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DVD-Besprechung - SPIEGEL TV: Brutalität in Stein

Story:
"Brutalität in Stein - Die Bauten der Nazis gestern und heute" befasst sich mit einer Vielzahl nationalsozialistischer Bauprojekte, inklusive des geplanten, gigantischen Umbaus von Berlin zur Welthauptstadt "Germania". Enthalten sind aber auch die Besichtigung nationalsozialistischer Musterdörfer, die Entdeckung in Vergessenheit geratener Reichsautobahnteilstücke oder ein Besuch der ehemaligen Ordensburg Sonthofen, wobei auch stets deren aktuelle bauliche Nutzung erörtert wird. "Das unterirdische Reich - Die geheimen Welten der Nazis" konzentriert sich hingegen auf unterirdische Bauvorhaben der Nazis wie Rüstungsschmieden und riesige Stollen- und Bunkersysteme.

Meinung zum Film:
Innerhalb seiner neuen "Spiegel TV DVD-Edition" präsentiert Polyband eine Reihe von Wiederveröffentlichungen älterer Dokumentationen über die Zeit des 2. Weltkriegs. "Spiegel TV: Brutalität in Stein" enthält gleich zwei Dokumentationen im Doppelpack, die zuvor einzeln von Polar Film veröffentlicht worden sind. Das sind zum einen "Brutalität in Stein - Die Bauten der Nazis gestern und heute" (88:47) von Michael Kloft ("Feuersturm - Der Bombenkrieg gegen Deutschland") und zum anderen "Das unterirdische Reich - Die geheimen Welten der Nazis" (93:43) von Michael Kloft und dem Historiker Michael Foedrowitz, der u.a. bereits im Jahr 2002 das Buch "Bunkerwelten: Luftschutzanlagen in Norddeutschland" veröffentlicht hat und als Experte für Bunkeranlagen gilt.

Bei "Brutalität in Stein - Die Bauten der Nazis gestern und heute" fällt zunächst die extrem platte Titelgebung ins Auge. Ein weit größeres Problem ist allerdings der fehlende rote Faden dieser Dokumentation. Das zentrale Bauprojekt der Nazis, die Welthauptstadt "Germania", wird nur auf äußerst oberflächliche Art und Weise abgehandelt und einseitig auf ihre gigantische Plangröße reduziert. Zum Baumeister Hitlers, Albert Speer, gibt es sträflicherweise so gut wie keine Informationen und auch Details zum Baustil oder historischen Einflüssen der Planungen gibt es keine brauchbaren Hintergründe. Fortan springt die Dokumentation von einem Bauvorhaben zum anderen, obwohl diese inhaltlich überhaupt nicht auf einen Nenner zu bringen sind. So stehen dann fatalerweise Reichsautobahnen, ein Konzentrationslager, das olympische Dorf oder auch Fachwerkmustersiedlungen für Arbeiter gleichberechtigt nebeneinander. Angereichert wird diese "Expedition" durch lückenhafte Hintergründe, die nicht nur die Bauwerke selbst betreffen, sondern auch den Versuch darstellen den Brückenschlag zu völlig anderen Themengebieten, wie beispielsweise der Rassenideologie der Nationalsozialisten, zu schlagen. Diese Exkurse stellen jedoch nur oberflächliche und unpassende Randnotizen dar. Das interessanteste Element des Dokumentarfilms ist sicherlich die Betrachtung dieser Gebäude hinsichtlich ihrer damaligen, hier wird historisches Archivmaterial eingespielt, und heutigen Nutzung, die mit einer filmischen Spurensuche vor Ort erschlossen wird. Die Auswahl der dargestellten Bauprojekte ist jedoch nicht nur uneinheitlich, sondern auch sehr lückenhaft. So fehlen beispielsweise zentrale, aussagekräftige Bauwerke wie das Nürnberger Reichsparteitagsgelände oder das Seebad Prora, während sich die Dokumentation lieber mit der ersten Autobahnraststätte am Chiemsee oder einem als künstliche Insel angelegten Torpedo-Testgelände beschäftigt.

"Das unterirdische Reich - Die geheimen Welten der Nazis" hat inhaltlich ebenfalls einen großen Makel, denn die Dokumentation ist dreigleisig angelegt, wodurch die thematische Fokussierung etwas verloren geht. Die Macher der Dokumentation konnten sich offensichtlich nicht entscheiden ob nun die gigantischen, unterirdischen Anlagen selbst im Mittelpunkt stehen sollten, die dort teilweise konzipierten "Wunderwaffen", die dem Krieg eine neue Wende geben sollten, oder aber die in diesem Rahmen massiv betriebene, unbarmherzige Ausbeutung von Zwangsarbeitern. Im Hinblick auf die technischen Details zu den Wunderwaffen oder beispielsweise in Bezug auf Hintergründe zu den Vätern des deutschen Raketenprogramms, wie Wernher von Braun, gibt es enttäuschenderweise kaum weiterführende Details. Auch die Abhandlung der Thematik über die Ausbeutung der Zwangsarbeiter im Verlauf dieser Projekte, bei der auch Opfer zu Wort kommen, kann nicht überzeugen. So gibt es keinen zentralen Block über die Bedeutung der Zwangsarbeiter und deren menschenverachtende Behandlung. Stattdessen wird bei jedem einzelnen unterirdischen Bauprojekt das Thema Zwangsarbeiter mit ein paar Sätzen aufgegriffen, was nicht nur zwanghaft moralisierend, sondern auch noch aufgesetzt wirkt. Wer sich also über das Thema "Deutsche Wunderwaffen" oder "Zwangsarbeiter im 3. Reich" informieren möchte, sollte besser zu einer anderen Dokumentation greifen. In einem Bereich kann die Dokumentation aber, besonders optisch, wirklich punkten. Diese Stärke betrifft die Vor-Ort-Erkundung der gigantischen Tunnel- und Stollensysteme ehemaliger unterirdischer Rüstungsproduktionsstätten, wie der Raketenfabrik in Nordhausen, oder beispielsweise die Begehung des Rohbaus eines geplanten, neuen Führerbunkers im Eulengebirge, 50km südlich des polnischen Ortes Breslau. Im Rahmen dieser "Erkundungen" gibt es faszinierendes und einmaliges Bildmaterial gigantischer, unterirdischer Anlagen zu sehen, die der Öffentlichkeit normalerweise nicht zugänglich sind.

Digitale Aufarbeitung:
Auch bei diesen Dokumentationen wurde einiges an Archivmaterial verwendet und die Bildqualität unterliegt dadurch regelmäßigen Schwankungen. Die Bildqualität bewegt sich aber insgesamt für eine Dokumentation wieder auf einem guten Level. Die deutschen Tonspuren verfügen über eine gute Verständlichkeit und bieten deshalb keinen Anlass zur Klage.

Die beiden enthaltenen Dokumentationen werden bei dieser Veröffentlichung als gleichberechtigt angesehen. Somit gibt es kein weiteres Bonusmaterial.

Fazit:
"Brutalität in Stein - Die Bauten der Nazis gestern und heute" verfügt zwar über einen plakativ-reißerischen Titel, einen wirklichen roten Faden innerhalb der Dokumentation gibt es aber nicht. Zudem werden zentrale Hintergrundinformationen bezüglich der Bauherren hinter den Plänen oder den architektonischen Einflüssen der Bauvorhaben weitgehend ausgeblendet. "Das unterirdische Reich - Die geheimen Welten der Nazis" fährt inhaltlich leider dreigleisig, was den Informationsfluss der Dokumentation hemmt und einige Längen entstehen lässt. Aufgrund des exklusiven und beeindruckenden Bildmaterials bei der Vor-Ort-Erkundung gigantischer Stollensysteme und Bunkerwelten ist dieser Dokumentarfilm aber, trotz inhaltlicher Schwächen, immer noch sehr empfehlenswert.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,33:1
1,33:1
182:30 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • -
SPIEGEL TV: Brutalität in Stein - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Brutalität in Stein - Die Bauten der Nazis gestern und heute / Das unterirdische Reich - Die geheimen Welten der Nazis
Brutalität in Stein - Die Bauten der Nazis gestern und heute / Das unterirdische Reich - Die geheimen Welten der Nazis

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
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Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2002 / 2004
Regie:
Michael Kloft, Michael Foedrowitz

Label Deutschland :
Polyband
Verkaufsstart Deutschland :
27.02.2009