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DVD-Besprechung - Bloody Sunday - Blutsonntag
Story:
Im Jahr 1972 ist Nordirland an einem Scheideweg. Die Bevölkerung leidet unter den Repressalien der britischen Besatzer. Dennoch will man sich zu einem friedlichen Protestmarsch in Derry versammeln, der von Ivan Cooper (James Nesbitt), einem Parlamentsabgeordneten angeführt wird. Anfangs verläuft alles friedlich, doch dann werden die Demonstrierenden von der Polizei an Barrikaden aufgehalten. Aus unerfindlichen Gründen eröffnen britische Fallschirmjäger das Feuer auf die völlig unbewaffneten Demonstranten und 13 Personen werden unmittelbar erschossen, ein weiteres Opfer erliegt später seinen Verletzungen…
Meinung zum Film:
Der nordirische Konflikt ist in seiner gesamten Bandbreite kaum erfassbar. Oft genug war es so, dass im Westen kaum Sympathien bestanden haben, wenn Terroristen in Irland und Großbritannien Attentate verübt haben. Dies geschah mit Sicherheit auch in Unkenntnis der Geschichte des Konflikts, der bis ins Mittelalter zurück reicht. Dabei repräsentieren die Teilung Irlands im Jahr 1921 oder eben der Bloody Sunday nur einzelne, prägnante, historische Ereignisse. Letztendlich wird es vor allem das Massaker von 1972 gewesen sein, dass den Konflikt ultimativ verschärfte und der IRA einen erhöhten Zulauf verschaffte. In gewisser Weise trug Großbritannien eine Mitschuld an den Attentaten, die in den weiteren Jahren folgen sollten, darunter auch den Bloody Friday wenige Monate später in Belfast, bei dem die IRA 22 Bomben explodieren ließ. Rechtfertigen die Ereignisse vom Bloody Sunday die späteren Gewalttätigkeiten? Sicher nicht, aber es wird klar, warum dies alles passiert ist. Erstaunlicherweise wird erst dieser Film, der 30 Jahre nach der Tragödie entstanden ist, vielen in der britischen Bevölkerung überhaupt einen Einblick in die wahren Ereignisse gewähren. Viele hatten sich hinter den Untersuchungsbericht von Lord Widgery aus dem gleichen Jahr zurückgezogen. Und in diesem Untersuchungsbericht war davon ausgegangen worden, dass die Armee lediglich auf bewaffnete Angreifer gefeuert habe. Zeugenaussagen haben dem immer widersprochen. Und man darf sicherlich gespannt darauf sein, was eine neue Untersuchung hervorbringen wird, die 1998 von Tony Blair in Auftrag gegeben wurde und deren Ergebnis für Ende 2009 vorliegen soll.
Regisseur und Autor Paul Greengrass („Die Bourne Verschwörung“) war bis zu diesem Film eher als Fernsehregisseur bekannt und wurde in 2004 und 2007 durch die beiden Bourne-Filme einem breiten Publikum bekannt. Allerdings hatte er schon Bekanntschaft mit Geschichten gemacht, die auf wahren Ereignissen beruhen. Einmal davon abgesehen, dass sein Bruder Geschichtsprofessor ist, schrieb Greengrass auch ein Buch, das die Machenschaften des MI5 aufdeckte und das später von der britischen Regierung auf den Index gesetzt wurde. Beste Voraussetzungen also, um eine Geschichte aufzuarbeiten, die kontrovers ist und die maximalen politischen Sprengstoff enthält. Nun hat er mit „Bloody Sunday“ im Jahr 2002 den Goldenen Bären auf der Berlinale gewonnen und es wird wohl schwer fallen, der Jury zu widersprechen. Denn Greengrass hat einen perfekten Film inszeniert. Einen Film, der die Ereignisse von 1972 hautnah auf die Leinwand bringt. Greengrass hat sich dabei für einen dokumentarischen Stil entschieden, der durch einen starken Einsatz des Zooms hervorsticht. Man fühlt sich als Zuschauer geradezu ins Geschehen hinein gezogen. Selten gibt es Totalen zu sehen, meistens ist man direkt bei den Gesichtern der Darsteller und kann die Gefühle direkt miterleben. Sicherlich wirkt der Film dadurch immer wieder verwackelt, aber das soll ihm dabei nicht zum Nachteil gereichen.
Die Ausstattung des Films gerät aufgrund der aufwühlenden Ereignisse fast schon in den Hintergrund, aber man kann positiv anmerken, dass man sich sehr darum bemüht hat, das Nordirland der 70er Jahre wieder auferstehen zu lassen. Details wie die korrekte Kleidung sind sehr wichtig, um sich heimisch zu fühlen. Bleibt noch die Leistung der Darsteller zu vermerken. Sicher gibt es letztendlich nur eine echte Hauptperson und die wird von James Nesbitt („Murphy’s Law“) gespielt. Doch insgesamt hat Greengrass eine Schar talentierter, wenn auch unbekannter Gesichter vereinigt und es ist auch gut so, dass der Film keinen Glamour-Faktor hat, denn man wollte ja die Realität darstellen. Das wäre durch bekannte Darsteller gescheitert. Insgesamt ist ein Film heraus gekommen, der durch seine Intensität den Zuschauer mitreißt. Dabei hat sich Greengrass eng an die Darstellung der Nordiren gehalten, bei denen man sich aber inzwischen einig ist, dass diese auch der Wahrheit entspricht. Aber er hat auch die Angst der Soldaten gezeigt, die sicher in gewisser Weise in Panik geraten sind und falsche Entscheidungen getroffen haben. Und das ist der besondere Verdienst des Films, denn zwar werden einige Soldaten als kaltblütige Mörder gezeigt, sie werden aber insgesamt nicht über einen Kamm geschert. „Bloody Sunday“ kann insgesamt dabei helfen, diese grausame Episode der irischen Geschichte aufzuarbeiten. Etwas, was bereits zahlreiche namhafte Künstler versucht haben. Darunter auch U2, deren Song „Sunday Bloody Sunday“ im Abspann des Films zu hören ist.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild wirkt sehr natürlich, mit natürlichen Farben und einem sehr guten Kontrast. Der Sound liegt in Englisch und Deutsch in Dolby Digital 5.1 vor und bietet sehr viele Effekte auf allen Lautsprechern. Der Ton ist ein echter Ohrenschmaus, der den Zuschauer noch weiter in die Ereignisse hinein zieht.
Der Wunsch der Versöhnung wird in den rund 10 Minuten langen Interviews ebenso laut, wie auch ein paar Informationen, wie man den Film recherchiert hat. Dazu gibt es auch noch den Originaltrailer und einen Blick hinter die Kulissen, der die Aufnahmen an den Originalschauplätzen zeigt. Dieser ist trotz fehlenden Kommentars sehr interessant, denn Etliches wurde in großen Szenen gedreht und einfach mit der Kamera drauf gehalten.
Fazit:
„Bloody Sunday“ ist nichts für schwache Gemüter. Mit einem dokumentarischen Stil zieht Autor und Regisseur Paul Greengrass den Zuschauer in die Ereignisse von 1972 an, die letztendlich die Eskalation der Gewalt durch die IRA begründeten. Das ist Geschichtsunterricht der besonderen Art. Geschichtsunterricht, der aber auch die Hand zur Versöhnung reicht und zurecht mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet wurde.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,85:1
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102:41 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Englisch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Originaltrailer
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Interviews
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Hinter den Kulissen
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Bloody Sunday
Bloody Sunday
Der blutige Beginn eines blutigen Konflikts
Autor der Besprechung:
Bernd Glasstetter
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Großbritannien / Irland, 2002 Regie: Paul Greengrass Drehbuch: Paul Greengrass Darsteller: James Nesbitt, Allan Gildea, Gerard Crossan, Mary Moulds, Carmel McCallion, Tim Pigott-Smith, Nicholas Farrell, Christopher Villiers, James Hewitt, Declan Duddy, Edel Frazer, Joanne Lindsay, Mike Edwards, Gerry Hammond, Jason Stammers, Ken Williams, Bryan Watts, Simon Mann, Rhidian Bridge, Jonathan O'Donnell, David Clayton Rogers, Sean O'Kane, Thomas McEleney, Deirdre Irvine, Gerry Newton, Ross Macdonald, Jim Alexander, James Scott, Grainne Costello, Don Mullan, David Pearse, Charles Oakden, Kathy Kiera Clarke, Gerard McSorley, Bruce Alexander, Jason Muir, Tim Clark, Matt Ashenden, Daryl Auckland, Rita Hamill, Robert O'Conner, Kevin McCallion, James McLaughlin, Graham Harrison, Oliver Maguire, Darren Healy, Simon Emberley, Raymond Cullen, Tony Bates, Mark Redhead
Label :
Epix
Verkaufsstart : 30.01.2009
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