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DVD-Besprechung - SPIEGEL TV: Feuersturm - Der Bombenkrieg gegen Deutschland

Story:
Die vorliegende Dokumentation beschäftigt sich mit dem Bombenkrieg der Alliierten gegen deutsche Ziele im Zweiten Weltkrieg in der Zeit von 1940-1945. Zentrale Inhalte der Dokumentation sind die Darlegung der Ziele, Planung und Durchführung des Bombenkrieges sowie die Auswirkungen dieser groß angelegten Bombardements auf die Moral der Bevölkerung, den Status der deutschen Rüstungsproduktion und den allgemeinen Verlauf des Krieges. Ferner wird auch die These von Jörg Friedrich erörtert, nach der spätestens seit 1944 die Bombardierung deutscher Städte hinsichtlicher militärischer Gesichtspunkte sinnlos geworden sei.

Meinung zum Film:
Michael Kloft ("Das 3. Reich in Farbe") ist einer der rührigsten deutschen Regisseure im Bereich zeithistorischer Dokumentationen über das Dritte Reich bzw. über die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Seit 1995 arbeitet er fest für Spiegel TV und leitet mittlerweile die Abteilung "History" bei Spiegel TV. Im Jahr 1996 wurde sein Zweiteiler "Welche Farbe hat der Krieg?", unter erstmaliger Verwendung von bisher ungesendetem, amerikanischem Farbfilmmaterial aus der Kriegszeit, für den Adolf-Grimme-Preis nominiert. Maßgeblichen Anteil an der vorliegenden Dokumentation hat auch der deutsche Historiker Jörg Friedrich, der mit seinem Bestseller "Der Brand - Deutschland im Bombenkrieg 1940-1945" aus dem Jahr 2002 eine kontroverse und sehr emotionale Debatte über Sinn, Unsinn und moralische Verwerflichkeit des Bombenkrieges der Alliierten lostrat. Gerade im politisch linken Spektrum machte sich Friedrich mit dieser Publikation wenig Freunde und sah sich auch Vorwürfen ausgesetzt, sein Buch verwende Terminologien, die den Bombenkrieg sprachlich mit dem Holocaust auf eine Ebene stellen würden.

"Feuersturm" besteht aus einer Vielzahl unterschiedlicher Quellen, die von einem Kommentator verknüpft werden. Zunächst enthält die Dokumentation umfangreiches Archivmaterial über die Folgen des Bombenkrieges in den Städten sowie Luftaufnahmen der alliierten Bomberstaffeln, weiterhin gibt es Ausschnitte aus deutschen Lehr- und Propagandafilmen zum korrekten Verhalten bei Bombenangriffen. Weiterhin gibt es kurze Interviews mit deutschen Zeitzeugen und alliierten Bomberpiloten und als zentralen Bestandteil der Dokumentation Äußerungen von Jörg Friedrich und in geringerem Umfang Statements seines britischen (Militär-)Historikerkollegen Richard Overy, der hier quasi als Gegenpol zu Friedrichs Thesen fungiert. "Feuersturm" bietet in Bild und Ton einen umfassenden Überblick über die alliierten Bombenangriffe auf Deutschland. Neben deren ursprünglichen Zielen und ihrer Planung schildert der Film auch relativ detailliert die Weiterentwicklung und Effizienzsteigerung dieser Art der Kriegsführung und bietet auch einige technische Details zu den verwendeten Bombentypen oder zum Training der Bomberbesatzungen.

Im Fokus stehen natürlich auch die durch die Bombardierungen hervorgerufenen Schäden an Mensch und Material. Weiterhin werden auch die angewendeten Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung oder das propagandistische Ausschlachten der Bombenangriffe durch die NS-Führung nicht ausgespart. Hinsichtlich einer Stellungnahme zur moralischen Verwerflichkeit des Bombenkrieges oder dessen militärischer Sinnlosigkeit hält sich die Dokumentation jedoch stark zurück und geht lediglich zu Beginn und am Ende relativ knapp darauf ein. Leider ist die Argumentation in diesem Bereich auch eher lückenhaft ausgefallen und blendet beispielsweise den Kontext des "totalen Krieges" aus. Weiterhin fehlen Stellungnahmen führender Militärs zur rückblickenden Kriegswichtigkeit der Bombenangriffe. Friedrich selbst kommt allerdings zu der These, dass das Ziel der "Demoralisierung der Bevölkerung" nicht erreicht wurde. Die Beeinträchtigung der deutschen Rüstungsproduktion durch die Bombardements habe den Krieg aber auf jeden Fall verkürzt. Außerdem hätten die Bombenangriffe gegen Ende des Krieges die Zahl eigener, gefallener Soldaten zwar reduziert, aber eben auf Kosten der deutschen Zivilbevölkerung. Und das obwohl sie zu diesem Zeitpunkt, aufgrund des nicht mehr aufhaltbaren Vorrückens der Alliierten, nicht mehr kriegsentscheidend waren.

Digitale Aufarbeitung:
Bei dieser Dokumentation schwankt die Bildqualität natürlich aufgrund der Vielzahl verwenderter Bildquellen unterschiedlichster Herkunft. Insgesamt wird hier aber eine gute Bildqualität geboten und auch das Archivmaterial wurde offensichtlich aufbereitet. Die deutsche Tonspur gewährleistet außerdem zu jeder Zeit eine gute Verständlichkeit.

Im Bonusteil der DVD findet sich zunächst das Feature "Köln 1945 - Stunde Null in einer zerstörten Stadt" (40:45). Es handelt sich hier um unkommentiertes, zeitgenössisches S/W-Archivmaterial der einmarschierenden amerikanischen Truppen. Der zeitliche Rahmen dieser Filmaufnahmen reicht von den letzten Kämpfen in der Innenstadt am 6. März 1945 bis zum 26. Mai 1945. Zu dieser Zeit sind die Aufräumarbeiten in der zerstörten Stadt bereits in vollem Gange. Hier werden vor allem erschreckende visuelle Eindrücke einer Stadt in Trümmern offeriert, die aber leider akustisch von einer völlig unpassenden und nervtötenden Synthesizerkulisse untermalt werden. Zudem befindet sich auf der DVD noch das komplette Interview mit dem Historiker Jörg Friedrich (40:15), dessen Fragmente große Teile des Hauptfilms ausmachen. Friedrich gibt hier einen guten Überblick über Bedeutung, Ziele und Charakteristik des Luftkriegs gegen Deutschland und findet gegen Ende deutlich kritischere Worte als die eigentliche Dokumentation. So spricht er beispielsweise bezüglich der letzten Bombenangriffe des Krieges von "Racheorgien der Alliierten" oder von "sinnlosen, barbarischen und unmilitärischen Versuchen die Deutschen zu bestrafen".

Fazit:
"Feuersturm - Der Bombenkrieg gegen Deutschland" gewährt einen guten Überblick über Ziele, Planung, Durchführung und Verlauf der alliierten Bombardierungen und zeigt umfangreich deren Auswirkungen auf die deutschen Städte und ihre Zivilbevölkerung. Die Debatte über Sinn und Unsinn des Bombenkriegs oder moralische Gesichtspunkte wird jedoch nur unzureichend angerissen. So bindet die Dokumentation die Bombenangriffe nicht in den Gesamtkontext des von Deutschland propagierten "totalen Krieges" ein und es fehlt eine differenzierte Darstellung der emotional geführten Debatte um die Thesen von Jörg Friedrich. Diese wäre hinsichtlich einer Argumentation bezüglich des Für und Wider seiner Thesen, vor allem für den Laien, aber eigentlich unerlässlich.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,33:1
1,33:1
93:25 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • Köln 1945 - Stunde Null in einer zerstörten Stadt
  • Das komplette Interview mit Jörg Friedrich
SPIEGEL TV: Feuersturm - Der Bombenkrieg gegen Deutschland - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Feuersturm - Der Bombenkrieg gegen Deutschland
Feuersturm - Der Bombenkrieg gegen Deutschland

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Umfassende Darstellung des Bombenkrieges der Alliierten im 2. WK, jedoch ohne wirkliche kritische Wertung


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2003
Regie:
Michael Kloft

Label Deutschland :
Polyband
Verkaufsstart Deutschland :
27.02.2009