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The DescendantsLucky TroubleDas Todesspiel

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DVD-Besprechung - How to sell a Tit Wonder

Story:
Martin Baldauf beginnt seine "Karriere" als UN-Polizist, landet später eher zufällig als Fahrer bei "Busenwunder" Lolo Ferrari und wird schließlich sogar ihr Manager. Der damals 22-Jährige avanciert zum "jüngsten Manager Europas" und steht mit dem durch zweiundzwanzig "Schönheitsoperationen" vollkommen verschandelten, medialen Kunstobjekt Lolo Ferrari im Zenit seiner "Karriere". Dummerweise drückt dieser ihre 130cm-Oberweite aber nicht nur auf das zarte Gemüt. Die tablettensüchtige, depressive und alkoholsüchtige Ferrari kommt nämlich am 5. März 2000 unter mysteriösen Umständen ums Leben, wurde aber wahrscheinlich von ihren eigenen Implantaten erdrückt. Martin Baldaufs "Fünf Minuten Ruhm" scheinen somit bereits vorbei zu sein, bevor sie wirklich begonnen haben.Also muss schleunigst ein neues Busenwunder her und Baldaufs Wahl fällt auf das Seite-3-Girl Ashley Bond aus Manchester.

Meinung zum Film:
Bereits im Jahr 1998 drehte Steffen Jürgens ("Der Ärgermacher") einen Kurzfilm über den Manager von Lolo Ferrari, Martin Baldauf. Dieser Film trug den Namen "Stuhlberg - Der jüngste Manager Europas" und befindet sich auch im Bonusbereich der DVD. Anders als im aktuellen Kinofilm "Der Generalmanager..." hieß Martin Baldauf hier Daniel Luigi Stuhlberg und wurde von Jürgens selbst verkörpert, während Baldauf hier als Gag einen kurzen Gastauftritt unter seinem realen Namen bestritt. Geradezu prophetisch nahm dieser Film bereits den Tod von Lolo Ferrari, wenn auch auf eher makabre Weise, vorweg. Steffen Jürgens begleitete Martin Baldauf in Abständen bereits seit dem Jahr 1997. Nach dem Tod von Lolo Ferrari im Jahr 2000 und anlässlich Baldaufs Suche nach einer Nachfolgerin entstand schließlich die Idee für den Dokumentarfilm "Der Generalmanager...". Der Film feierte seine Premiere schließlich auf dem Filmfest München 2007.

Es handelt sich hier keineswegs um eine klassische Dokumentation, die sich kritisch mit dem Phänomen des D-Promis auseinandersetzt, der gerne C-Promis gewinnbringend vermarkten würde. Vielmehr handelt es sich um die begleitende, hautnahe Beobachtung eines Antihelden als Archetypen des medialen Totalversagers, der in einem knallharten Business mit einer Mischung aus Naivität, Penetranz und Unvermögen ganz groß herauskommen möchte. Dabei bedient sich die Dokumentation auch teils etwas zweifelhfater Methoden, wie dem aufdringlichen Dreh ohne Einverständnis. Am Ende mischt sich der Regisseur außerdem sogar selbst in die "Handlung" ein. Im Zentrum steht ganz klar Martin Baldauf, der bei seiner Promotion-Tour wirklich alle Register seines "Könnens" zieht. Das umfasst beispielsweise eine Autogrammstunde mit Ashley auf der Autobahnraststätte Pforzheim, dem medialen Nabel Deutschlands schlechthin. Dort schneit auch noch kurz Jürgen Drews vorbei, ein loser Bekannter Baldaufs, der immer wieder gegen seinen Willen von ihm eingespannt wird, und weiß seinen Auftritt auch angemessen selbstironisch zu kommentieren. Ein weiteres Highlight ist sicher auch ein exklusives Fotoshooting an der Alster, bei dem Baldauf gleich mehreren Zeitungen Exklusivrechte eingeräumt hat, was in verständlichen, eindeutigen Unmutsäußerungen gipfelt. Allerdings war dieser Termin sowieso rechtlich nicht abgesichert, wie Ashley dem ausgewiesenen Medienrechtsexperten kurz darauf erörtert, während sie ihm kräftig den Kopf wäscht. Von Presseterminen war in ihrem Vorvertrag nämlich nie die Rede, eigentlich sollte er sich um Sponsoren für sie bemühen.

Und so schlittert der selbsternannte Vorzeigemanager und Vollbluthektiker von einer Katastrophe in die nächste. Schuld sind in dieser Real-Comedy aber natürlich immer die anderen. Kein Wunder, sind ja nach seiner Meinung auch alles Amateure. In der Tat muss der Regisseur hier nicht viel mehr machen als mit der Kamera einfach draufzuhalten, denn Baldaufs unbedarftes Gebaren ist die effektivste Selbstentlarvung. Es verwundert sowieso, dass er dieser Dokumentation, wahrscheinlich in einem weiteren Anfall von Größenwahnsinn, seinen Segen gab, denn beim Zuschauer dürfte sein Auftreten wenig Sympathien erwecken. Es ist allerdings auch ein Wagnis, eine Person in das Zentrum eines Films zu stellen, die vor allem mit einem extrem hohen Nervfaktor glänzt und scheinbar als einziger aller Beteiligten den Schuss nicht gehört hat. Der befremdlich in seiner eigenen Lebenswelt agierende, von der Realität scheinbar völlig abgekoppelte Baldauf erweckt jedoch stets den Eindruck, seinen naiven Enthusiasmus könne kein Wässerchen trüben. Zumindest diese Unbeirrbarkeit und Hartnäckigkeit nötigt dem Zuschauer dann auch eine gewisse, verhaltene Bewunderung ab. Wie Jürgen Drews ganz richtig bemerkt, hat Baldauf einfach die Gabe, sich und andere um den Verstand zu reden. Gegen Ende zeigt die Fassade des unerschütterlichen Traumtänzers jedoch erste Risse. Unter der Last seiner eigenen traurigen Existenz und im Angesicht des Scheiterns bricht Martin Baldauf zusammen und realisiert zumindest vorübergehend, dass es so nicht weiter gehen kann.

Digitale Aufarbeitung:
Bei diesem Film ist zu berücksichtigen, das er beispielsweise auch ältere TV-Ausschnitte oder Archivmaterial beinhaltet, welches natürlich in etwas schwächerer Bildqualität vorliegen. Insgesamt weist der Film aber eine ordentliche Schärfe auf, die im Detail allerdings steigerungsfähig ausgefallen ist. Die Farbgebung wirkt natürlich, unterliegt aber hinsichtlich ihrer Intensität gewissen Schwankungen und wirkt teils etwas kraftlos. Der Film wird von einem deutlichen Bildrauschen begleitet, die Kompression verhält sich hingegen unauffällig. Die Kontrastwerte sind leider in einigen Einstellungen etwas suboptimal ausgefallen. Die Tonspur leistet sich keine besonderen Schwächen und kann somit voll überzeugen.

Auf der DVD befindet sich, neben dem bereits angeführten Kurzfilm "Stuhlberg - Der jüngste Manager Europas" (29:19), lediglich der deutsche Kinotrailer sowie im DVD-ROM-Bereich das 14-seitige Kinopresseheft im PDF-Format. "Stuhlberg..." liegt in ordentlicher Bild- und Tonqualität vor, der "kopierte" Baldauf kann dem Original allerdings in keinster Weise das Wasser reichen und verblasst vor dessen Selbstkarikatur. Zudem mangelt es dem Werk auch ein wenig an Tempo, Witz und Originalität. Im Grunde werden hier lediglich Baldaufs chaotische Arbeitsweise und seine übersteigerte Selbstwahrnehmung auf recht zahme Art und Weise karikiert. Hinsichtlich der Vorgeschichte des Hauptfilms handelt es sich hier sicherlich um eine sinnvolle Ergänzung, von einem Highlight des deutschen Kurzfilms kann hier aber nicht die Rede sein.

Fazit:
"Der Generalmanager..." ist eigentlich weniger eine klassische Dokumentation, als vielmehr eine obskur wirkende, antiheldzentrierte Real-Comedy, die dem deutschen Showbusiness der Economy-Class erfolgreich den Spiegel vorzuhalten vermag. Denn so ein Martin Baldauf agiert ja nicht einfach nur im luftleeren Raum, sondern vielmehr offeriert ihm das Unterschichtenfernsehen dankbar eine Plattform für seine hochtrabende Schaumschlägerei. Insgesamt bietet "Der Generalmanager..." einen durchaus amüsanten Einblick in die tiefsten Niederungen des Showgeschäfts, entbehrt aber auch nicht einer gewissen Tragik in Gestalt des glücklosen Antihelden.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,33:1
1,33:1
86:16 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • Kurzfilm: "Stuhlberg - Der jüngste Manager Europas"
  • Kinotrailer
  • Kinopresseheft (DVD-ROM)
How to sell a Tit Wonder - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Der Generalmanager oder How to sell a Tit Wonder
Der Generalmanager oder How to sell a Tit Wonder

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Real-Comedy um einen hektisch-konfusen Antihelden des Mediengeschäfts auf der Jagd nach dem großen Durchbruch


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2006
Regie:
Steffen Jürgens, Rüdiger Heinze
Drehbuch:
Steffen Jürgens
Darsteller:
Martin Baldauf, Lolo Ferrari, Ashley Bond, Jürgen Drews, Eric Vigne, Lucie Krcova, Udo Lindenberg

Label Deutschland :
Epix
Verkaufsstart Deutschland :
30.01.2009