Splashpages  Home Movies  Rezensionen  Rezension  Skin - Hass war sein Ausweg
Partner von Entertain Web
http://www.splashmovies.de/php/images/spacer.gif
The DescendantsLucky TroubleDas Todesspiel

In der Datenbank befinden sich derzeit 3.899 Rezensionen. Alle Rezensionen anzeigen...

DVD-Besprechung - Skin - Hass war sein Ausweg

Story:
Die Niederlande im Jahr 1979: Der 17-jährige Frank Epstein (Robert de Hoog), genannt "Frankie", ist der Sohn eines KZ-Überlebenden, hat einen farbigen Freund und trägt sehr langes Haar. Die Beziehung zu seinem Vater Simon (John Buijsman), der aufgrund seiner Zeit im Konzentrationslager unter einem Trauma leidet, zeichnet sich jedoch nur durch eine völlige Entfremdung aus. Als auch noch seine Mutter Anna (Sylvia Poorta) schwer an Krebs erkrankt, verliert Frank jeden familiären Halt. Frank leistet sich als Ausdruck seines Protestes immer wieder kleinere Verfehlungen. Auch diese warnenden Zeichen werden jedoch von seinem Vater nicht wahrgenommen. Schließlich treibt es Frank ausgerechnet in die Skinheadgruppe von Robbert (Teun Kuilboer).

Meinung zum Film:
Für den niederländischen Regisseur Hanro Smitsman ("Raak"), der auch maßgeblich am Drehbuch mitwirkte, war "Skin" sein Spielfilmdebüt. Zuvor hatte er sich bereits mit Kurzfilmen einen Namen gemacht. So gewann sein Drama "Raak" im Jahr 2007 beispielsweise den Goldenen Bären als bester Kurzfilm bei der Berlinale. Die Darsteller sind außerhalb der Niederlande eher unbekannt, liefern jedoch alle überzeugende Leistungen ab. Der junge Hauptdarsteller Robert de Hoog ("Den Helder") wurde für seine herausragende Leistung beim "Nederlands Film Festival" 2008 sogar als bester Darsteller ausgezeichnet.

"Skin" präsentiert sich als authentisches, kleines Drama über einen entwurzelten Jugendlichen, der sich auf der Suche nach Verständnis und Zuspruch radikalisiert und dadurch auf die schiefe Bahn gerät. Die Geschichte bewegt sich auf zwei Zeitebenen, der Gegenwart und der Vergangenheit. Der Film beginnt direkt mit der Einlieferung von Frank in ein Gefängnis. Sein persönlicher Irrweg endete also tragisch, der Grund für seine Verhaftung ergibt sich aber erst aus dem weiteren Verlauf des Films. Der Film wechselt dabei stetig zwischen Gegenwart und Vergangenheit, also Haftalltag, hin und her. Das wirkt jedoch nie störend, da der Erzählfluss mit dieser Vorgehensweise abgestimmt wurde. Was "Skin" zunächst auszeichnet, sind die authentisch wirkenden Hauptfiguren und die düstere Grundstimmung des Films. Frank und seinen Vater Simon eint ein tiefes Zerwürfnis. Frank ist vom Trauma seines Vaters genervt und kann nicht nachvollziehen, was dieser erlebt hat, wobei dieser allerdings scheinbar auch nicht mit ihm darüber reden will, weshalb er ihn als "Jammerlappen" sieht. Sein Vater hingegen hat überhaupt keinen Draht zu seinem Sohn, ist sehr streng zu ihm und lebt in seiner eigenen Vergangenheit voller Leid und Schmerzen, während Frank sein Leben auch genießen möchte. Als Franks Mutter mit Krebs ins Krankenhaus verlegt wird, brechen im Hause Epstein alle Dämme, da ihr mäßigender Einfluß nicht mehr auf die beiden einwirken kann. Frank und Simon sind vollkommen unfähig, miteinander zu kommunizieren.

Auf dieser familiären Ebene funktioniert der Film ausgesprochen gut, nicht zuletzt aufgrund der übertriebenen Kürze des Films, gibt es jedoch in anderen Bereichen Probleme. Aufgrund der zu kurzen Laufzeit von lediglich rund 80 Minuten ist der Film gezwungen, die Geschehnisse schnell voranzutreiben. Diese beschleunigte Dramaturgie führt aber leider dazu, dass der Film in vielen Szenen einfach zu dick aufträgt und Zusammenhänge verkürzt darstellt. Die Figuren ergehen sich in Überreaktionen, die ein wenig das Fingerspitzengefühl vermissen lassen. Ein Beispiel dafür ist der für den Film ganz entscheidende Bruch mit Jeffrey (Juliann Ubbergen). Franks Gruppe von Skinheads belästigt Jeffreys Mutter, Frank steht jedoch peinlich berührt abseits und hilft ihr schließlich sogar. Als er sich später entschuldigen will, dreht sie jedoch völlig durch und Jeffrey schlägt ihn mit den Worten "Du hast meine Mutter beleidigt" einfach nieder. So agieren normalerweise keine besten Freunde, auch wenn der Film diese Wendung benötigt, weil sich beide später im Knast wieder begegnen. Überhaupt ist gerade dieses freundschaftliche Verhältnis der beiden sehr undurchsichtig, hier rächt sich einfach die zu geringe Laufzeit, die es nicht erlaubt, die Darstellung dieser Freundschaft stärker auszubauen. Ähnliches gilt für das Umfeld seiner Clique, denn gerade der "spontane" Wechsel zu den Skinheads ruft ebenfalls einige Fragezeichen hervor.

Digitale Aufarbeitung:
Die DVD bietet eine ordentliche Bildschärfe und eine bewusst zurückgenommene Farbgebung. Das leichte Bildrauschen stört nicht sonderlich. Die Kontrastwerte sind ebenfalls recht ausgewogen, hätten in einigen Szenen aber noch etwas mehr Feintuning benötigt. Die deutsche Tonspur ist zu jeder Zeit gut verständlich, die deutsche Synchronisation ist zudem sehr hochwertig ausgefallen. Entgegen dem Vermerk des Herstellers handelt es sich bei den handelsüblichen deutschen Untertiteln keineswegs um spezielle, erweiterte Untertitel für Hörgeschädigte.

Das einzige Extra auf der DVD ist der deutsche Originaltrailer.

Fazit:
"Skin" punktet mit guten Darstellern, glaubwürdigen Charakteren, einer unheilvollen Grundstimmung und einer interessanten Ausgangsposition der Geschichte. Die Erzählweise ist flott, nicht jedoch hektisch, und auch die Erzählung auf zwei Zeitebenen funktioniert erstaunlich gut. Die größte Schwäche des Films ist jedoch seine kurze Laufzeit, die dramaturgische Kniffe erfordert, die so manchen Aspekt des Geschehens zu kurz kommen lassen. Technisch ist die DVD durchaus überzeugend, Freunde von Bonusmaterial gehen jedoch weitgehend leer aus.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,78:1
1,78:1
80:49 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Niederländisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Deutscher Originaltrailer
Skin - Hass war sein Ausweg - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Skin
Skin

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Die Radikalisierung eines Entwurzelten


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Niederlande, 2008
Regie:
Hanro Smitsman
Drehbuch:
Germen Boelens, Philip Delmaar, Hanro Smitsman
Darsteller:
Robert de Hoog, John Buijsman, Sylvia Poorta, Juliann Ubbergen, Teun Kuilboer, Juda Goslinga

Label Deutschland :
Ascot Elite
Verkaufsstart Deutschland :
19.02.2009