Splashpages  Home Movies  Rezensionen  Rezension  Ein Kind zu töten
Partner von Entertain Web
http://www.splashmovies.de/php/images/spacer.gif
Kesslers Knigge - Die komplette SerieRoller GirlDie drei Musketiere

In der Datenbank befinden sich derzeit 3.742 Rezensionen. Alle Rezensionen anzeigen...

DVD-Besprechung - Ein Kind zu töten

Story:
Tom (Lewis Fiander) und Evelyn (Prunella Ransome) möchten ihren Urlaub jenseits von anderen Touristen auf der kleinen Insel Almanzora vor der spanischen Küste verbringen. Als sie den Ort erreichen, ist abgesehen von ein paar Kindern am Hafen niemand zu sehen. Geschäfte und Gaststätten sind verlassen und schon bald muss das Paar erkennen, dass die Kinder der Grund für die Abwesenheit der Erwachsenen sind.

Meinung zum Film:
Mit „Ein Kind zu töten“ hat „¿Quién puede matar a un niño?“ von Regisseur Narciso Ibáñez Serrador („Películas para no dormir: Blame“) endlich auch in Deutschland einen passenden Titel gefunden. Hieß er bei seiner Kinoauswertung noch weitestgehend neutral „Scream“, gab ihm der deutsche Videoverleih mit „Tödliche Befehle aus dem All“ nicht nur einen selten dämlichen, sondern obendrein auch noch reichlich inhaltsfremden Titel. Offensichtlich war es dem Verleih zu riskant, dem Film einen Namen zu geben, der mit dem direkten Töten von Kindern in Verbindung gebracht werden könnte. Aus diesem Grunde wurde dann wahrscheinlich auch die rund 7-minütige Einleitung des Films gekappt, in der Serrador im Dokumentarstil Schwarzweiß-Aufnahmen zeigt, in denen Kinder deutlich von Kriegen oder Hungersnöten gezeichnet sind oder den Kampf um ihr Leben bereits verloren haben. Genützt hat es dem Verleih letzten Endes nichts, da der Film auch so von der BPjM auf den Index gesetzt wurde. Das noch junge Label „Bildstörung“ legte 2008 erfolgreich Widerspruch gegen diese Indizierung ein und veröffentlicht nach erfolgter Listenstreichung diesen intelligenten Psycho-Thriller in der ungekürzten Fassung als deutschsprachige DVD.

Es ist schon alleine die Thematik der kaltblütigen Kinder, die reichlich Diskussionspotential in sich birgt. Vor allem in den Szenen, wo diese sich wie Unschuldslämmer geben und treu den Erwachsenen in die Augen blicken, lassen sofort die Frage aufkommen, wie man selbst wohl in dieser Situation reagieren würde. Wäre man selbst in der Lage, in diesen Situationen die notwendige Kaltblütigkeit zu besitzen, um sich seiner Haut zu erwehren. Was wäre stärker, der Selbsterhaltungstrieb oder die Hemmschwelle, ein Kind zu verletzen oder gar zu töten? Hervorragend herausgearbeitet wurde dieser Umstand vor allem in zwei Szenen. In einer rasen Tom und Evelyn mit dem Auto auf eine Gruppe Kinder zu, die ihnen so die Durchfahrt versperren, in der anderen steht Tom mit einem Maschinengewehr einer Gruppe Kindern gegenüber. Sie schauen zwar alle ganz lieb, Tom weiß aber genau, dass es sich um eiskalte Geschöpfe ohne jegliches Rechtsbewusstsein handelt. Die Reaktionen der Erwachsenen erscheinen auf den ersten Blick vielleicht schockierend oder gar falsch, doch im Grunde wird niemand anzweifeln können, dass da nichts unnatürlich oder gestellt wirkt. Die schockierendste Szene des Films dürfte aber sicherlich die sein, als ein vielleicht 5-jähriger Steppke mit einem breiten „Ich hab euch lieb“-Grinsen im Gesicht, einen für ihn viel zu schweren Revolver auf Tom und Evelyn richtet und mit angestrengter Mine versucht, abzudrücken. Selbst wenn die Reaktion von Tom auf diesen Moment (grafisch) hart ausfällt, ist es letzten Endes das Kind mit dem Revolver, das einem nicht mehr aus dem Kopf gehen mag.

Wer nun aber denkt, dass sich der Film zu einer Welle der Gewalt entwickelt, sollte diesen Gedanken besser gleich wieder verwerfen. Denn ähnlich wie in Hitchcocks „Die Vögel“, treffen die Kinder von Zeit zu Zeit immer gehäufter in die Stelle. Sind es zu Beginn nur vereinzelte Auftritte und Übergriffe, werden die erscheinenden Gruppen von Minute zu Minute immer größer, bis es am Ende offensichtlich keine Fluchtmöglichkeit mehr vor ihnen gibt. Mit seiner ruhigen Inszenierung, einer gemächlichen, aber keinesfalls langweiligen Erzählweise und klug platzierten, aber keineswegs übertriebenen Schockmomente zieht „Ein Kind zu töten“ immer mehr in seinen Bann. Serrador versucht erst gar nicht groß Erklärungen zu finden, warum die Kinder mit einem Schlag zu Bestien wurden und die Gewalt wie ein Spiel zelebrieren. Als einziger Hinweis dienen die rund 7 Minuten Schockbilder zu Beginn, welche die Vermutung aufkommen lassen, dass die Kinder nun den Spieß umgedreht haben und ihrerseits fahrlässig mit dem Leben der Erwachsenen umgehen. Eine Aussage, die zum Nachdenken anregt in einem Film, der einen anschließend nicht so recht loslassen will.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist erstklassig gelungen. Die Schärfe ist gut, die Farben natürlich knackig, Verschmutzungen und analoge Defekte sind nur dann ganz vereinzelt zu erkennen, wenn mit gezielter Aufmerksamkeit danach gesucht wird. Hier wurde eindeutig mit sehr viel Liebe zum Detail gearbeitet. Aus den alten Tonspuren in Mono konnte sicherlich nicht mehr ganz so viel herausgeholt werden, doch das Ergebnis in Dolby Digital 2.0 (Mono) ist immer noch angemessen gut. Am besten schneidet eindeutig die deutsche Tonspur ab, die abgesehen von leichten Verzerrungen in den Spitzen keine Makel aufweist. Zu der spanischen und englischen Tonspur gibt es jeweils eine eigene Untertitelspur, die an die jeweiligen Inhalte der Tonspuren angepasst ist.

Als erstes Extra auf der DVD gibt es ein Interview mit Regisseur und Autor Narciso Ibáñez Serrador, der unter anderem einiges über die Hintergründe des Films und seine Intentionen beim Dreh zum Besten gibt. Anschließend berichtet auch Kameramann José Luis Alcaine über seine Erfahrungen rund um den Film. Es folgen noch ein Trailer zum Film, eine Bildergalerie mit Filmszenen- und Setaufnahmen sowie eine Bildergalerie mit Lobbycards. Zusätzlich gibt es noch ein Booklet mit ausführlichem Essay von Michael Schleeh, sowie den stimmungsvollen Score von Waldo de los Ríos als Soundtrack-CD.

Ausgeliefert wird der Film in einem Schuber, in dem ein Keepcase mit Wendecover steckt, das auf einer Seite das alte Kino- und Videomotiv zeigt und auf der anderen Seite Motive aus dem Film. Auch den Gegnern von den neuen FSK-Logos hat man einen riesen Gefallen getan, indem man die Außenseite des Schubers mit einer Auflage bedeckte, wodurch diese sich des übergroßen Logos bequem entledigen können. Leider hat man sich beim Keepcase für eine Variante entschieden, bei der die Film-DVD über der Soundtrack-CD liegt. Es gibt viele Sammler, die dies nicht ganz so gerne sehen.

Fazit:
Wer Horror-Kino für den Kopf sucht, ist bei „Ein Kind zu töten“ eindeutig fündig geworden. Selten hat es ein Film derartig gut verstanden, mit einem Tabuthema zu arbeiten, ohne dabei moralische Grenzen zu überschreiten. Die von Bildstörung präsentierte DVD ist sowohl in Bildqualität als auch vom Bonusmaterial gesehen beispielhaft, die Mühen werden hoffentlich durch zahlreiche Käufer belohnt.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 18
1,85:1
1,85:1
106:09 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Spanisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Child Director - Interview mit Regisseur Narciso Ibáñez Serrador
  • Who could shoot a child - Interview mit Kameramann José Luis Alcaine
  • Trailer
  • Bildergalerie
  • Lobbycards
  • Audio-CD mit dem Soundtrack von Waldo de los Ríos
  • Booklet mit Essay zum Film
Ein Kind zu töten - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Scream / Tödliche Befehle aus dem All
¿Quién puede matar a un niño? / Who Can Kill a Child?

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Ein brisantes Thema, fesselnd und mitreißend präsentiert


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Spanien, 1976
Regie:
Narciso Ibáñez Serrador
Drehbuch:
Narciso Ibáñez Serrador (basierend auf dem Buch von Juan José Plans)
Darsteller:
Lewis Fiander, Prunella Ransome, Antonio Iranzo, María Luisa Arias, Miguel Narros, Marisa Porce, Marián Salgado, Cristina Torres

Label Deutschland :
Bildstoerung
Verkaufsstart Deutschland :
13.02.2009

Vertrieb Schweiz :
Kein Verleih bekannt
Verkaufsstart Schweiz :
Noch kein Termin bekannt