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DVD-Besprechung - Female Agents

Story:
Im Mai 1944 wird eine fünfköpfige, weibliche Spezialeinheit des britischen Geheimdienstes mit einer äußerst heiklen Mission betraut. Sie soll einen englischen Agenten aus einem deutschen Militärhospital in Frankreich extrahieren. Dieser war damit betraut die Normandie als möglichen Landungsort für alliierte Truppen auszukundschaften. Der deutsche Spionageoffizier Oberst Heindrich (Moritz Bleibtreu) ist diesem Agenten jedoch bereits auf der Spur, weshalb Eile geboten ist. Gelingt es Heindrich nämlich diesen Agenten ausfindig zu machen und ihn zu verhören, ist die gesamte Landungsoperation im besetzten Frankreich in Gefahr.

Meinung zum Film:
Der Spionagefilm "Female Agents - Geheimkommando Phoenix" steht in der Tradition von klassischen WK2-Filmen wie "Das Dreckige Dutzend". Diese zeichnen sich stets dadurch aus, dass eine auf den ersten Blick völlig heterogene, zusammengewürfelte Spezialeinheit mit einem wagemutigen, schier unlösbar erscheinenden Kommandoauftrag betraut wird. Im Laufe dieser Mission wachsen dann alle Mitglieder über sich hinaus, auch wenn der Auftrag natürlich eben nicht so läuft wie geplant. Die Besonderheit von "Female Agents" besteht jedoch zum einen darin, dass diese Spezialeinheit bis auf ihren kommandierenden Offizier ausschließlich aus weiblichen Mitgliedern besteht, und zum anderen darin, dass diese Art von Filmen eigentlich in den letzten 30 bis 40 Jahren etwas aus der Mode gekommen ist. Das hinderte den französischen Regisseur Jean-Paul Salomé ("Arsène Lupin"), der bisher in seiner Vita noch keinen wirklich großen Wurf vorzuweisen hat, allerdings nicht daran dieses Genre mit einigen prominenten Gesichtern zu neuem Leben zu erwecken. Die Hauptrolle spielt mit Sophie Marceau ("Meine Nächte sind schöner als deine Tage") eine der gegenwärtig wohl bekanntesten und profiliertesten Schauspielerinnen Frankreichs, um die es in den letzten Jahren jedoch sehr ruhig wurde und die sich zwischenzeitlich selbst als Regisseurin ("Zimmer 401 - Rückkehr aus der Vergangenheit") versuchte. Ihren Widerpart als deutscher Offizier der Spionageabwehr übernimmt stilecht natürlich ein Deutscher, genauer Moritz Bleibtreu ("Free Rainer - Dein Fernseher lügt"), der ja durchaus häufiger in internationalen Produktionen zu sehen ist. Ein weiteres bekanntes Gesicht ist die Tochter des französischen Schauspielers Gérard Depardieu ("Cyrano von Bergerac"), Julie Depardieu ("Mathilde - Eine große Liebe").

Auch wenn der Film gerne den Eindruck von Authentizität erwecken, oder sich als Würdigung weiblicher Widerstandskämpfer verstehen möchte, sollte er einfach als das gesehen werden, was er wirklich darstellt, nämlich einen historisch wenig akkuraten, auf Unterhaltung abzielenden Spionagefilm im 2. Weltkrieg. Insgesamt reduziert sich der Film inhaltlich vor allem auf ein groß angelegtes Katz-und-Maus-Spiel. Während die weiblichen Agenten zunächst alles unternehmen, um Heindrich zuvorzukommen, sind sie bald gezwungen, ihn selbst als Ziel auszuwählen. Währenddessen unternimmt Heindrich aber seinerseits alles, um die Spione zu fassen und zu verhören. Wer jetzt allerdings ein action- und temporeiches Spektakel erwarten sollte, der sei gewarnt, denn eigentlich hat "Female Agents" nur zwei größere Actionszenen zu bieten. Die erste fungiert gleich als Einstieg in den Film und stellt eine Schießerei zwischen Widerstandskämpfern und deutschen Soldaten auf einem Bahnhof dar, die zweite ist die Entführung des englischen Agenten aus dem deutschen Militärhospital. Ansonsten werden deutlich kleinere Brötchen gebacken und der Film zieht sich ohne echte Höhepunkte ziemlich in die Länge.

Die Optik des Films bemüht sich zwar, das Feeling einer Großproduktion zu erwecken, wirkt aber dann doch eher wie ein aufwendiger Fernsehfilm, vielleicht auch ein Grund, warum es der Film nicht in die deutschen Kinos schaffte. Ein Spionagefilm lebt naturgemäß besonders von der Spannung, um diese aber überhaupt erzeugen zu können, bedarf es aber zunächst einmal einiger hervorstechender Charaktere, mit gesteigertem Identifikationspotential für den Zuschauer. Leider liegt gerade hier ein Hauptmanko des Films, denn die weibliche Spezialeinheit besteht aus oberflächlichen Klischeefiguren und die Chemie zwischen den Mitgliedern stimmt einfach nicht. Die Charaktere von Sophie Marceau, als gefühlskalter Widerstandskämpferin, und Moritz Bleibtreu, als gnadenlosem Offizier, überbieten sich gerade zu in ihrer Oberflächlichkeit, wodurch ihre Persönlichkeiten niemals greifbar wirken. Selten dürften die beiden in ihrer Karriere schauspielerisch dermaßen unterfordert worden sein. Ärgerlich sind auch altbekannte Genremuster wie eine Quertreiberin innerhalb der Einheit, die zu Beginn möglichst negativ dargestellt wird. Das geschieht natürlich ausschließlich zu dem Zweck, sie im Verlauf des Einsatzes eine komplette Wandlung durchlaufen zu lassen, um ihr am Ende dann die unvermeidliche, altruistische Heldentat zu ermöglichen.

Digitale Aufarbeitung:
Die DVD überzeugt mit einer guten Schärfe, die auch im Detail überzeugen kann. Bildrauschen ist kaum feststellbar und auch die Kompression leistet sich keine Aussetzer. Die Farbgebung wurde bewusst eher zurückhaltend gewählt. Schwächen leistet sich die DVD allerdings beim Kontrast, denn das Bild ist teilweise deutlich zu dunkel ausgefallen und es kann passieren, dass Elemente aus dem Vordergrund ohne Abstufungen mit dem dunklen Hintergrund verschmelzen. Insgesamt bieten alle Tonspuren eine gute Verständlichkeit, die deutsche Fassung klingt allerdings manchmal etwas blechern. Gerade in den Actionsequenzen gibt es auch durchaus gefällige direktionale Effekte, was akustisch für einen guten räumlichen Eindruck sorgt.

Auf der vorliegenden DVD befinden sich lediglich der deutsche Trailer und der französische Audiokommentar von Regisseur Jean-Paul Salomé mit deutschen Untertiteln. Der Audiokommentar wird engagiert vorgetragen und bietet einige interessante Hintergrundinformationen zum Film, ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Vorstellung der Drehorte, aber auch Bereiche wie z.B. das Casting, die Kameraarbeit und die Drehbedingungen werden genau erläutert. Wem diese Extras nicht ausreichen, der muß zur "2 Disc Collector's Edition" des Films greifen, die u.a. noch ein Making Of und Deleted Scenes enthält.

Fazit:
"Female Agents - Geheimkommando Phoenix" ist ein durchschnittlicher Spionagefilm, der handwerklich solide daherkommt und auch schauspielerisch recht prominent besetzt ist. Die Charaktere sind aber einfach zu oberflächlich geraten, die Chemie innerhalb der Gruppe stimmt nicht, der Film zieht sich ohne große Höhepunkte zu sehr in die Länge, und die Wendungen des Katz-und-Maus-Spiels werden gegen Ende immer unglaubwürdiger. Technisch kann die DVD bis auf kleine Mängel überzeugen, wer auf einen größeren Bonusbereich Wert legt, sollte aber eher zur "2 Disc Collector's Edition" greifen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,85:1
1,85:1
112:16 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
DTS 5.1
DTS 5.1
Französisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Deutscher Trailer
  • Audiokommentar von Regisseur Jean-Paul Salomé
Female Agents - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Female Agents - Geheimkommando Phoenix
Les Femmes de l'ombre

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Solider Spionagefilm im 2. Weltkrieg, aber leider ohne echte Höhepunkte


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Frankreich, 2008
Regie:
Jean-Paul Salomé
Drehbuch:
Jean-Paul Salomé, Laurent Vachaud
Darsteller:
Sophie Marceau, Moritz Bleibtreu, Julie Depardieu, Marie Gillain, Déborah François, Maya Sansa, Julien Boisselier

Label Deutschland :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
16.01.2009