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DVD-Besprechung - Autopiloten

Story:
Im Revier kämpfen täglich Menschen mit der Bewältigung ihres Alltags. Einer von ihnen ist Georg (Walter Kreye), Trainer beim Revierklub FC Schalke 04, der kurz vor der Entlassung steht. Ein anderer ist Jörg (Charly Hübner). Er verkauft Badewannenlifte und quält sich ebenfalls mit Existenzängsten wegen eines recht schleppenden Absatzes. Da ist Dieter (Wolfram Koch), ein freischaffender Journalist, der immer auf der Suche nach der großen Story ist, was sehr zu Lasten seiner Beziehung zu seinem Sohn Malte (Christopher Reinhardt) geht. Und auch der in die Jahre gekommene, ehemalige Schlagerstar Heinz (Manfred Zapatka) versucht sich mit Auftritten auf kleinen Festen und Firmenjubiläen über Wasser zu halten.

Meinung zum Film:
In "Autopiloten" präsentiert Regisseur Bastian Günther in seinem Spielfilmdebüt die Erlebnisse eines Tages von vier Personen. Der wohl am wenigsten sympathische Charakter ist dabei Vertriebler Jörg (Charly Hübner / „Das Leben der Anderen“), der seine Verkaufsroute mit regelmäßigen Hotel-Übernachtungen genießt. Denn unterwegs lässt er nichts anbrennen und vergnügt sich gerne mit einer Geliebten, während Frau und Kind zu Hause auf ihn warten. Doch im Grunde ist Jörg ein ganz armes Licht, da er nicht merkt, wie sein Chef ihn mit der Kumpelmasche um den Finger wickelt oder wie er sich zum Deppen macht, wenn er im Burgerladen versucht, mit Teenies anzubandeln. Der in die Jahre gekommene, ehemalige Schlagerstar Heinz (Manfred Zapatka / „Das Himmler Projekt“), der mittlerweile nur noch bei Firmenjubiläen und Geschäftseröffnungen gefragt ist, bekommt ein Geschenk für die Seele, als Rita (Susanne-Marie Wrage / „Nachbeben“) ihm eine Zeitreise in goldenen Zeiten gönnt. Allerdings gerät die Zusammenkunft zwischen alterndem Star und ehemaligem Fan sehr schnell zur kaum auszuhaltenden Schmalznummer. Manfred Zapatka hat hier leider keine große Ausstrahlung zu bieten und das Zusammenspiel mit Susanne-Marie Wrage erscheint sehr distanziert, wodurch die Wirkung der gemeinsamen Szenen nachhaltig ins Negative gerückt wird und es insgesamt sehr gestellt und unnatürlich wirkt.

Ritas geschiedener Ex-Mann Dieter (Wolfram Koch / „Nacht vor Augen“) muss gleichzeitig erkennen, dass immer mehr eine Entfremdung zu seinem Sohn Malte stattfindet, was durch seine zeitraubende Arbeit als freier Journalist entsteht. Er muss aufpassen, den Kontakt zu Malte nicht immer mehr zu verlieren und bald nur noch eine Randnotiz in dessen Leben zu sein. Ein wenig aus dem Schema der gezeigten Protagonisten fällt Georg Brander (Walter Kreye / „Der Alte“) heraus. Er ist der kurz vor dem Abschuss stehende Trainer des FC Schalke 04, der mit einer Entscheidung am Abend direkt vor dem Anpfiff eines wichtigen Pokalspiels beim Zuschauer seine letzten Sympathiepunkte verliert. Bereits zu Beginn des Filmes, als er morgens mit seiner Assistentin noch ein paar vergnügliche Stunden im Hotelbett verbringt, während sein kleiner Sohn sehnsüchtig seinen Vater zu seinem Geburtstag vermisst, steht man ihm bereits mit gemischten Gefühlen gegenüber. Mit Anpfiff des Spiels pendelt sich die Gefühlslage ihm gegenüber aber endgültig zum Negativen ein, da hilft es auch nicht, dass er bis dahin durch die Opferrolle schon wieder einen kleinen Sympathiebonus einheimsen konnte.


Sieht man einmal von Brandner ab, sind alle Charaktere im Film sehr durchschnittliche Zeitgenossen. Und genauso durchschnittlich sind auch ihre Probleme, was dann am Ende auch das Problem des Films ist. Denn die gesamte Geschichte plätschert sehr gemächlich vor sich hin. Es fehlen Dramatik und Tiefe, worunter vor allem die Zeichnung des gestörten Vater/Sohn-Verhältnis zwischen Jörg und Malte leidet. Wenn überhaupt eine der vier Geschichten zumindest weitestgehend überzeugen kann, dann die um Klinkenputzer Jörg. Hier gibt es zumindest ansatzweise das geboten, was man von einem leisen Drama erwarten kann. Die anderen Erzählstränge verlaufen sich zu sehr im Kitsch (Heinz), geraten viel zu abwegig (Brandner) oder sind schlichtweg langweilig (Dieter). Der rote Faden im Film ist neben mehr oder weniger zufälligen Treffen einzelner Protagonisten auch die immer wieder präsentierten Nachricht über eine entführte Boeing-Maschine, die über deutschem Luftraum kreist. Und genauso unspektakulär, langweilig und nebensächlich wie sich dieser Plotstrang ins Nichts auflöst, platzt auch die große Inhaltsleere der anderen Erzählstränge. Im Grunde wartet man den ganzen Film über gespannt darauf, dass endlich mal was passiert, nur um dann am Ende feststellen zu müssen, dass das ganze Warten vergebens war.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild hinterlässt einen gemischten Eindruck. Auf der Haben-Seite steht das gute Kontrastverhältnis und das Fehlen von Rauschen. Letzteres wurde aber wohl durch einen stärkeren Einsatz von Rauschfiltern erkauft, was wiederum dazu führt, dass die Schärfe nicht sonderlich gelungen ist und das Bild insgesamt zu weich erscheint. Überhaupt nicht überzeugen kann die Kompression, da stellenweise sehr deutliche Blockbildung zu erkennen ist. Der deutsche Ton ist durchweg gut zu verstehen.

Hinter dem Making Of bei den Extras verbirgt sich ein rund 25-minütiges Gespräch über den Film zwischen Hauptdarsteller Charly Hübner und Regisseur Bastian Günther, bei dem es zusätzlich noch Szenen aus dem Film oder vom Dreh zu sehen gibt. Weitere Hintergrundinformationen gibt es im Audiokommentar mit dem Regisseur und Kameramann Michael Kotschi. Hinter "Jörgs Disco" befindet sich ein witziger Beitrag mit Charly Hübner, bei dem er ein wenig Quatsch am Set macht und den Zuschauer daran teilhaben lässt. Abschließend gibt es noch den Trailer zum Film und eine Fotogalerie.

Fazit:
„Autopiloten“ ist ein sehr unspektakuläres, recht langatmiges Drama, bei dem man als Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute darauf wartet, dass es endlich richtig los geht. Ein vergebenes Warten, denn konsequent verfolgt der Film seinen unspektakulären Weg bis zum Abspann und pendelt zwischen grauem Alltagsleben und kitschigen Ergüssen hin und her.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,78:1
1,78:1
105:33 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Englisch
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar mit Regisseur Bastian Günther und Kameramann Michael Kotschi
  • Making Of
  • Jörgs Disco
  • Bildergalerie
  • Trailer
Autopiloten - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Autopiloten
Autopiloten

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Ein Film, der so trist und öde ist wie das Leben seiner Protagonisten


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2007
Regie:
Bastian Günther
Drehbuch:
Bastian Günther
Darsteller:
Charly Hübner, Manfred Zapatka, Walter Kreye, Wolfram Koch, Susanne-Marie Wrage, Christopher Reinhardt, Charlotte Bohning, Teresa Harder, Regine Schröder, Tilo Nest

Label Deutschland :
Renaissance Medien
Verkaufsstart Deutschland :
05.02.2009