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DVD-Besprechung - Stuck
Story:
Thomas Bardo (Stephen Rea) hat einen richtig miesen Tag. Zunächst ist der arbeitslose Projektmanager gezwungen, wegen Mietrückständen vor seinem Vermieter zu flüchten und kurz darauf wird er anläßlich des Vorsprechens bei einer Vermittlungsagentur auch noch zum Opfer eines kafkaesken Albtraums. Am Ende des Tages findet sich Thomas als Obdachloser im Park wieder. Sein sprunghafter Abstieg endet schließlich mitten in der Windschutzscheibe der mit Drogen vollgepumpten Krankenschwester Brandi Boski (Mena Suvari), die Thomas leider frontal mit dem Auto erwischt. Zu allem Überfluss macht Brandi auch keinerlei Anstalten, den Schwerverletzten aus dieser misslichen Lage zu befreien, während Thomas selbst hilflos feststeckt...
Meinung zum Film:
Stuart Gordon ("Dagon") war in den 80er-Jahren mit Filmen wie dem durchgeknallten Mad-Scientist-Streifen "Re-Animator" oder der blutig-atmosphärischen H.P. Lovecraft-Verfilmung "From Beyond" einer der bedeutendsten Repräsentanten des Horrorgenres. In den 90er-Jahren wurde es dann aber, abgesehen von dem futuristischen Actionreißer "Fortress - Die Festung", sehr ruhig um Gordon. Erst im Jahr 2001 konnte er dann mit dem erneut von Lovecraft inspirierten Werk "Dagon" wieder an alte Stärken anknüpfen. Bis auf die Mitarbeit an der "Masters of Horror"-Reihe beschritt Gordon fortan aber andere filmische Pfade. Im Jahr 2003 entstand mit "King of the Ants" eine ziemlich unrunde Mixtur aus Gangsterfilm, Folterfilm und Drama, zwei Jahre später folgte dann das deutlich überzeugendere Thriller-Drama "Edmond", das leider bis heute nicht in Deutschland veröffentlicht wurde. Mit "Stuck" legt er jetzt einen schwarzhumoriger Thriller nach, der jedoch weniger wie beworben auf einer wahren Begebenheit beruht, als vielmehr von realen Geschehnissen inspiriert ist. Denn die abgründig-amoralische Ausgangssituation, eine Unfallflucht inklusive eingeklemmtem Opfer aber ohne Notruf, hat es am 26. Oktober 2001 in den USA tatsächlich gegeben. Das Opfer, ein Obdachloser, verblutete schließlich nach mehreren Stunden jämmerlich. Das ansonsten aber fiktive Drehbuch schrieb John Strysik, der sich zuletzt mit der Mogelpackung "Stuart Gordon's Death Bed" der Verbreitung übelsten Schunds schuldig gemacht hatte.
Für die beiden Hauptrollen konnten mit Mena Suvari ("American Beauty") und Stephen Rea ("V wie Vendetta") zwei sehr gegensätzliche Darsteller gewonnen werden, die aber hervorragend miteinander (dis-)harmonieren. "Stuck" ist letztendlich ein fieser, kleiner Thriller über Moral, Verantwortung, menschliche Abgründe und (Entscheidungs-)Sackgassen, mit viel situationsbedingtem schwarzem Humor, innerhalb einer Story deren realer Hintergrund bizarrer als jede Fiktion erscheint. Die erste Viertelstunde des Films dient der Einführung der beiden Hauptcharaktere. Das sind zum einen der auf dem Abstellgleis befindliche Thomas und zum anderen die junge, fürsorgliche und beruflich aufstrebende Krankenschwester Brandi. Als sich dann aber die Wege der beiden im wahrsten Sinne des Wortes kreuzen, nimmt der bezüglich seiner Laufzeit recht kurze Film gewaltig Fahrt auf, die er auch konsequent bis zum Ende durchhält. "Stuck" erfindet das Rad sicherlich nicht neu, der Spannungsaufbau des Films ist jedoch vorbildlich und verbleibt auf konstant hohem Level. Deshalb ist der Zuschauer auch bereit gewisse Ärgernisse, wie den "Klischee-Schwarzen" Rashid, der eher aus einem depperten Teenie-Slasher entlaufen zu sein scheint, kleinere Logikfehler wie die recht hohe Agilität des schwerverletzten Thomas gegen Ende, oder auch das innerhalb altbekannter Genremuster operierende Ende, zu tolerieren.
Der Zuschauer wohnt parallel den Handlungen von Thomas und Brandi bei. Dabei leidet der Zuschauer mit Thomas, der zunächst mit gebrochenen Beinen, schwer verletzt und bewegungsunfähig in der Windschutzscheibe von Brandis Auto, innerhalb ihrer Garage, festsitzt. Für Brandi hingegen gilt die titelgebende Situationsbeschreibung "Stuck", aufgrund ihrer Festlegung keine Hilfe zu holen, genauso. Aus der Angst vor schwerwiegenden Konsequenzen für ihre Person und dem psychologisch bedingten Tausch der Täter-Opfer-Perspektive beginnt ihre Flucht aus der Verantwortung immer schwerwiegendere Konsequenzen nach sich zu ziehen, denn Thomas will einfach nicht sterben. Und als wäre das alles noch nicht schlimm genugs, beginnt dieser auch noch einen ungeheuren Überlebenswillen zu entwickeln. Somit ist Brandi schnell vollauf damit beschäftigt, Thomas Versuche, Aufmerksamkeit zu erregen, erfolgreich zu unterbinden. Aus dieser Konstellation ergibt sich eine gehörige Prise Schwarzer Humor, der den surreal erscheinenden Charakter der Geschichte weiter verstärkt. Die Situation beginnt Brandi aber auch zunehmend zu entgleiten, weshalb sie immer wieder um rasche Schadensbegrenzung bemüht ist. Das gipfelt schließlich in der Erkenntnis, Thomas wohl selbst töten zu müssen.
Digitale Aufarbeitung:
Die DVD bietet eine überzeugende Schärfe, eine bewusst zurückhaltende Farbgebung und einen ausgewogenen Kontrast. Die Tonspuren bieten zu jeder Zeit eine gute Verständlichkeit, die Soundkulisse des Films wird allerdings eher zurückhaltend eingesetzt.
Auf der DVD befindet sich ein englischer Audiokommentar mit Regisseur Stuart Gordon, Drehbuchautor John Strysik und Hauptdarstellerin Mena Suvari. Dieser wird auf unterhaltsame Art und Weise vorgetragen und beinhaltet viele Hintergrundinformationen. Das völlige Fehlen von Untertiteln ist allerdings wahrlich kein Ruhmesblatt. Das kurze Feature "Make-Up Effekte" (9:27) bietet einige interessante Einblicke in die Arbeit von SFX-Guru Mike Measimer ("Babylon 5"), "Die Adaption der wahren Geschichte" (17:13) offeriert hingegen interessante Details zu den realen Geschehnissen und zur Entstehungsgeschichte des Films. Das Feature "AFI Film Festival" (24:53) enthält vor allem Interviews und Publikumsfragen an John Strysik und Stephen Rea, nach der dortigen Vorführung im März 2008. Leider wirkt das ganze aber doch arg zusammengeschnippelt und birgt somit auch inhaltlich sehr viele Wiederholungen. Die "Darstellerinfos" entpuppen sich lediglich als verzichtbar-karge Filmographien von Mena Suvari, Stephen Rea und Russell Hornsby.
Fazit:
"Stuck" ist ein abgründig-fieser, schwarzhumoriger Thriller der auf einer wahren Begebenheit beruht, die allerdings auch locker als fiktionaler Erguss eines gestörten Gehirns durchgegangen wäre. Der Film überzeugt mit einem durchgängig hohen Spannungsniveau, unterhaltsamen Wendungen, dunkel eingefärbter Situationskomik, zwei emotionalisierenden Hauptdarstellern und hochwertigen sowie effektiv eingesetzten, blutigen Make Up-Effekten. Lediglich kleinere Schwächen des Films, wie die klischeetriefende (Witz-)Figur des Rashid sowie die in bekannten Genremustern festgefahrenen Wendungen, nebst entsprechendem Showdown, verhindern den ganz großen Wurf. Technisch ist die DVD ohne Fehl und Tadel und bietet weiterhin brauchbares Bonusmaterial.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,85:1
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81:50 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Deutsch DTS 5.1 | Englisch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch für Hörgeschädigte |
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Bonusmaterial:
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- Audiokommentar mit Stuart Gordon, John Strysik und Mena Suvari
- Die Entstehung von "Stuck"
- Make-Up Effekte
- Die Adaption der wahren Geschichte
- AFI Film Festival
- Darstellerinfos
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Stuck
Stuck
An einem wirklich miesen Tag kann dir so ziemlich alles passieren...
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Großbritannien / Kanada / USA, 2007 Regie: Stuart Gordon Drehbuch: John Strysik, Stuart Gordon Darsteller: Mena Suvari, Stephen Rea, Russell Hornsby, Rukiya Bernard, Carolyn Purdy-Gordon, Lionel Mark Smith
Label :
Constantin Film
Verkaufsstart : 19.02.2009
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