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DVD-Besprechung - Die gefrorenen Blitze

Story:
Am 5. November 1939 wird der britischen Führung der sogenannte "Oslo Report" zugespielt. Dieser enthält detaillierte Insiderinformationen über den Stand der deutschen Raketenforschung, wird aber von den Briten nicht ernst genommen und verschwindet in einer Schublade. In der Zwischenzeit macht die deutsche Raketenforschungsgruppe mit ihrem Konzeptions- und Projektleiter Dr. Wernher von Braun (Dietrich Körner) und dem mit der praktischen Umsetzung betrauten Dr. Grunwald (Alfred Müller) große Fortschritte. Ihre seiner Meinung nach kriegsentscheidenden Arbeiten erhalten vom Führer persönlich die höchste Priorität. Jedoch arbeiten mehrere Widerstandsgruppen, inner- und außerhalb des Raketenversuchsgeländes, an der Sabotage dieses wichtigen Rüstungsprojektes.

Meinung zum Film:
Der aufwendige DEFA-Schwarz-Weiß-Film "Die gefrorenen Blitze" stammt aus dem Jahr 1967 und wurde mit einem Budget von letztendlich 5,2 Millionen Mark zu einer der teuersten Produktionen der DEFA. Der Film besteht aus zwei Teilen, "Target Peenemünde" (78:00) und "Password Paperclip" (78:25), mit einer Gesamtlaufzeit von mehr als zweieinhalb Stunden. Der Film kombiniert dabei eine Vielzahl realer Hintergründe, wie die V2-Raketenforschung in Peenemünde, den Oslo-Report, die Sabotageaktionen der Zwangsarbeiter, die Spionagetätigkeit der Widerstandskämpfer, oder die alliierte "Operation Hydra", mit einer fiktiven Handlung und fiktiven Charakteren. Anders als man aufgrund der politischen Rahmenbedingungen bei der Entstehung des Films eventuell erwarten könnte, handelt es sich allerdings keineswegs um einen Anti-Wernher-von-Braun-Film, der hier im Gegenteil nicht mal die zentrale Figur des Films darstellt. Vielmehr würdigt der Film die Leistungen der zahlreichen zu dieser Zeit aktiven Widerstandskämpfer im Rahmen ihrer Spionage- und Sabotagetätigkeiten. Außerdem tritt mit der fiktiven Figur des Dr. Grunwald das personalisierte schlechte Gewissen der deutschen Forschungsgruppe hinzu. Dieser realisiert erst nach und nach, welche furchtbaren Folgen seine Ingenieurstätigkeit überhaupt nach sich zieht. Der Regisseur des Films, János Veiczi ("For Eyes Only"), war selbst Zwangsarbeiter im Dritten Reich.

"Die gefrorenen Blitze" ist ein Kriegsdrama vor dem Hintergrund des 2. Weltkriegs. Zentrales Thema des Films ist die Tätigkeit des Widerstandes gegen die Rüstungsanstrengungen der Nationalsozialisten. Im einzelnen handelt es sich dabei im Film um die unabhängig voneinander agierende französische Rèsistancegruppierung "Marco Polo", den nach Deutschland eingeschleusten polnischen Widerstandskämpfer Stefan (Leon Niemczyk) und den sowjetischen Agenten Alexej. Die Gruppe stiehlt Forschungs- und Lagepläne der Deutschen, Stefan infiltriert das Versuchsgelände und Alexej steuert die Sabotageaktionen innerhalb des Rüstungsprojektes. Aber auch die SS bekommt Wind von der Sabotage und versucht mit erbarmungslosen Kollektivstrafen den Widerstandsgeist der Arbeiter zu brechen. Dr. Grunwald hingegen ist zunehmend angewidert von diesen menschenverachtenden Methoden. Ihn plagt das schlechte Gewissen, sein Traum von der "Mondrakete" wird von der traurigen Realität zerstört. Im Gegensatz dazu wird Wernher von Braun vor allem als gefühlskalter Technokrat dargestellt. Für wen er forscht ist ihm egal, solange er nur die notwendigen Mittel dafür erhält. Für die Zeit danach sorgt er ebenfalls bereits vor und einigt sich noch vor Kriegsende mit den Amerikanern auf eine weitere Forschungstätigkeit, die dafür gerne bereit sind, seine Verstrickungen innerhalb der Rüstungs- und Zwangsarbeiterthematik zu vergessen.

Der Film betreibt für die authentisch wirkende Darstellung der Ereignisse einen hohen tricktechnischen Aufwand, der auch heute noch überzeugen kann. Er operiert dabei mit einer Vielzahl von Schauplätzen und bedient sich einer ausgeklügelten Dramaturgie, die ein hohes Maß an Spannung realisiert, allerdings eben nicht ohne moralischen Tiefgang. Dadurch funktioniert das Werk einerseits als spannendes Spionagedrama, aber aufgrund der glaubwürdigen Charaktere andererseits auch als moralische Auseinandersetzung mit gewissenloser Forschung sowie als filmische Würdigung der selbstlosen Leistungen des Widerstands.

Digitale Aufarbeitung:
Die DVD bietet für einen mehr als 40 Jahre alten Film eine erstaunlich gute Bildqualität. Die Bildschärfe und der Kontrast wissen stets zu überzeugen. Das leichte Rauschen fällt, ebenso wie seltene Verschmutzungen der Vorlage oder vereinzelte Laufstreifen, kaum ins Gewicht. Die Kompression verhält sich ebenfalls unauffällig. Die Tonspur klingt angenehm klar und gut verständlich aus den Lautsprechern.

Bei dem Feature "Die DEFA auf der Spur eines Geheimnisses" (18:38) handelt es sich um ein Gespräch mit dem Dramaturgen des Films, Dr. Dieter Wolf, der seit 1964 der Hauptdramaturg und Leiter der Gruppe "Babelsberg" bei der DEFA war. Er schildert auf interessante Art und Weise Hintergründe zum Film. Das umfasst Detailinformationen zur Konzeption, zur Besetzung und den Charakteren, zu den Drehorten sowie allgemein zur Entstehungsgeschichte des Films. Im Anhang des Interviews findet sich noch eine Kurzbio- und Filmographie von Dr. Wolf. In dem Feature "Herr Marks, wie haben Sie`s gemacht?" (5:33) gewährt der Kameramann und Trickspezialist Kurt Marks, anhand eines noch erhaltenen Vorsatzmodells aus dem Film, einen kleinen Einblick in die verwendete Tricktechnik mit Modellbauten. Den Abschluss des Bonusmaterials bilden relativ detaillierte Bio- und Filmographien des Regisseurs János Veiczi (3 Seiten) sowie der Darsteller Dietrich Körner (3 Seiten), Werner Lierck (4 Seiten) und Alfred Müller (4 Seiten).

Fazit:
"Die gefrorenen Blitze" stellt eine gelungene Verbindung aus Realität und Fiktion dar und entpuppt sich als spannendes, authentisch wirkendes Weltkriegsdrama mit moralischem Tiefgang. Handwerklich und tricktechnisch kann der Film auch heute noch überzeugen und bedient sich glaubwürdig wirkender Charaktere, die im Rahmen einer ausgeklügelten Dramaturgie von einer durch die Bank hochwertigen Darstellerriege beseelt werden. Technisch kann die Präsentation der DVD voll überzeugen, da die mehr als 40 Jahre alte Vorlage offensichtlich digital aufbereitet wurde, und bietet interessantes, exklusives Bonusmaterial.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
2,35:1
2,35:1
156:25 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • Die DEFA auf der Spur eines Geheimnisses
  • Herr Marks, wie haben sie's gemacht?
  • Bio- und Filmographien von Regisseur Jànos Veiczi und den Darstellern Dietrich Körner, Werner Lierck und Alfred Müller
Die gefrorenen Blitze - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Die gefrorenen Blitze
Die gefrorenen Blitze

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Ansprechendes Weltkriegsdrama mit ausgeklügelter Dramaturgie, überzeugender Tricktechnik und moralischem Tiefgang


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
DDR, 1967
Regie:
János Veiczi
Drehbuch:
Dr. Julius Mader, Harry Thürk, János Veiczi
Darsteller:
Alfred Müller, Dietrich Körner, Leon Niemczyk, Emil Karewicz, Renate Blume, Werner Lierck

Label Deutschland :
Icestorm Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
13.02.2009