Musikuntermalung, die für eine Dokumentation leider vollkommen unpassend wirkt, aus heutiger Perspektive vor allem den Eindruck unfreiwilliger Komik.

Auch das verwendete Bildmaterial kann heute keinen müden Hund mehr hinter dem Ofen hervorlocken. Mehr als 50 Jahre nach Entstehung des Films wurde die Öffentlichkeit mittlerweile Dokumentationen über den zweiten Weltkrieg überschwemmt, die sich gegenseitig mit immer spektakuläreren Filmaufnahmen, teilweise sogar in Farbe, überboten. Zu seiner Entstehungszeit und in einem Kinosaal mögen diese Bilder wohl Eindruck gemacht haben, diese Wirkung kann aber heute nicht mehr wiederholt werden.

Digitale Aufarbeitung:
Die "Dokumentation" selbst hat bereits rund 55 Jahre auf dem Buckel und das verwendete, originale Filmmaterial aus Kriegszeiten ist noch älter, was der DVD auch zu jeder Zeit anzusehen ist. Das Bild ist übersät mit Defekten und Verschmutzungen, das starke Bildrauschen erinnert zudem eher an einen Schneesturm. Der Bildstand neigt ebenfalls zur Unruhe und sowohl die Bildschärfe als auch der Kontrast können nicht überzeugen. Die klare, deutsche Tonspur bietet hingegen keinen Anlass zur Klage.

Auf der DVD befindet sich der deutsche Kinotrailer zu "Der Nackte Krieg". Außerdem gibt es im Bonusbereich der DVD auch noch den amerikanische Spielfilm "Die Hölle, der Schmerz & der Tod" (103:07), besser bekannt als "Hölle von Guam", aus dem Jahr 1962. Es handelt sich hier um ein typisches, naives US-Kriegsabenteuer der 60er-Jahre, das auf einer wahren Geschichte basieren soll. Darin hält ein auf sich allein gestellter Navy-Funker auf Guam tapfer seine nicht mehr vorhandene Stellung und organisiert den Widerstand gegen die japanischen Besatzer. So druckt er z.B. Flugblätter, die das "wahre" Kriegsgeschehen thematisieren, oder warnt eigene Kriegsschiffe vor den Inselgeschützen. Natürlich darf neben dem Patriotismus auch eine unglaubwürdige Love-Story mit einer Inselschönheit nicht fehlen. Es handelt sich hier um eine bestenfalls durchschnittliche Fließbandproduktion voller Klischees, die aufgrund ihrer technischen Präsentation allerdings noch weiter geschmälert wird. Die Bildqualität ist allerdings für einen rund 47 Jahre alten Film, der zudem lediglich einen Bonus darstellt, durchaus akzeptabel. Teilweise katstrophal ist aber dafür die deutsche Tonspur, die sich diverse Ton-Bugs in Form übler Aussetzer leistet und zudem wie ein größeres Kaminfeuer knackt und knistert. Dabei fällt der künstliche und verzerrt klingende Klang kaum noch ins Gewicht. Zudem wurde der Film an zumindest einer Stelle stümperhaft schlecht geschnitten, als der letzte Gefährte des Kriegshelden ums Leben kommt.

Fazit:
"Der Nackte Krieg" kann nach heutigen Standards auf keinen Fall als Dokumentation gelten, da es sich hier größtenteils lediglich um willkürlich montiertes, amerikanisches Propagandamaterial handelt, das von einem Erzähler ohne jedes Hintergrundwissen, aber mit viel gekünstelter Dramatik und erschreckender Oberflächlichkeit, kommentiert wird. Aufgrund des Alters des Films und der Herkunft des verwendeten, völlig unbearbeiteten Materials kann auch die technische Seite der DVD keine Jubelstürme auslösen, zumal gerade der bestenfalls durchschnittliche Bonusfilm im Bereich der Technik weitere Minuspunkte zum Gesamteindruck beisteuert.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,33:1
1,33:1
63:14 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • Deutscher Kinotrailer
  • Bonusfilm "Die Hölle, der Schmerz & der Tod"
Der nackte Krieg - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Der Nackte Krieg
Victory at Sea

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Ein zusammengestückeltes Nichts ohne jeden Informationsgehalt, in dem das Kriegsgeschehen zur billigen Unterhaltung für willige Patrioten verkommt


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1954
Regie:
Isaac Kleinemann
Drehbuch:
Richard Hanser, Henry Salomon

Label Deutschland :
Savoy Film
Verkaufsstart Deutschland :
09.01.2009